Studie: Facebook kennt uns besser als unsere Familie

Studie: Facebook kennt uns besser als unsere Familie

Bild vergrößern

Was wir auf Facebook liken gibt offenbar einen genauen Einblick in unsere Psyche.

von Katharina Matheis

Was wir auf Facebook liken, offenbart unseren Charakter. Eine Studie zeigt: Es reichen schon wenige Likes, und ein Computer kennt uns besser als Freunde und Familie.

Schüchterne Menschen klicken bei Wikipedia auf "Gefällt mir", künstlerische Nutzer liken Yogaseiten: Was wir auf Facebook anklicken, lässt Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit zu. Mehr noch: Diese treffen sogar präziser zu als die Zuschreibungen von Freunden und Familie.

Das behaupten zumindest Forscher der Universitäten Cambridge und Stanford in einer neuen Studie. Die Forscher analysierten mehr als 70.000 Profile und glichen diese mit der Selbstbeschreibung der Probanden ab.

Anzeige

Und siehe da: Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale korrelieren mit bestimmten Facebook-Aktivitäten. Artikel, Musiker, politische Seiten oder Videos: Je mehr Likes ein User angibt, umso präziser kann der Algorithmus eine Vorhersage der Persönlichkeit liefern.

Mit gerade einmal zehn Likes kann uns der Computer schon besser einschätzen, als ein Arbeitskollege. Mindestens 70 Likes braucht es, dann liefert der Algorithmus ein genaueres Bild ab als unsere Freunde es leisten können. Einzig die jeweiligen Ehepartner konnten die Algorithmen im Durchschnitt besiegen.

Doch auch ihr intimer Vorsprung nimmt mit der Anzahl der Likes ab: Bei mehr als 300 "Gefällt mir"-Angaben ist die Charakterbeschreibung des Computers dann auch besser als die der Ehefrauen und -männer. Das ein Rechner so ein genaues Bild unserer Perönlichkeit erstellen kann, ist nicht unwahrscheinlich, denn im Schnitt geben Facebooknutzer 227 Likes an.

Facebook in Zahlen

  • Transparenz dank Börsengang

    Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

  • Schon früh profitabel

    In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

  • Werbung als wichtigste Geldquelle

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

  • Beispielloses Wachstum

    Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

  • Zuckerberg hat die Kontrolle

    Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

  • Dominant in aller Welt

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

  • Keine Chance für StudiVZ

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

In einer vorangegangenen Studie zeigten die Forscher bereits, welche persönliche Informationen die Facebook-Likes verraten. So konnten sie anhand der Interessenangaben im Netzwerk Aspekte wie Religion, politische Ansichten, sexuelle Orientierung oder Hautfarbe ableiten. Demnach gelang es den Forschern, mit ihrem Algorithmus zu 95 Prozent vorauszusagen ob eine Person hell- oder dunkelhäutig ist. Dabei sind es nicht nur die expliziten "Gefällt mir"-Angaben: Es sind bestimmte Kombinationen von Likes, die einen Rückschluss erlauben.

So haben die Fans des Batman-Actionthrillers „Dark Knight" im Durchschnitt weniger Facebookfreunde, wohingegen die Facebook-Anhänger von Jennifer Lopez ein großes, virtuelles Sozialumfeld haben. Fans der "Hello-Kitty-Seite" wählen tendenziell eher Demokraten, Menschen, die "Camping" liken, haben überwiegend eine helle Hautfarbe. Fans von Oscar Wilde scheinen demnach künstlerisch und weltoffen zu sein, während die Onlinefans der TV-Serie "The Bachelor" eher konservativ sind. Menschen, die die Seite "Cheerleading" geliked haben, sind tendeziell extrovertierter als Fans von "Voltaire".

Die Forscher sehen hier eine zukunftsweisende Erkenntnis. Offenbar gebe es Möglichkeiten, die Psyche allein anhand von Daten zu entdecken - "ohne eine einzige Mensch-zu-Mensch-Interaktion", schreiben die Autoren.

Sie betrachten Korrelationen der Likes zu unserer Persönlichkeit vor allem als Chance. Ob im Bewerbermanagement, der Partnerwahl oder dem Wahlverhalten: Mittels Big Data könnten wir Persönlichkeiten viel fundierter einschätzen. Co-Autorin Wu Youyou war bereits im Facebook-Konzern tätig, so verwundert diese positive Interpretation nicht.

Reizvoll sind die Ergebnisse auch für Online-Vermarkter. So könnten Unternehmen in Zukunft ihre Werbung und Angebote je nach Persönlichkeit anpassen.

Weitere Artikel

Für Datenschützer sind derartige Psychogramme hingegen ein Albtraum. Dass das Innenleben einer Person ungewollt offenbart werden könnte, beunruhigt viele. „Diese Erkenntnisse werden hochbrisant, wenn sie von der Werbe- und Kreditwirtschaft genutzt werden. Denn sie werden zu Manipulation und Diskriminierung der betroffenen Nutzer führen", sagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. Es sei insbesondere „völlig unethisch", wenn die Psychogramme ohne Zustimmung der Betroffenen erstellt würden.

Auch Michal Kosinski, einer der Studienleiter, sieht diese Risiken: "Wir hoffen, dass die Nutzer in Zukunft die volle Kontrolle über ihre digitalen Fußabdrücke haben." Hierfür müssten Softwareentwickler und Politiker den entsprechenden Datenschutz gewährleisten. Laut europäischem Datenschutzrecht darf eine derartige Psychoanalyse nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Nutzer erfolgen. Wie die Studie zeigt, kann uns ein Computer dann viel besser einschätzen, als bislang angenommen. Studienleiter Kosinski geht noch weiter: „Mensch-Computer-Interaktionen wie im Film Her könnten nicht mehr weit weg sein." Darin verliebt sich ein Mann in seine digitale Computerassistentin.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%