Streit mit Amazon & Co.: Der Informationskrieg um Wikileaks

Streit mit Amazon & Co.: Der Informationskrieg um Wikileaks

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Buchpakete von Amazon: Der Internet-Versandhändler will nun auch frische Lebensmittel auf Bestellung liefern.

von Oliver Voß

Der Streit mit Wikileaks zeigt, welche große Bedeutung Amazon jenseits des Shoppings im Internet spielt. Derweil wird der Druck auf die Enthüllungsplattform immer größer – ihren eigentlichen Zweck erfüllt Wikileaks kaum noch.

Manch einer mag sich über den Kleinkrieg zwischen dem Internet-Händler Amazon und der Internetplattform Wikileaks wundern. Amazon  hatte die Enthüllungsplattform von seinen Servern geworfen. Wikileaks bezichtigt das US-Unternehmen nun bei Twitter der „Lüge“ und keift, wenn Amazon von der Meinungsfreiheit so wenig halte, solle es doch auch keine Bücher mehr verkaufen.

Doch was hat der Online-Buchhändler eigentlich mit den Netz-Aktivisten zu tun? Der breiten Öffentlichkeit ist Amazon bislang vor allem als Internethändler bekannt, doch ganz nebenbei hat Amazon-Chef Jeff Bezos sein Unternehmen zu einem Cloud-Computing-Riesen gemacht.

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Der Fachbegriff bezeichnet die Auslagerung von Informationstechnik-Dienstleistungen an externe Anbieter und ist derzeit einer der wichtigsten Wachstumstreiber in der Computerbranche. Amazon mischt in dem Milliardengeschäft mit, in dem es seine gigantischen Datenzentren auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellt. 

Amazon will Cloud-Einnahmen verfünffachen

Angefangen hat das Unternehmen 2006 damit, um die riesigen Kapazitäten der teuren Großrechenanlagen in bestimmten Phasen nicht ungenutzt zu lassen. Inzwischen hat sich daraus ein hübsches Nebengeschäft entwickelt.

Eine halbe Milliarde Dollar nimmt Amazon pro Jahr damit ein, ermittelte die Schweizer Investmentbank UBS. Und das Geschäft wächst rasant: bis 2014 sollen sich die Einnahmen verfünffachen.

Im Vergleich zum Gesamtumsatz von heute bereits 25 Milliarden Dollar ist das Geschäftsfeld zwar bescheiden, wirft dafür jedoch stattliche Gewinne ab. Laut UBS-Schätzung liegt die Bruttomarge des Online-Geschäfts bei beeindruckenden 50 Prozent – in seinem Stammgeschäft kommt Amazon nur auf 22 bis 23 Prozent.

Zahlreiche namhafte Kunden nutzen Amazons Web-Dienste. Die Technologiebörse Nasdaq etwa wickelt darüber den Kundensupport ab, die Börsenkurse des US-Magazin Forbes oder Videos von Bild.de-Nutzern – das alles funktioniert mit Hilfe der Technik aus Seattle.

Playfish lässt seine Facebook-Spiele über die Amazon-Rechner ebenso laufen, wie die Europäische Weltraumorganisation (ESA) ihr Gaia-Projekt. Bei dem Forschungsvorhaben der ESA sollen mehr als eine Milliarde Sterne katalogisiert werden. Um die dazugehörigen Daten intern zu verarbeiten, hätten für fast eine Million Dollar Server gekauft werden müssen, schätzten die Projektverantwortlichen – für die gemietete Rechenleistung von Amazon sollen hingegen über einen Zeitraum von sechs Jahren etwas weniger als die Hälfte der Summe an Mietkosten anfallen.   

Amazon vs. Wikileaks

Neben Kosteneinsparungen ist ein wichtiger Grund für zahlreiche Kunden der Amazon-Cloud die Möglichkeit, im Bedarfsfall schnell die Rechnerkapazitäten hochfahren zu können. Das war auch ein Grund, warum Wikileaks ihre brisante Dokumentsammlung von Servern in Island oder Schweden in die Wolke von Amazon verlegte.

Neben dem generell massiv gestiegenen Interesse an der Seite, leidet Wikileaks in den letzten Tagen immer wieder unter so genannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS-Attacken). Dabei rufen Computerprogramme automatisch im Millisekundentakt immer wieder die Wikileaks-Websiten auf, um sie so zum Absturz zu bringen. Tatsächlich ist Wikileaks immer wieder nicht erreichbar – zwischenzeitlich wurden durch die Attacken nach Angaben von Wikileaks zwischenzeitlich Datenmengen von 10 Gigabit pro Sekunde aufgerufen.

Der Umzug zu Amazon brachte zwar Abhilfe, jedoch nur vorübergehend, denn das Unternehmen warf Wikileaks binnen kurzer Zeit wider von seinen Rechnern.

Der Vorsitzende des US-Senatsausschusses für Innere Sicherheit, Joe Lieberman, appellierte nach dem Rückzug von Amazon an andere Firmen, die Unterstützung von Wikileaks zu stoppen. „Ich rufe alle anderen Unternehmen und Organisationen, die Wikileaks hosten, auf, sofort die Geschäftsbeziehungen zu beenden“, sagte er. Zuvor hatte er Amazon gedrängt, Wikileaks nicht länger Server-Kapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Das Unternehmen widersprach allerdings dem Vorwurf, es habe die Wikileaks-Daten auf politischen Druck entfernt. Amazon erklärte, Wikileaks habe die Nutzungsregeln nicht befolgt, da der Organisation die 250.000 online gestellten Dokumente nicht gehören würden.

„Feige zu sein ist eine Sache, eine andere zu lügen“, ätzte Wikileaks daraufhin via Twitter. 

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