ThemaInternet

kolumneTauchsieder: Teilen ist nicht das neue Haben

08. September 2013
Ein Mädchen schielt auf den Lolly eines anderen Mädchens Quelle: FotoliaBild vergrößern
Der Netzsozialismus Share-Economy soll ein Wirtschafsmodell der Zukunft sein. Doch nur wer besitzt, hat auch etwas zu teilen Quelle: Fotolia
Kolumne von Dieter Schnaas

Die "Share-Economy" behauptet, dass "das Wir" nicht nur verbindet, sondern auch zum Wirtschaftsmodell taugt. Netzsozialismus statt Besitzindividualismus - und das soll unsere Zukunft sein?

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Was die CeBiT zum Leitthema macht, taugt für uns Journalisten allemal dazu, es flugs zum Trend auszurufen. In diesem Jahr war das Leitthema der Computermesse in Hannover die "Share-Economy", womit gewissermaßen eine qualitative Bestimmung des Leitthemas von 2010 ("Connected Worlds") vorgenommen wurde. Damals lernten wir, dass wir alle heutzutage durch das Internet mit allen verbunden sind. Diesmal lernten wir, dass wir uns alle heutzutage durch das Internet mit allen verbunden fühlen.

Der Unterschied ist keine Kleinigkeit. "Connected Worlds", das war die Beurkundung eines jedermann ersichtlichen Phänomens: Die Globalisierung schreitet voran, der Chinese ist unser virtueller Nachbar, was nichts anderes heißt als You never walk alone, denn wer facebookt, skypt und twittert, wähnt sich immer in bester Gesellschaft. "Share Economy" hingegen ist kein deskriptiver Begriff, sondern ein normativer Begriff. Es verbirgt sich dahinter ein wirtschaftspolitischer Programmentwurf von Trendforschern, Nachhaltigkeitsideologen und netzromantisch bewegten Redakteuren, die gleich nach der CeBIT in Dutzenden von Wochenendbeilagen dekretierten, dass Teilen das neue (wahlweise auch bessere) Haben sei.

Shareconomy Besitzen ist out - Teilen ist in

Die Zeiten, in denen Eigentum das einzig Wahre war, scheinen vorbei zu sein. Heute liegt das Teilen im Trend. „Shareconomy“ heißt das im Fachjargon – ein Phänomen, das unsere Gesellschaft neu zusammenführt.

Shareconomy: Besitzen ist out - Teilen ist in

Die Piraten, gar nicht dumm, haben den Begriff der "Share Economy" gewissermaßen vor seinem Erscheinen politisch gekapert und die netzsozialistische Revolution ausgerufen. Ihnen bedeuten Open Source, Creative Commons, Crowdsourcing  und Filesharing  bekanntlich das, was Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit Robespierre und Karl Marx bedeutet haben: Teilhabe, Mitsprache, Emanzipation, Volkssouveränität - und die geteilte Herrschaft aller über die Produktionsmittel. Nun, spätestens seit dem NSA-Skandal wissen wir, dass das Internet kein digitaler Kirchentag ist, bei dem sich lauter Wohlgesinnte wechselseitig ihrer Wohlgesinntheit versichern, sondern ein wirtschaftspolitischer Machtbezirk, in dem es bei der Aneignung und Nutzung von Kundendaten zu heftigen Verteilungskämpfen kommt.

Am bleibenden Erfolg des Schlagworts "Teilen ist das neue Haben" aber hat auch Edward Snowden nichts ändern können, im Gegenteil: Die Fünfwortkette kommt bei Google bereits auf 48.700 Ergebnisse. Und natürlich wird der Trend sogleich wissenschaftlich geadelt und rhetorisch frisiert: Whats mine is yours, so das flotte Motto der Share-Economy, die den "sozialinnovativen Ko-Konsumenten" anspricht, postmaterialistische Bedürfnisse befriedigt und sich von der gängigen Wachstumskritik nährt ("Vom Hyper-Konsum zum Gemeinschaftskonsum").

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 08.09.2013, 12:59 Uhrmathias

    Was für schönklingende neue Wörter- ist man heute gebildet?

    Das Gegenteil von Kapitalismus ist Kommunismus zum ausleihen
    genau wie Leasing eine tolle Geschäftsidee.

  • 08.09.2013, 11:22 UhrRiganus

    Der Bürger teilt nicht weil er will. Er fährt Fahrrad weil er muss.
    Der Bürger ist PLEITE!
    Mindestens 40 Millionen leben an der Kippe zum Sozialfall.

    Rigan - München

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