Soziale Netzwerke: Googles neuem Dienst fehlt das große Plus

KommentarSoziale Netzwerke: Googles neuem Dienst fehlt das große Plus

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Google Plus

von Sebastian Matthes

Mit Google Plus will der Suchmaschinenkonzern den Aufstieg von Facebook stoppen. Doch die Erfolgsaussichten sind dürftig, dem neuen Dienst fehlt ein wirklicher Mehrwert.

Erfolgreiche Dienste im Internet erkennt man an einer Eigenschaft: Ihr Nutzen und vor allem ihre Einmaligkeit lässt sich in einem Satz beschreiben: Facebook ist eine leicht bedienbare Plattform für den Austausch mit Freunden; Qype ist ein Bewertungsportal für Restaurants, Cafés und Clubs; Youtube die größte Plattform für Onlinevideos und Parship - nun ja, Parship ist für diejenigen, die im echten Leben nicht mehr dazu kommen, die Traumfrau in einer Bar anzusprechen. In der Nacht zu Mittwoch hat nun Google eine Testversion seines neuen Dienstes Google Plus (Google+ nennt das Unternehmen den Dienst selbst) ins Netz gebracht, einen Strauß von Funktionen, mit denen sich Nutzer in Zukunft untereinander austauschen sollen. Mit Google Plus sollen sie sich gegenseitig Artikel oder Internetseiten empfehlen können und den eigenen Bekannten, die jeder individuell nach Gruppen einteilen kann, mitteilen, was sie gerade treiben. Die Basis für die Kontakte ist das Google-Adressbuch, das viele bereits zusammen mit dem Googlemail-Account nutzen. Nutzer von Google Plus sollen zudem untereinander chatten und Videokonferenzen einrichten können. Soweit so unspektakulär.

Facebook spinnt ein feines Netz

Denn die von Google nun verfeinerten Funktionen gibt es bereits - und zwar bei dem rasant gewachsenem Rivalen Facebook. Das soziale Netzwerk hat in den vergangenen Monaten ein feines Netz aus Empfehlungsbuttons über das ganze Internet gesponnen, auf privaten Websites, Nachrichtenportalen und Viseoplattformen. Wer diese Like-Buttons drückt, empfiehlt seinen Facebook-Bekanntschaften ebendiesen Text oder die entsprechende Seite. Und das ist das große Problem für Google. Nachdem der Suchkonzern das Internet-Zeitalter dominierte, in dem sich Menschen vor allem durch Verlinkungen von Internetseiten durch das Web bewegten, trieb Google alle Wettbewerber vor sich her. Kein anderes Unternehmen hatte bessere Suchalgorithmen, keiner gestaltete den Weg durchs Netz effizienter.

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Doch nun beginnt ein neues Zeitalter: Eine wachsende Zahl von Internet-Nutzern bewegt sich online überwiegend über Empfehlungen aus sozialen Netzwerken - und das Feld dominiert Facebook. Analog dazu nimmt die Zeit, die Onliner auf sozialen Netzwerken verbringen, drastisch zu. Erst kürzlich veröffentlichten die Marktforscher von Comscore eine Studie nach der Europäer auf keiner Internetseite mehr Zeit verbringen, als auf Facebook - zum ersten Mal verweilten sie länger bei dem sozialen Netzwerk als bei Google. Darauf hat Google bis heute keine Antwort, auch nicht mit den neuen sozialen Funktionen. Das liegt schlicht daran, dass fast alle, die sich online vernetzen wollen, inzwischen einen Facebook-Account besitzen, mehr als 700 Millionen weltweit. Wieso sollten sie auf einmal eine weitere Empfehlungsplattform bespielen wollen? Doch nur, wenn Google die Vernetzung besser, schöner und nützlicher gestalten, als alle anderen. Doch danach sieht es bislang nicht aus.

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