Studie von Spotify: Streaming hilft dem Live-Geschäft

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Studie von Spotify: Streaming hilft dem Live-Geschäft

von Stefan Hajek

Musik-Streaming hilft Künstlern, bekannter zu werden - besonders auf und nach Live-Festivals. Das behauptet eine neue Studie. Der Einfluss von Facebook und Twitter sei dagegen begrenzt.

Fluch oder Segen? Wenn es um die vielen neuen Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer oder Simfy geht, verschwinden Grautöne schnell. Und die Welt teilt sich in Gegner und Befürworter.

Die Gegner werfen den Internetdiensten vor, das Kultur- und Handelsgut Musik viel zu billig zu verscherbeln, es zu entwerten und an sinkenden Lizenzgebühren und Tantiemen für Kulturschaffende Schuld zu sein. Befürworter halten der Kritik im wesentlichen eins entgegen: Wir haben keine Wahl.

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"Das Internet hat die Vertriebswege der Industrie, die Konsumgewohnheiten der Hörer und nicht zuletzt deren Bezahl-Bereitschaft radikal verändert", sagte Philip Ginthör, Chef von Sony Musik Deutschland, vor einigen Monaten der Wirtschaftswoche. Eine Meinung, die sich mittlerweile als Konsens etabliert hat in der Branche, die durch Raubkopien und Piraterie zwischen 1999 und 2013 rund die Hälfte ihres globalen Umsatzes eingebüßt hat: Besser die Leute zahlen wenig, als gar nichts.

Bisher kaum untersucht wurde der Einfluss der Webstreamer auf das Konsumverhalten von Konzertbesuchern. Erfreulicherweise geben diese heute im Schnitt fast doppelt so viel für Tickets aus wie vor zehn Jahren, einen Teil der wegbrechenden Erlöse kann die Musikbranche also durch Konzerterlöse ausgleichen. Kein Wunder, bei Preissteigerungen von bis zu 250 Prozent für Tickets seit 1995.

Helfen könnten den live spielenden Musikern ausgerechnet die bei vielen so verhassten Streaming-Dienste, wie eine neue Studie aus den Niederlanden nahelegt.

„In den Niederlanden geben die Menschen heute rund halb so viel für Tonträger und legale Downloads aus wie 2003“, sagt der Autor der Studie, Will Page. Er ist Chefvolkswirt bei Spotify und daher nicht ganz unparteiisch. „Aber die Niederländer geben auch über 40 Prozent mehr für Konzerttickets aus.“

Page ist Spezialist für Fallstudien, mit denen er zum Beispiel erforscht, ob und wie sich mit einfach zugänglichen, günstigen Gratis-Angeboten eine über Jahre eingeschliffene Umsonst-Kultur überwinden lässt. Im August nahm er sich das Lowlands Festival in Holland vor und untersuchte dort, welchen Einfluss die zunehmende Verbreitung von Streamingdiensten auf Festivalbesucher hat. Er fand heraus, dass inzwischen mehr als zwei Drittel der Konzertgänger Kunden von Streamingdiensten wie Spotify sind. Und es ist keineswegs nur die junge, internet-affine Generation.

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„Wir haben zusammen mit dem niederländischen Label Mojo NL und dem Konzertveranstalter 3000 Besucher befragt, quer durch alle Altersschichten. Das Interessante war, dass inzwischen 55 Prozent der über 50-Jährigen den bezahlpflichtigen Premium Dienst nutzen“, so Page.

Weitere Erkenntnisse der Studie: Mehr als 90 Prozent der Besucher hatten ein Smartphone im Gepäck; 70 Prozent aller Besucher nutzten es für Musik-Streaming. Bereits in den Tagen und Wochen vor den Festivals nutzten mehr als zwei Drittel der Besucher ihre Streaming-Abis zudem, um sich über die dort auftretenden Künstler zu informieren und deren Musik probeweise anzuhören.

Wichtiger aus Künstler- und Label-Sicht: 80 Prozent streamten ihnen zuvor unbekannten Künstler auch nach dem Festival ­ und verhalfen ihnen so zu Lizenzeinnahmen. Denn abgerechnet wird jeder Stream ab 30 Sekunden ­ wenn auch die absoluten Beträge noch gering sind; dies ändert sich in dem Maße, in dem die Dienste wachsen und mehr Abo-Gebühren und Werbegelder einnehmen; stets schütten sie im Jahr darauf 70 Prozent ihrer Gesamteinnahmen an die Rechteinhaber aus.

Das schwedische Duo First Aid Kit etwa verzeichnete 135 Prozent mehr Streams in den 14 Tagen nach dem Auftritt auf dem niederländischen Lowlands-Festival Mitte August diesen Jahres; die Zahl der Spotify-Kunden, die sich zum ersten Mal Stücke der Schweden angehört hatten, stieg in den Tagen nach dem Festival um 80 Prozent. Page: „Das sind neue Fans.”

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Früher stiegen CD- oder Plattenverkäufe nach erfolgreichen Tourneen natürlich auch, aber keineswegs in solchen Größenordnungen.

Die Studie schlussfolgert nun, Streaming helfe umgekehrt auch den Life-Ticket-Einnahmen der weniger bekannten Künstler erheblich auf die Sprünge: Offenbar verstärken sich die beiden Umsatzquellen gegenseitig.

“Möglicherweise müssen wir Künstler umdenken”, sagte Jonathan Vandenbroeck, besser bekannt als „Milow“, „Streaming wird von vielen Kollegen sehr kurzfristig gesehen. Langfristig könnte es gerade den weniger bekannten Künstlern, also dem so genannten Long Tail, zu mehr und vor allem zu regelmäßigeren Einnahmen verhelfen.“ Für Studien-Autor Page ist die Sache klar: „Mag sein, dass Streaming andere Distributionsformen kannibalisiert. Dem Live-Geschäft hilft es aber eher auf die Sprünge.“

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Dagegen scheint der Einfluss von Kanälen wie Twitter, Instagram und vor allem Facebook durch große Live-Events eher überschätzt zu werden. In der Branche hält sich hartnäckig die Mehrheitsmeinung, Millionen von ohne Facebook-Likes, Instagram – und Twitter-Follower sei ein Popkünstler zum wirtschaftlichen Sterben verdammt.

In der niederländischen Fallstudie aber stellte sich heraus, dass deren Einfluss eher gering ist – und vor allem schnell wieder verpufft: In den Tagen des Festivals selbst stieg, wie nicht anders zu erwarten, die Zahl der Tweets und Facebook sowie Instagram-Erwähnungen einzelner, auf dem Festival auftretender Künstler, leicht an.

Doch schon nach zwei Tagen ging sie wieder auf das Niveau von vor dem Gig zurück. Nachhaltige Effekte stellten sich kaum ein.

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