Tablet-PCs und E-Reader: Die deutschen Konkurrenten von Apples iPad

Tablet-PCs und E-Reader: Die deutschen Konkurrenten von Apples iPad

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E-Book und TabletPC

von Thomas Stölzel und Michael Kroker

Das iPad von Apple kommt nach Deutschland. Auch Unternehmen von hier wollen im Geschäft mit E-Readern und Tablet-Rechnern mitmischen. Haben sie eine Chance?

Seit 23 Jahren betreibt Kai-Uwe Ahrens in der Düsseldorfer Innenstadt ein Antiquariat. Auch nach Ladenschluss steht er für Kunden zur Verfügung, die alte Schmöker und Schriften an ihn verkaufen wollen. Kein Wunder, dass so jemand elektronische Lesegeräte nicht sonderlich mag. Ahrens hält den Flachcomputer skeptisch in die Sonne: „Das Display reflektiert“, krittelt er. Bei einem echten Buch gebe es das nicht. Einen Roman auf einem Computer zu lesen, das kann er sich nicht vorstellen, vielleicht ein Sachbuch oder eine Zeitung, aber keinen Roman. So dächten doch wohl die meisten Leute.

Wenn Ahrens sich da, nach Einführung von Apples iPad am 28. Mai in Deutschland, mal nicht irrt. Laut einer aktuellen Umfrage der ING Bank können sich inzwischen 37 Prozent der Deutschen vorstellen, Zeitungen und Bücher nur am Bildschirm zu lesen. Der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zufolge planen 27 Prozent der Bundesbürger sogar ganz konkret, sich binnen eines Jahres ein entsprechendes Gerät zu kaufen: einen multimedialen Tablet-Computer wie das iPad oder ein reines Lesegerät à la Kindle, das der Online-Händler Amazon anbietet.

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Angeheizt vom internetfähigen Mobil-Flachcomputer iPad, steht die junge Branche vor einem gewaltigen Boom. Allein auf der Heimelektronikschau in Las Vegas im Januar stellten um die 20 Anbieter E-Reader oder Tablet-Rechner vor. Der koreanische Berater Displaybank prognostizierte kürzlich, dass 2010 weltweit vier Millionen E-Reader abgesetzt würden. Nach den ersten iPad-Verkaufszahlen scheint das bereits eine pessimistische Annahme zu sein. Für 2015 sagt Displaybank 50 Millionen Stück voraus, für 2020 rund 210 Millionen verkaufte Geräte weltweit. Zurzeit vergeht kein Monat, in dem nicht ein weiteres Unternehmen verkündet, in das Geschäft einsteigen zu wollen. Selbst der Internet-Riese Google und der weltgrößte Handybauer Nokia sollen an Geräten basteln.

Zwar scheint wie schon so oft in der Unterhaltungselektronik das Milliardengeschäft an den Deutschen vorbeizugehen. Aber ganz außen vor will das Land der Dichter und Denker nicht bleiben. Aufgesprungen auf den i-Zug sind auch drei Anbieter auf deutschem Boden – kleine Unternehmen, von denen bisher nur Brancheninteressierte gehört haben dürften.

Die drei heißen Plastic Logic, Txtr und Neofonie. Sie wollen noch im Sommer ihre ersten Apparate gegen die Schwergewichte Apple und Amazon auf den Markt bringen – und hoffen, wenn sich binnen zwei bis drei Jahren die Spreu vom Weizen trennt, zu den Überlebenden zu zählen. Ihre Chancen sind in der Fachwelt umstritten.

Schwarz-Weisses Display

Am Stadtrand von Dresden, einen Steinwurf vom Flughafen entfernt, in einem grauweißen Gebäude, residiert Plastic Logic. Das Unternehmen wurde vor zehn Jahren aus der britischen Eliteuniversität Cambridge ausgegründet und hat seinen Hauptsitz im kalifornischen Silicon Valley. Subventionen und hoch qualifizierte Mitarbeiter überzeugten es, die Produktion im Silicon Saxony aufzubauen. Seit zwei Monaten fertigt die sächsische Fabrik nun Displays für das Lesegerät, das Plastic Logic Que genannt hat. Viele der 180 hier Beschäftigten stammen vom inzwischen insolventen Chiphersteller Qimonda oder dem benachbarten Prozessorbauer AMD.

Das in Dresden gefertigte schwarz-weiße, berührungsgesteuerte Kunststoff-Display ist das Herzstück des Que. Es braucht keine Hintergrundbeleuchtung wie das iPad, ist fast unzerstörbar. Plastic Logic lässt den Bildschirm ins chinesische Shanghai fliegen, wo ihn ein Auftragsfertiger montiert. Von Juni an soll es den Que in den USA geben. Die Einführung in Deutschland und Rest-Europa dürfte dagegen noch ein paar Jahre auf sich warten lassen.

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