Streit im Paralleluniversum: Bei Youtube tobt der Kampf um die Stars

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Streit im Paralleluniversum: Bei Youtube tobt der Kampf um die Stars

von Oliver Voß

Die Videos auf der Internet-Plattform Youtube sind zum Milliardengeschäft geworden. Neue Online-TV-Anbieter und Medienkonzerne streiten um die Stars und Zuschauer.

Die Tür in die andere Welt liegt gegenüber eines Erotik-Discounters zwischen einem Fitnessstudio und einem Ibis-Hotel, an einer viel befahrenen Straße am Barbarossaplatz in Köln. Von hier geht es in die Zentrale von Mediakraft.

Die unscheinbare Firma ist ein sogenanntes Youtube-Netzwerk, das mit 150 Mitarbeitern Stars produziert. Seine Zugpferde nennen sich Y-Titty, ApeCrime oder Die Lochis. Die Videos allein dieser drei zogen bisher fast 1,2 Milliarden Zuschauer an.

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Trotzdem dürften die meisten Deutschen davon noch nie etwas gehört haben. Denn die Superstars, die von Mediakraft und ähnlichen Anbietern aufgebaut und vermarktet werden, sind sogenannte Youtuber. Sie treten nicht in Casting-Shows oder Endlosstaffeln im Fernsehen auf, sondern auf Youtube, der Videoplattform des Internet-Konzerns Google. Dort machen sie Comedy, Songs, erzählen von ihren Einkäufen oder kommentieren den Alltag.

Online-Video Wie YouTube-Netzwerke funktionieren

Der Streit von YouTube-Stars wie Simon Unge und ApeCrime mit Mediakraft wirft die Frage auf, wie YouTube-Netzwerke arbeiten und was sie leisten.

Auf einem Laptop ist das Internet-Videoportal YouTube zu sehen Quelle: dpa

Wenn diese Stars die virtuelle Welt verlassen und live auftreten, kommt es inzwischen zu Szenen wie auf Boyband-Konzerten: Teenies kreischen und fallen schon mal in Ohnmacht. Vor der Mediakraft-Zentrale warten in den Schulferien zeitweise Dutzende Fans darauf, ihre Idole abzupassen. „Manche wurden von ihren Müttern zum Stalken gefahren“, erinnert sich ein Mitarbeiter. Mediakraft engagierte gar einen Sicherheitsdienst, damit der Belagerungszustand nicht außer Kontrolle geriet.

Milliardengeschäft für Google

Außer Kontrolle scheint nun auch die Youtube-Szene zu geraten. Denn die Google-Tochter ist eine Plattform für Milliardengeschäfte geworden, um die ein heftiger Streit entbrannt ist. Netzwerker wie Mediakraft, Medienkonzerne und die neuen Kultfiguren kämpfen wie die Kesselflicker – um die meisten Nutzer, die besten Werbeträger und darum, wie viel Kommerz die Streifen der neuen Stars im Internet vertragen.

Die teuersten Übernahmen von YouTube-Netzwerken

  • Maker Studios

    Käufer: Disney

    Preis: 950 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherchen

  • Fullscreen

    Käufer: AT&T/Chernin Group

    Preis: 200-300 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherchen

  • Awesomeness TV

    Käufer: Dreamworks

    Preis: 117 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherche

  • Stylehaul

    Käufer: RTL

    Preis: 107 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherche

  • Machinima

    Käufer: Warner

    Preis: 18 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherchen

„Das Youtube-Universum ist eine Parallelwelt“, sagt Mediakraft-Co-Geschäftsführer Spartacus Olsson – und eine veritable Konkurrenz zum herkömmlichen Fernsehen. Zum großen Geschäft werden die Videos auf Youtube durch Netzwerke wie Mediakraft. Sie helfen, die Videos zu produzieren und vor allem diese zu Geld zu machen. So organisieren die Netzwerker zum Beispiel Gastauftritte der Youtuber, die so füreinander in ihren Videos werben. Zudem bündeln sie die Clips, um sie besser vermarkten zu können.

So gelang es Mediakraft, dass die Videos der 2500 Youtuber, die das Unternehmen unter Vertrag hat, im Dezember 450 Millionen Mal im Internet abgerufen wurden. Damit werden die Streifen für Unternehmen interessant, um Werbung zu Beginn der Videos zu schalten.

Kosten für Übernahmen von YouTube-Netzwerken (für eine größere Ansicht bitte anklicken).

Kosten für Übernahmen von YouTube-Netzwerken (für eine größere Ansicht bitte anklicken).

Diese Aussicht hat eine große Schlacht um die Netzwerker ausgelöst. „Online-TV ist das neue Fernsehen“, tönt Mediakraft-Co-Chef Christoph Krachten. Entsprechend massiv greifen alte Medienkonzerne nach den neuen Internet-Firmen, oft mit dreistelligen Millionenbeträgen (siehe Grafik). Als bisherigen Höhepunkt legte Disney bis zu 950 Millionen Dollar für die Maker Studios auf den Tisch. Die haben PewDiePie unter Vertrag, den weltweit erfolgreichsten Youtuber.

„In den USA werden astronomische Summen für Youtube-Netzwerker bezahlt“, sagt Jan Oliver Rode, Chef des Anbieters TubeOne Networks, der vom Plakatwerber Ströer gekauft wurde.

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