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Software: Microsoft vs. Google: Der Tanz mit dem Teufel

von Sebastian Matthes

Facebook und Microsoft verbünden sich im Kampf gegen Googles Softwarepaket. Das sind schlechte Nachrichten für den Suchmaschinenkonzern. Aber auch für Microsoft.

Microsoft CEO Steve Ballmer Quelle: AP
Microsoft CEO Steve Ballmer Quelle: AP
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Im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind haben sich zwei Giganten zusammengeschlossen: Das mit rund 400 Millionen Mitgliedern weltgrößte Internet-Netzwerk Facebook und der milliardenschwere Softwarekonzern Microsoft bieten ein internetbasiertes, kostenloses Bürosoftwarepaket an. Docs.com ist eine reduzierte Online-Version von Microsofts Officepaket, das die Anwender über die Facebook-Plattform künftig gemeinsam nutzen sollen. 

Welche Funktionen die kostenlosen Online-Programme genau haben und wie sie im Detail aussehen werden, lässt sich noch nicht sagen. Auf der Internetseite sind zunächst nur Beispieldokumente zu besichtigen. Klar ist jedenfalls, dass Nutzer auf Wunsch Dokumente mit Facebook-Bekannten bearbeiten oder die Arbeitsergebnisse anderer kommentieren können. 

Google macht Microsoft bei Bürosoftware Konkurrenz

Auf den ersten Blick ist der Schritt der beiden US-Unternehmen genial. Mit den Online-Programm finden sie endlich eine überzeugende Antwort auf Googles Internet-Bürosoftware, die in den vergangenen Wochen kräftig verbessert wurde und zuletzt zahlreiche neue Nutzer gewinnen konnte. Darunter auch einige Großunternehmen wie Jaguar und Rentokill. Doch im Massenmarkt sind Googles Online-Programme noch nicht angekommen. Viele Nutzer haben kein Interesse daran, dem Suchmaschinenkonzern noch mehr persönliche Informationen zu überlassen. Sie suchen dringend nach alternativen Möglichkeiten, um im Netz gemeinsam an Dokumenten arbeiten zu können. Allein schon deshalb wird Docs.com ein Erfolg. Doch das neue Angebot ist nicht nur eine schlechte Nachricht für Google. Das Angebot zeigt zugleich, in welch kritischer Situation sich Microsoft befindet und wie schwierig das Internetgeschäft für den Softwarekonzern ist: Den Großteil seines Umsatzes macht Microsoft zwar immer noch mit Software-Verkäufe an Firmenkunden. Doch eine kostenlose Alternative zu Microsofts Bürosftware bedeutet - sehr wahrscheinlich - trotzdem sinkende Verkäufe von Offline-Office.

Unklares Geschäftsmodell

Dabei ist völlig unklar, inwiefern der Konzern die verlorenen Umsätze durch die Kostenlos-Version wettmachen will. Wahrscheinlich werden Werbeeinnahmen nicht einmal reichen. Microsoft müsste Basisversionen der Internetsoftware kostenlos anbieten und versuchen, mit Zusatzangeboten Geld zu verdienen. Ob das klappt, ist völlig unklar.

Ebenso unklar ist, ob Microsofts Docs.com der Einstieg nicht zahlender Kunden ins Microsoft-Universum sein kann, wie der Konzern insgeheim hofft.

Klar ist bislang nur: Docs.com ist Microsofts Tanz mit dem Teufel.

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12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.04.2010, 22:16 UhrAnonymer Benutzer: Nemo

    "Und, wer weiß, eines Tages wird sich Microsoft finanziell an Facebook beteiligen. Oder ganz kaufen."

    Also das ist schon längst geschehen. MS besitzt einen Anteil von 1,6% an Facebook. Somit ist der deal nur noch logischer.

    Zudem möchte ich hinzufügen, dass man schon jetzt mit Microsoft Office Live Workspace Dokumente sehr gut gemeinsam bearbeiten kann.

  • 23.04.2010, 14:57 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    ich finde, Microsoft muss einfach einen langen Atem haben. Ein Gegentrend zu dem "For-Free"-Hype zeichnet sich inzwischen sehr deutlich ab. Proprietäre, kostenpflichtige Lösungen sind wieder auf dem Vormarsch. Zur Zeit sind es Systemangebote (Software + Hardware), die jedoch auch dazu führen, dass die User zum Kaufen erzogen werden (Appstore, iTunes). Es dauert sicherlich noch einige Jahre, aber die OpenSource-Hysterie ist klar auf dem Rückzug. Microsoft sollte daher nicht in die destruktive Strategie investieren "Software ist kostenlos, Dienste bringen Umsatz", denn diese Strategie hat nur bei Google funktioniert, und zwar nur deshalb, weil Google einen Goldesel hat.

  • 23.04.2010, 12:52 UhrAnonymer Benutzer: ErikG

    Welchen Wert hat die "kostenlose" Microsoft Office-Version?

    Sie hat den Wert eine dauerhaften Probierversion, und das noch beschränkt auf Word und Excel.

    Wer ernsthaft arbeiten will/muss der wird nach wie vor auf das reguläre, teuere Office-Packet zurückgreifen müssen.

    Microsoft hat mit bedacht die Office-Packete so zusammengestellt, dass es keinen Sinn ergibt Outlook als eigenständige Software zu erwerben. Und Outlook ist nun mal Standard in der industrie.

    im Privatbereich mag Thunderbird ausreichend sein, für professionelle e-mail Verwaltung kommt man derzeit schlecht an Outlook vorbei, egal wie oft man sich schon über dieses Programm geärgert hat. Man ist schlicht darauf angewiesen Outlook zu haben.

    Die kostenlose Online-Version von Word und Excel ist also nichts anderes als ein Appetit-Anreger. Als ernsthafter Anwender wird man nach wie vor für eine vollständige Microsoft Office Version bezahlen.

    Zudem macht Microsoft mit der Zusammenarbeit mit Facebook eine gefährliche Lücke dicht die bis dahin für Open Office / Symphony bestand. Und Open Office bzw. Symphony (ibM) gibt es nur als kostenlose Vollversion.

    Für Microsoft bringt dieser Facebook Deal also nur Vorteile.

    Und, wer weiß, eines Tages wird sich Microsoft finanziell an Facebook beteiligen. Oder ganz kaufen.

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