Snapchat: Der gläserne Messenger-Nutzer

Snapchat: Der gläserne Messenger-Nutzer

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Snapchat hat seine Nutzungsbedingungen geändert.

von Lisa Oenning

Durch neue Nutzungsbedingungen räumt sich Snapchat alle Rechte an den Inhalten seiner Nutzer ein. Experten kritisieren, dass Nutzer keinen Überblick darüber haben, was mit ihren Daten passieren kann.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Snapchat-Nutzer keine Gedanken mehr darüber machen müssen, wo ihre Bilder und Videos möglicherweise später einmal zu sehen sein könnten. Der Instant-Messaging-Dienst hat seine Allgemeinen Nutzungsbedingungen komplett umgekrempelt: Bislang wurden die übertragenen Daten nach zehn Sekunden gelöscht, jetzt werden sie vom Unternehmen gespeichert - und unter Umständen auch verwendet. Seit Kurzem hat der Dienst mehr als 100 Millionen aktive Nutzer täglich – wie viele Deutsche sich darunter befinden, ist allerdings unklar.

Indem die Nutzer die neuen Nutzungsbedingungen bestätigen, willigen sie ein, dass Snapchat Bilder und Videos speichern, analysieren, löschen und veröffentlichen darf. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Zusammenhang der Dienst Daten verwendet. Zudem gibt der Nutzer durch die Einwilligung der Geschäftsbedingungen seine Namensrechte ab. Das heißt, dass der Dienst zu Werbezwecken die Stimmen seiner User benutzen kann.

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Der Hinweis auf Live Stories in den AGB lässt darauf schließen, dass Snapchat durch die Änderungen von den Daten der Nutzer profitieren will. Snapchat kann nämlich nun alle Bilder, Videos und Beiträge einer Veranstaltung sammeln und zu einer Live Story zusammenfügen – der Nutzer hat dann das Gefühl, dass der Nachrichtendienst live von einem Event berichtet. Und Snapchat verdient ordentlich daran, denn die Inhalte sollen vor allem für Werbekunden attraktiv sein.

Kritik von deutschen Juristen

Ob die Änderung der AGB rechtens ist, bezweifelt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Er ist sich sicher, dass die allgemeinen Geschäftsbedingungen in großen Teilen keinen Bestand vor deutschen Gerichten haben werden. "Dagegen sprechen eindeutig das Transparenzgebot und der Datenvermeidungsgrundsatz, die fest im Datenschutz verankert sind." Personenbezogene Daten dürften demnach nur zu ganz bestimmten Zwecken verarbeitet werden. "Der Nutzungsumfang wird unzureichend konkretisiert", glaubt Solmecke. Die Rechte in den neuen AGB seien derart umfassend, dass dem Nutzer unklar sei, wofür Snapchat die Inhalte überhaupt speichert und nutzt. "Darüber hinaus ist für mich auch nicht nachvollziehbar, an wen die Inhalte weitergegeben werden dürfen", sagt der Rechtsexperte.

Solmecke kritisiert, dass Nutzer nicht ausdrücklich in die Erhebung der Daten einwilligen. "Sie haben noch nicht einmal die Möglichkeit, der Verarbeitung der Daten zu widersprechen." Denn falls die Nutzer kein Häkchen unter die AGB setzen, können sie den Messenger nicht weiter verwenden. Besonders heikel findet der Rechtsanwalt, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausschließlich auf Englisch verfügbar sind – und nicht auf Deutsch. "Das führt dazu, dass diese gar nicht wirksam in den Verträgen mit deutschen Nutzern einbezogen werden können", sagt Solmecke.

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Aber nicht nur Snapchat wird wegen seiner Nutzungsbedingungen kritisiert. Auch bei Facebook gehen nach Meinung von Solmecke die Übertragung der Nutzerlizenzen zu weit. "Es werden viel zu umfassende Nutzungsrechte übertragen, die über das hinausgehen, was die Plattform zwingend für die Bereitstellung seiner Dienste benötigt."

Insofern gebe es bei Facebook ähnliche Probleme. Das weltweit größte Netzwerk hat allerdings nach diversen Rechtsstreitigkeiten seine AGB bereits mehrfach überarbeitet – und bietet sie, im Gegensatz zu Snapchat, in verschiedenen Sprachen an.

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