Social Media: Was Pinterest für Investoren attraktiv macht

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Social Media: Was Pinterest für Investoren attraktiv macht

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Ben Silbermann (links) und Mitgründer Evan Sharp im Atrium von Pinterest

von Matthias Hohensee

Pinterest zählt zu den wertvollsten Start-ups der Welt. Kann das Netzwerk Facebook gefährlich werden? Was Pinterest so interessant für Unternehmen und Investoren macht - und welche Probleme es gibt.

Unter lichtdurchfluteten Deckenfenstern hängen gestreifte Mini-Heißluftballons. An den Wänden stehen Puppenhäuser, Fahrräder, eine Bar wie aus dem Westernsaloon, Legobausteine, Leuchtreklamen, Geschenkpapier und ein zum Schreibtisch umfunktionierter Ford Mustang. Alles wirkt im Hauptquartier von Pinterest in San Francisco, als ob sich Innenarchitekten und Nostalgiefans gegenseitig übertreffen wollten.

Alle Wege in dem zweistöckigen Lagerhaus aus roten Ziegelsteinen – einst stapelten sich hier Schuhkartons – führen zur Mitte des Gebäudes, die wie ein Marktplatz wirkt. Dort sind lange Tische aufgebaut, an denen Manager und Mitarbeiter essen und diskutieren, flankiert von einer modernen Küche, Kaffeeautomaten und gläsernen Kühlschränken mit Getränken und Joghurtbechern. An diesem Dienstagmittag im späten Oktober gibt es Pizza, Salat und Hühnchen.

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Das Auge ist verwirrt. Der Besucher weiß nicht, wohin er zuerst schauen soll. Aber schnell wird klar: Das Chaos ist inszeniert. Es steckt eine Ordnung in den Dingen. Alle Gegenstände haben ihren thematischen Platz, wurden von den Designern bewusst ausgewählt. Das vermeintliche Durcheinander symbolisiert den Zweck von Pinterest. Das Start-up verwaltet ein Sammelsurium von 30 Milliarden Objekten – die größte digitale Wandzeitung des Internets.

Sie ist die Fleißarbeit der aktuell 70 Millionen Nutzer, die ihre Fundstücke – eigene, vor allem aber auch im Web entdeckte Bilder – an ihr digitales Schwarzes Brett pinnen. Daher der Name der Plattform. Entstanden ist eine gigantische Fundgrube aus all dem, was das Internet an interessanten Dingen zu bieten hat. Damit ist Pinterest so etwas wie die virtuelle Schaufensterfront des World Wide Web.

"Mach Platz, Zuckerberg"

Ob Brautsträuße, Kücheneinrichtungen, Whiskeymarken, Laufschuhe, Strickwesten, Landschaften, Tiere oder Tattoos: Knapp 800 Millionen individuelle Wandzeitungen – die Boards – sind in den vergangenen vier Jahren entstanden. Jeder Nutzer hat im Schnitt elf von ihnen.

Angesichts dieser Zahlen kürte das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Pinterest sogar schon zum Nachfolger von Facebook. „Mach Platz, Zuck“, titelte es jüngst in Anspielung auf dessen Gründer Mark Zuckerberg. Eine tollkühne Prognose für ein Start-up, das gerade erst angefangen hat, Geschäftsmodelle zu testen, und immer noch Verluste schreibt. Noch muss sich Zuckerberg jedenfalls nicht fürchten. Facebook hat rund 1,3 Milliarden Profile. Twitter ungefähr 270 Millionen Konten. Pinterest ist mit seinen 70 Millionen Nutzern vergleichsweise klein.

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Internetseiten von Twitter und Facebook Quelle: dpa

Mehr noch: Facebook hält den Markt für soziale Netzwerke fest im Griff und hat die Wettbewerber in Nischen gedrängt. „Pinterest muss sich erst im Markt beweisen“, meint Nate Elliott vom US-Marktforscher Forrester Research, ein bekannter Experte für soziale Medien. Und nicht wenige einst gefeierte Start-ups wie MySpace, Second Life, Bebo und Path sind heute: vergessen.

Auch deshalb fragt sich mancher, ob überhaupt noch Platz ist für ein weiteres soziales Netzwerk?

Attraktiv für die Werbewirtschaft

Kurz gesagt: Wenn eine Firma das Zeug hat, es zu schaffen, dann ist es Pinterest. Den Aufschluss bringt der Ortstermin, ein Tag voller Gespräche mit den Managern der Bilderplattform in der Firmenzentrale in San Francisco. Der Grund ist, dass die Mitglieder des Netzwerks für die Werbewirtschaft so attraktiv sind wie in kaum einer anderen Community.

Das liegt an einem wichtigen Unterschied zu Facebook. Der Marktführer dient vor allem der Kommunikation mit Freunden und Bekannten. Dagegen haben die Pinterest-Gründer ihre Plattform als Einkaufsbegleiter konzipiert.

Die Nutzer suchen gezielt nach interessanten Dingen, müssen nicht erst auf Produktseiten gelockt werden. Ihre Boards dienen zur Selbstdarstellung – auch um den eigenen Geschmack zu demonstrieren und sich wie bei Twitter von möglichst vielen Fans bestätigen zu lassen. So ist etwa die Kategorie Hochzeit in den USA besonders populär. 56 Prozent der Nutzer sind weiblich.

Und weil jedes der "Pins" genannten Bilder mit Originalquelle verknüpft ist, leitet auch der Klick auf kommerzielle Fotos direkt zu den zugehörigen Web-Seiten – von kleinen Blogs über Modemagazine wie „Vogue“ bis hin zu Online-Handelsseiten wie Net-a-porter oder Etsy.

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