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Smartphones: Windows Phone 7 soll Geräte-Wildwuchs stutzen

von Axel Postinett Quelle: Handelsblatt Online

Flucht nach vorne: Windows Phone 7 ist da, und Microsoft-Chef Steve Ballmer versucht die Quadratur des Kreises. Mit eisenharten Bedingungen beschneidet er die Freiheiten der Gerätehersteller bei der Softwareentwicklung und lässt ihnen nur noch geringen Freiraum bei der Hardware.

Windows 7 auf dem Telefon: Microsoft will Apple endlich Paroli bieten. Quelle: handelsblatt.com
Windows 7 auf dem Telefon: Microsoft will Apple endlich Paroli bieten. Quelle: handelsblatt.com

BARCELONA. Die Benutzeroberfläche muss immer von Microsoft sein. Damit will er Apples iPhone endlich Paroli bieten und riskiert dafür sogar einen Machtkampf mit seinem wichtigsten Lieferanten, HTC. Gleichzeitig ist unklar, ob er andere Hersteller für das System wirklich wird begeistern können. Viele sind bereits mit Googles Android gegen Apple durch gestartet. Und anders als Google will Ballmer auch noch Lizenzgebühren für jedes Telefon kassieren.

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"Wir haben die Art, mit unseren Partner zusammen zu arbeiten grundlegend geändert", gibt Ballmer in Barcelona unumwunden zu, um gleichzeitig zu betonen, dass man sie auf gar keinen Fall ausbooten wolle, Allerdings wollte man "Vielfalt und Innovation in der Hardware", allerdings auch "etwas mehr Einheitlichkeit bei der Nutzeroberfläche", ein "konsistentes Erlebnis". Ob sich die Strategie auszahlt, wird sich im Weihnachtsgeschäft 2010 zeigen müssen.

Erste Geräte mit Windows Phone 7 sollen im zweiten Halbjahr verfügbar sein, hieß es am Montag auf der Mobile World in Barcelona. Als Partner werden zahlreiche Mobilfunk-Konzerne genannt und Geräte-Hersteller wie HTC, Dell, Samsung oder LG. Aber praktisch jeder von ihnen hat heute auch schon Android-Pferde im Stall. Forreste-Analyst Charles Golvin: "Das wichtigste Ziel von Windows Phone 7 ist die Problem im Konsumentenbereich anzugehen. Es ist ein viel versprechender Launch, aber auch die letzte Chance, es noch einmal richtig zu machen."

Mit dem alten Windows Mobile hat Phone 7 wenig gemein. Microsoft schwimmt wie alle anderen auf der "People"-Welle. Der Mensch und seine Kontakte sollen im Mittelpunkt stehen, egal, wie die Kommunikation ablaufen soll. Den neuen Startbildschirm werden übergroße interaktive Programmfelder, "Kacheln", beherrschen, in denen der Nutzer seine wichtigsten Aktivitäten und Kontakte ablegen kann.

Außerdem sind die Microsoft-Medienplattform Zune und die Gamingplattform Xbox Live integriert. Die Microsoft Suchmaschine Bing ist fest verankert, so wie Google auf Apples iPhone.

Bei den "Kacheln" handelt es sich nicht mehr um Verlinkungen auf Programme oder Webseiten, sondern die Inhalte werden laufend vom System aktualisiert und aus ihnen heraus kann kommuniziert werden. Beispiel: Wenn jemand sein Foto auf dem Social Network aktualisiert und es ist auf einer Kachel platziert, wird das Foto automatisch erneuert.

Sechs Themenbereiche, "Hubs" genannt, verbergen sich hinter den Kacheln, wobei deren Inhalte aus verschiedenen Quellen stammen können. Zum Beispiel der Hub Bilder, der alle Fotos on- und offline zusammenfasst. Zusätzliche Funktionen wie Upload in Facebook sind mit einem Klick ausführbar. Das System der Hubs soll so im Prinzip sogar die von Apple beherrschte Welt der Apps (Software) weitgehend überflüssig machen. Hier hat Microsoft mit dem eigenen Software-Shop bislang keinen Fuß auf die Erde bekommen.

Um Businesskunden anzulocken, wird im Hub "Produktivity" das Büropaket Mobile Office 2010 ab Werk mit im Angebot sein. Dabei sind auch Online-Notizbuch mit PC-Synchronisation und Sharepoint-Anbindung, kompatibel mit der PC-Version.

Die Mindestvoraussetzungen an die Hardware für Windows Phone 7 sind happig: Vorgeschrieben ist mindestens ein Prozessor mit 1 Ghz, man habe "sehr eng mit Qualcomm" zusammengearbeitet, so Ballmer. Außerdem wird ein kapazitiver Touchscreen Pflicht, den man mit den Fingern statt mit Stift bedienen kann. Alle Geräte müssen einen Start-Button, einen Search-Button (mit Bing) und einen Zurück-Button auf der Frontseite haben, der von überall wieder zum Home-Bildschirm verweist.

Dass Ballmer etwas unternehmen musste, war klar. Nach den jüngsten Zahlen der Marktforscher von Canalys ist der Marktanteil von Windows Mobile in 2009 um satte 26 Prozent auf nur noch 8,8 Prozent weg gesackt. Googles Android konnte von fast Null auf 4,7 Prozent aufholen, Apple ist auf 15,1 Prozent enteilt, liegt nun hinter Symbian (Nokia) und RIM.

Das Problem: Für Hersteller wie HTC wird es uninteressanteer, Microsoft als Plattform zu wählen. Die eigene HTC-Oberfläche "Sense" wird nicht mehr funktionieren. HTC wird praktisch wieder zum Auftragsfertiger degradiert. "HTC wird sehr eng mit Microsoft zusammenarbeiten, um die HTC-Experiance auf den Windows 7-Geräten sicherzustellen", heißt es zwar heute von HTC. Für die Strategie des Herstellers, ein Markenanbieter zu werden, ist Windows Phone 7 jedoch ein herber Rückschlag und damit auch nicht mehr im Fokus.

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