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Stabiles, schnelles Internet im Flugzeug: Der Traum, der Realität werden muss

von Martin Weigert Quelle: Netzwertig.com

Auch im Jahr 2012 hat Internet im Flugzeug noch immer Seltenheitswert, und wo es geht, ist es meist teuer und langsam. Doch es gibt Hoffnung auf Besserung.

Die Deutschen haben sich im Internet eingerichtet und nutzen es völlig selbstverständlich - dies ist eine Erkenntnis der neuen, jährlich erscheinenden Online-Studie von ARD und ZDF. Nach einem teils rasanten Anstieg der Internetverbreitung in Deutschland in den vergangenen Jahren beginnt sich das Wachstum zu verlangsamen: Nur 1,7 Millionen Deutsche haben seit 2011 erstmals den Weg ins Internet gewagt. Inzwischen sind 53,4 Millionen Menschen in Deutschland am Netz - das entspricht 75,9 Prozent der Bevölkerung. Oder anders formuliert: Immer noch ist knapp ein Viertel der Deutschen nicht online.

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Was für die Manfred Spitzers dieser Welt und alle ihre Internetnutzung nicht unter Kontrolle habenden Menschen eine Oase der Ruhe darstellt, kann Vielreisenden und digitalen Nomaden Kopfzerbrechen bereiten: die auch im Jahr 2012 noch größtenteils fehlenden Internetzugänge in Flugzeugen. Bei einem Kurzstreckenflug mag dies noch zu verkraften sein und im besten Fall als Übung für Always-On-Apologeten gelten können. Bei längeren Strecken jedoch besteht die Gefahr eines erheblichen Produktivitätseinbruchs – zumindest für Leute, die einen nennenswerten Teil ihrer Arbeitszeit unterwegs verbringen. Von denen gibt es in der globalisierten Startup- und Internetwirtschaft so einige.

Auch wenn WLAN im Flieger heute noch nach einer Luxusdienstleistung klingt, die von der Masse der Reisenden als angenehm empfunden, aber nach Jahrzehnten der Abstinenz als entbehrlich angesehen wird, sollte man sich keine Illusionen machen: Je weiter sich der Status des Netzzugangs dem von elektrischem Strom annähert, desto weniger Verständnis werden Passagiere dafür mitbringen, über Stunden von der Außenwelt abgekoppelt zu sein.

Limitierte Verfügbarkeit und mäßige Leistung

Nach missglückten, unrentablen Versuchen mit Internet im Flugzeug zu Beginn des neuen Jahrtausends haben eine Reihe von Fluggesellschaften in letzter Zeit erfreulicherweise neuen Mut gefasst und bieten Fluggästen wieder die Möglichkeit, während der Reise online zu gehen. Diese Zusammenstellung von Focus Online zeigt jedoch, dass es sich dabei noch immer nur um häufig teure und nur selten an eine omnipräsente Verfügbarkeit heranreichende Experimente handelt. Wer darauf hofft, während des Flugs surfen oder im Netz arbeiten zu können, muss dafür in der Regel Langstreckenflüge buchen und Glück haben, in einem neueren Flieger zu landen. Nicht selten kostet der Webzugang dann auch noch eine ganze Stange Geld – und bei der Geschwindigkeit und Stabilität können die Erwartungen gar nicht niedrig genug sein.

Uns ist mit Norwegian lediglich eine Fluggesellschaft bekannt, die auf innereuropäischen Flügen WLAN an Board anbietet. Und während ich den expansiven Low-Cost-Carrier aus Norwegen sonst gerne in höchsten Tönen lobe, kann dessen In-Flight-WLAN nicht wirklich überzeugen. Klar, wenn man das erste Mal aus 10.000 Metern Höhe das Internet betritt, dann ist dies schon ein euphorisierender Moment – der nicht selten bei Passagieren zu entsprechenden Tweets und Status-Updates führt und damit positiv auf das Image von Norwegian einzahlt. Doch in den meisten Fällen ist das Surfen ein Geduldsspiel, bei dem nach zehn vergeblichen Versuchen, eine Website zu öffnen, es dann das elfte Mal klappt. Andere machten ähnliche Erfahrungen. Wie die Gesellschaft dafür gerade sogar einen Award erhalten konnte, ist mir schleierhaft, aber es verdeutlicht wohl einfach die allgemein noch mäßige Qualität der Bord-WLANs. Immerhin: In der Startphase ist das vom kalifornischen Anbieter Row 44 betriebene WLAN-System bei Norwegian kostenlos, und bis Ende 2012 soll die ganze Flotte mit WLAN ausgestattet sein. Pluspunkte für die Anstrengungen.

Ende Mai gab es bei uns auch eine Premiere: Der erste und bisher einzige komplett im Flugzeug verfasste und von dort aus publizierte Artikel auf netzwertig.com. Aufgrund regelmäßiger Verbindungsabbrüche nahm die Gesamtprozedur deutlich mehr Zeit in Anspruch als üblich. Als Pionier bezeichnen können wir uns mit diesem Ereignis nicht: Bereits vor sieben Jahren veröffentlichte der Entrepreneur und LeWeb Initiator Loic Le Meur seinen ersten Blogpost aus einem Flugzeug. Dem Blogger und Hörfunkjournalist Daniel Fiene gelang es im März auf einem Flug von New York nach San Francisco mit United Airlines sogar, einen Hangout bei Google+ durchzuführen. Jede Art von Streaming war auf meinen Flügen mit Norwegian aufgrund der langsamen Verbindung unvorstellbar.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 24.09.2012, 10:05 UhrAndiDD

    Tja, schade.
    Bislang war man wenigstens im Flugzeug (einigermaßen) sicher vor dauertelefonierenden schlipstragenden A...löchern, Typ "jung, aufstrebend, unentbehrlich", die sich und ihrer Umwelt ununterbrochen mit dem neuesten iPhone die eigene multimediale Potenz beweisen müssen. Bislang waren dazu noch Laptops samt Zubehör oder (ganz früher) aufgeschlagene Zeitungen nötig, mit denen dieser Menschenschlag gleich ganz selbstverständlich die Hälfte der Nachbarplätze mitverbrauchte, und ein gezielter Ellenbogenstoß reichte zur Rückeroberung aus.
    Aber andererseits kann die WiWo, deren Autor hier von einem "Traum" spricht, dann wieder mal Artikel wie "Allzu flexible Arbeit macht krank" vom 16.08. bringen und der Leser kann sich bei jedem Herzinfarkt eines weiteren Wichtigtuers freuen, dass das Reisen wieder ein Stückchen angenehmer geworden ist.

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