
Derzeit ist es eine schwierige Situation für Spieleentwickler. Einerseits lassen sich kleine Titel für Smartphones und Facebook mit überschaubarem Aufwand entwickeln, wer eine clevere Idee hat, kann sie buchstäblich im eigenen Wohnzimmer umsetzen.
Doch das führt dazu, dass der Markt mit solchen Spielen überschwemmt wird und neben ein paar Ausnahmen werden vor allem bekannte Namen und die Titel mit der Vermarktungspower großer Unternehmen zu Erfolgen.
Vor allem wer bei Facebook die notwendigen Spielerzahlen erreichen will, muss im Wettbewerb mit Zynga & Co. ein großes Werbebudget mitbringen. „Man sollte gut finanziert sein“, sagt Raf Keustermans, Chef des Social Games Entwicklers Plumbee.
Schwäche von Zynga verunsichert Investoren
Keustermanns hatte für den Facebookspielespezialisten Playfish gearbeitet und sich selbstständig gemacht, als das Unternehmen von Electronic Arts aufgekauft wurde. Mit Plumbee hat er im Frühjahr 2,8 Millionen Dollar an Risikokapital eingesammelt und ein Casinospiel produziert.
Doch das ist zunehmend schwierig. „Die Investoren haben erkannt, dass nicht jeder zwangsläufig Hits abliefert“, sagt Keustermanns, „und die Schwäche von Zynga macht den Markt nervös“.
So erlebt man Szenen wie auf der Gamescom in Köln, als sich nach einer Diskussionsrunde über Finanzierungsmöglichkeiten gleich zwei Dutzend Spieleentwickler auf den anwesenden Investor stürzten.

Über 4.000 Euro für „Sie nannten ihn Spencer“
Zwei Studenten haben mit dem Projekt, eine Dokumentation über Bud Spencer alias Carlo Pedersoli zu drehen, überzeugt. Die Dokumentation „Sie nannten ihn Spencer“ soll die Biografie des berühmten Mannes beleuchten, indem sie seine vielen Karrieren (Schwimmer, Schauspieler, Doktor der Rechtswissenschaft und Pilot) nachzeichnen. Mit 121 Unterstützern bekamen sie genug Geld zusammen, um einen Besuch und einen Interviewtermin mit Spencer zu finanzieren.Erfolgsfaktoren: Über das Projekt wurde in zahlreichen Online-Magazinen berichtet. Damit erhielt das Projekt viel Aufmerksamkeit. Außerdem waren die „Dankeschöns“ schöne Gegenleistungen für eine Unterstützung. So konnte man ein Originalautogramm, eine Postkarte vom Dreh in Rom oder den Besuch einer Bus Spencer Party bekommen.
Benötigtes Budget: 2.000 Euro Erreichtes Budget: 4.310 Euro

Über 5.000 Euro für „Der Barde Ranarion“
Der Barde Ranarion alias Sören Vogelsang plante 2011 sein erstes Soloalbum herauszubringen. Nachdem er mit seiner Band Adivarius bereits über 2.000 Alben verkauft hatte und auf bei seinem Comedy-Folk-Projekt „Das Niveau“ ebenso viele Tonträger umsetzte, sollte es Solo funktionieren. Er bekam mehr als genug Unterstützung für das Projekt und finanzierte mit 345 Supportern sein Soloalbum vollständig.
Erfolgsfaktoren: Barde Ranarion hatte eine riesige Fan-Gemeinde hinter sich, die ihn schon vorher unterstützte und für das Crowdfunding perfekt geeignet war. Mit rund 1.500 Fans konnte er eine große Community motivieren. Seine „Dankeschöns“ waren zudem ein besonderer Anreiz, denn es gab ein signiertes Album oder eine Nennung im Booklet als Gegenleistung. Diese Angebote waren sogar so beliebt, dass sie nach kurzer Zeit schon „vergriffen“ waren.
Benötigtes Budget: 4.000 Euro Erreichtes Budget: 7.420Euro

Über 5.000 Euro für „Richard Diamond Privatdetektiv“
Das Crowdfunding-Projekt „Hörspiel-Krimi der 50er Jahre“ sollte neue Folgen über „Richard Diamond“ teilfinanzieren. Dafür aktivierte das Berliner Hörspiellabel Lauscherlounge Records eine große Fanbase. Mit insgesamt 215 Unterstützern wurde das Ziel mehr als erreicht.
Erfolgsfaktoren: Es dauerte nur eine Woche und das Projekt hatte eine solche Dynamik entwickelt, dass es dann bereits zur Hälfte finanziert war. Mit zahlreichen Blogeinträgen, der Verbreitung über verschiedene Foren und herrlichen „Dankeschöns“ wie eine Sprecherrolle (500 Euro) oder das Zusehen bei den Aufnahmen (100 Euro) brachte den gewünschten Erfolg.
Benötigtes Budget: 5.000 Euro Erreichtes Budget: 6.425 Euro

Über 8.000 Euro für das Kamera-Schwebestativ „Exthanded“
Zwei Ingenieure und ein Designer haben sich zusammen gesetzt und das Kamera-Schwebestativ „Exthanded“ entwickelt. Um eine neue Prototypenserie zu realisieren, haben sie die Crowdfunding-Gemeinschaft um Hilfe gebeten, um ein „anwendungsgerechtes und marktreifes Produkt“ zu entwickeln. Bei mySherpas brachten sie es mit ihren handgehaltenen Schwebestativ für kompakte Camcorder zum Erfolg. Mit gerade einmal 30 Unterstützern kam die gewünschte Summe zusammen.
Erfolgsfaktoren: Einfach eine gute, innovative Idee, welche die Unterstützung verdiente. Besondere Dankeschöns konnte die potenziellen Unterstützer recht schnell überzeugen, denn es gab Design-Skizzen der Original-Entwürfe zu erstehen (50 Euro), oder etwa die Chance den Prototypen auszuleihen und mit der eigenen Kamera zu testen (250 Euro).
Benötigtes Budget: 8.000 Euro Erreichtes Budget: 8.082 Euro

Über 9.000 Euro für „Keep Music Indie“
Um unabhängig von der Musikindustrie zu bleiben, setzte die US-amerikanische Sängerin April Smith auf die Crowdfunding-Community und stellte ihre Albumproduktion als Projekt ein. Dank Crowdfunding bekam sie genug Geld zusammen, um die Produktion ihres Albums ohne ein Label auf die Beine zu stellen. Außerdem war es für die Sängerin die Chance zu testen, wie viele Menschen bereit sind ihr Album zu kaufen. Mit Erfolg: 224 Menschen unterstützten Smith’ Projekt.
Erfolgsfaktoren: Wer sich dafür entschied, April Smith zu unterstützen, konnte sich über tolle Gegenleistungen freuen: Neben einer Vorabversion des neuen Albums (50 Dollar), konnten Supporter eine Nennung im Booklet und einen persönlichen Dankeschön-Brief (100 Dollar) und andere Dinge bekommen.
Benötigtes Budget: 10.000 Dollar Erreichtes Budget: 13.099 Dollar (rund 9.700 Euro)

Über 10.000 Euro für „Saber Rider and the Stars Sheriffs“
Der Games-Entwickler Chris Strauß wollte seinen Traum realisieren und sein eigenes Spiel herausbringen. Selbst ein großer von „Saber Rider and the Stars Sheriffs“ seit Kinderzeiten, erhielt er 2010 die Lizenz für sein Konzept. Nachdem er sein Team zusammen gesellt hatte, sollte über Crowdfunding die Finanzierung gestemmt werden. Mit insgesamt 153 Unterstützern stand die Finanzierung dann.
Erfolgsfaktoren: Die große Bekanntheit der Serie „Saber Rider“ spielte bei der Erfolgsgeschichte des Crowdfunding-Projekts eine entscheidende Rolle. Das Projekt zeigt zudem, dass Crowdfunding-Plattformen für das jeweilige Produkt auch als direkter Absatzmarkt dienen können. So bekamen die Unterstützer als Gegenleistung eine besondere Version des Videospiels oder sogar ein ganzes Paket inklusive Spielkonsole im speziellen „Saber Rider“-Design.
Benötigtes Budget: 10.000 Dollar Erreichtes Budget: 15.490 Euro

Über 10.000 Euro für „Coming & Crying“
Die nackte Wahrheit über Sex sollten in einem Buch erscheinen. Um die Veröffentlichung dieses Buchs zu finanzieren, wurde die US-amerikanische Crowdfunding-Gemeinde aufgefordert. In dem Buch sollten die Geschichten erzählt werden, die sonst nirgendwo geschrieben werden. Verrückte, lustige, schmerzhafte und wahre Seiten sollen dabei schwarz auf weiß erscheinen. 651 Menschen hielten dieses Projekt für eine gute Idee, und unterstützen es.
Erfolgsfaktoren: Die beiden Autorinnen erzählten in ihrem Projekt auf Kickstarter.com, das sie mit dem Buch etwas schreiben wollen, was sie selbst gerne lesen, und konnten mit der richtigen Idee sehr viele Menschen für sich gewinnen. Wer unterstütze, bekam neben dem normalen Buch (15 Dollar) eine limitierte Edition (30 Dollar) mit Bildern von besonders erfolgreichen Fotografen.
Benötigtes Budget: 3.000 Dollar Erreichtes Budget: 17.242 Dollar (rund 12.800 Euro)

Über 15.000 Euro für „Happy New Year“
Der Film „Happy New Year“ ist ein Film über einen Soldaten, der im Irak und in Afghanistan diente und unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Trotz großer Erfolge bei Filmfestspielen wie in Berlin und Cannes fehlte der finanzielle Rückhalt, um das Werk in den Programmkinos zu zeigen. Dafür starteten Autor und Regisseur die Crowdfunding-Kampagne, um den Film endlich auch auf die Leinwände zu bringen. Die Community förderte das Projekt und insgesamt 207 Menschen finanzierten mit.
Erfolgsfaktoren: Dass der Film ein Erfolg wäre, zeigte schon die breite Zustimmung auf den Festivals. Besonders das eingestellte Video mit Szenen aus dem Film machte „Lust auf mehr“ und forderte umso mehr zum Unterstützen auf. Als „Dankeschön“ gab es einige Besonderheiten wie etwa exklusive und signierte Bilder vom Dreh (50 Dollar) oder ein Treffen mit den Darstellern (500 Dollar).
Benötigtes Budget: 25.000 Dollar Erreichtes Budget: 26.390 Dollar (rund 19.600 Euro)

Über 20.000 Euro für einen Musical-Film
Die Planungen für den Musical-Film waren im vollen Gang: Die Geschichte war geschrieben, die Schauspieler standen fest – nur das Geld fehlte noch als sich das Team von „How do you write a Joe Scherman Song feature film Musical“ für Crowdfunding entschied, und damit Erfolg hatte: Mit 239 Unterstützern war die Produktion finanziell gesichert.
Erfolgsfaktoren: Auf der Projektseite konnte der potenzielle Unterstützer sehr viel Spannendes erfahren. Der Projektinitiator schwärmte von seiner Vision und Sänger und Schauspieler stellten sich im Video ebenfalls vor. Die Geschichte allerdings blieb geheim und machte neugierig. Zudem gab es ganz besondere „Dankeschöns“ wie etwa ein nur für die Unterstützer aufgenommener Song (300 Dollar), ein Treffen mit dem Team und den Schauspielern (700 Dollar) oder sogar eine eigene Rolle im Film (5.000 Euro).
Benötigtes Budget: 30.000 Dollar Erreichtes Budget: 31.101 Dollar (rund 23.250 Euro)

Über 20.000 Euro für „Punk Mathematics“
Tom Henderson startete bei der US-Plattform Kickstarter ein Projekt, um Geld für ein Buch zu sammeln. Der Mathematiklehrer Freizeit-Komiker wollte das "Punk Mathbook" schreiben, in dem er die Theorie vertrat, dass Punk Fragen hervor bringt, die die Mathematik lösen kann. Mit 1.0022 brachte das Projekt schließlich mehr als 1.000 Prozent von der Summe ein, die Henderson für sein Buch haben wollte.
Erfolgsfaktoren: Zum Einen punktete die außergewöhnliche Idee Mathematik und Punk zu verbinden, aber an dieser Stelle war insbesondere ein sehr gutes Video ausschlaggebend, dass die Idee auf spannende Weise zeigte. Als Gegenleistung gab es sehr viele unterschiedliche Dinge wie die pdf-Buch-Version und Online-Zugang (9 Dollar), eine 24-Stunden-Mathe-Notfall-Hotline (42 Dollar) und vielem mehr.
Benötigtes Budget: 2.400 Dollar Erreichtes Budget: 28.701 Dollar (rund 21.460 Euro)
Über 4.000 Euro für „Sie nannten ihn Spencer“
Zwei Studenten haben mit dem Projekt, eine Dokumentation über Bud Spencer alias Carlo Pedersoli zu drehen, überzeugt. Die Dokumentation „Sie nannten ihn Spencer“ soll die Biografie des berühmten Mannes beleuchten, indem sie seine vielen Karrieren (Schwimmer, Schauspieler, Doktor der Rechtswissenschaft und Pilot) nachzeichnen. Mit 121 Unterstützern bekamen sie genug Geld zusammen, um einen Besuch und einen Interviewtermin mit Spencer zu finanzieren.
Erfolgsfaktoren: Über das Projekt wurde in zahlreichen Online-Magazinen berichtet. Damit erhielt das Projekt viel Aufmerksamkeit. Außerdem waren die „Dankeschöns“ schöne Gegenleistungen für eine Unterstützung. So konnte man ein Originalautogramm, eine Postkarte vom Dreh in Rom oder den Besuch einer Bus Spencer Party bekommen.
Benötigtes Budget: 2.000 Euro Erreichtes Budget: 4.310 Euro
Manch einer weicht da auf neue Modelle wie Crowdfunding aus. Tim Schafer, Entwickler des Neunziger-Jahre-Kultspiels „Monkey Island“ sammelte im Februar gar eine Million Dollar von Fans für ein neues Adventure ein. Und zuletzt sorgte Ouya für Aufsehen: Die 99-Dollar-Konsole soll Playstation und Xbox Konkurrenz machen und die Macher erhielten via Crowdfunding spektakuläre 8,6 Millionen Dollar.
Eine andere Alternative bietet Jörg-Dieter Leinert. Er ist Geschäftsführer des Emissionshauses Altaris und betreibt zwei geschlossene Fonds, die Computerspiele finanzieren. Eines davon ist „Quest ´n Goblins“, das demnächst vom populären Browsergames-Anbieter Bigpoint vertrieben wird. Entwickelt wurde es von der Spielefirma Core X Group. „Entwickler müssen sich nach neuen Finanzierungsmodellen umschauen“, sagt Core X-Chef Alex Suárez. Dass er das nötige Kapital für die Spieleentwicklung gleich mitgebracht habe, erleichterte die Verhandlung mit Bigpoint enorm, da die Firma so nicht wie sonst üblich selbst einen Großteil der Entwicklungskosten tragen musste.
- Seite 1: Anleger halten das Moorhuhn am Leben
- Seite 2: Erinnerungen an Angry Birds















