Streit um Musikrechte: Die digitale Mission der Künstler gegen die Gema

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Streit um Musikrechte: Die digitale Mission der Künstler gegen die Gema

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Freier Umgang mit eigener Musik - Gema-Kritiker und Gitarrist Michalke.

Künstler gründen eine Gegenorganisation zu dem verhassten Musikrechteverwerter. Ihr Ziel: mehr Kontrolle über die eigenen Werke und neue Formen des Urheberrechts.

In knallrotem Neonlicht leuchtet der Schriftzug "Supermarkt" in die Nacht. Früher verkaufte "Kaiser's" hier Lebensmittel. Heute beherbergt das ehemalige Ladenlokal im Berliner Brunnenviertel Musikstudios, Konferenzräume und eine Cafébar. Das "kreative Ressourcenter", wie sich der Treffpunkt für Kultur-, IT- und Alternativlinge selbst nennt, könnte bald Musikgeschichte schreiben: als Geburtsort einer Gegenorganisation zur zunehmend verhassten Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz: Gema.

Auf einem Barcamp, wie Workshops neuerdings in der Szene heißen, trafen sich Anfang September rund 100 Künstler - vorwiegend Musiker - aus allen Winkeln der Republik, um nach stundenlanger Diskussion in verrauchter Luft den Beschluss zu fassen: Möglicherweise schon Anfang kommenden Jahres soll ein neuer europaweiter Musikrechteverwerter namens Cultural Commons Collecting Society (C3S) den Angriff auf die Gema starten.

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Musiknutzung Tarifstreit: GEMA einigt sich mit kleinen Verbänden

Eine Einigung im Tarifstreit der GEMA mit der Veranstaltungsbranche um die künftigen Gebühren für die Musiknutzung rückt näher, doch der große Durchbruch ist es nicht.

Tausende Menschen demonstrieren in Berlin gegen Gentrifizierung und die Gema-Tariferhöungen für Musikveranstaltungen. Eine Einigung im Tarifstreit der GEMA mit der Veranstaltungsbranche um die künftigen Gebühren für die Musiknutzung rückt näher. Doch der große Durchbruch ist es nicht. Quelle: dpa

Das Geschäftsmodell des Neulings läuft in zentralen Punkten auf die totale Abkehr von den umstrittenen Regularien des bisherigen Monopolisten hinaus:

  • Musiker, Komponisten und Texter sollen bei C3S nicht wie bei der Gema alle ihre Werke anmelden und diese die Gebühren eintreiben lassen, etwa wenn Radio-Anstalten, Online-Portale oder Discjockeys die Stücke unters Volk bringen. Stattdessen sollen die Künstler selbst entscheiden, wofür sie von wem wie viel Geld verlangen.
  • Jeder Künstler soll bei C3S das gleiche Stimmrecht haben. Anders als bei der Gema kann jedes Mitglied - unabhängig von seiner wirtschaftlichen Macht - gleichberechtigt über die Vermarktung der Werke und der Urheberrechte mitbestimmen. n Anstelle statistischer Schlüssel wie bei der Gema, die Großverdiener bevorzugen, soll C3S die Tantiemen für öffentlich aufgeführte oder verbreitete Stücke genau auf die Urheber verteilen. Geringverdiener unter den Musikern dürfen ihre Einnahmen komplett behalten.
  • Im Gegensatz zur Gema, die als eingetragener Verein agiert, soll C3S die Rechtsform der Europäischen Genossenschaft erhalten. Die 30.000 Euro Gründungskapital sollen über Spenden aufgebracht werden.

"Ende dieses Jahres könnte es so weit sein, dass wir dem Deutschen Patent- und Markenamt den Antrag auf Zulassung vorlegen", sagt Meik Michalke. Der Musiker und Psychologe an der Düsseldorfer Universität ist einer der Protagonisten der Alternativ-Gema und betätigt sich seit 20 Jahren als Gitarrist und Sänger in Rockbands.

Die Gema steht schon lange in der Kritik. Zum öffentlichen Eklat kam es im Sommer, als die Münchner Rechteverwerter mit einer Tariferhöhung von bis zu 2.000 Prozent Musikklubbesitzer in Rage versetzten. Folge war eine deutschlandweite Unterschriftenaktion, an der sich 300.000 Personen beteiligten und die an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages ging. Es war bereits die zweite Eingabe an das Parlamentariergremium zum Thema Gema. Die erste datiert aus dem Jahr 2009 und stammt von 110.000 Unterzeichnern.

Inzwischen gibt es eine Beschlussempfehlung des 26-köpfigen Ausschusses an den Bundestag und die Bundesregierung, die der WirtschaftsWoche vorliegt.

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