Technik: Wie Handys zu Staumeldern werden

Technik: Wie Handys zu Staumeldern werden

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TomTom-Navigationsgerät Go 930 T

Als erster Anbieter gewinnt der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom aus den Positionsdaten von Millionen Deutscher Vodafone-Handys ein nahezu komplettes Bild der Verkehrslage auf Deutschlands Straßen. Schon bald will die Konkurrenz nachziehen und setzt dabei auf Daten von T-Mobile. Wir erklären Ihnen, wie aus Handydaten Staumeldungen werden.

Es ist der alte Traum der Verkehrsplaner: Wo auch immer ein Auto über deutsche Straßen rollt, stets sendet es in kurzen Abständen Positionsmeldungen mit seiner aktuellen Geschwindigkeit an einen zentralen Verkehrscomputer. Der kann, gestützt auf alle diese Informationen – genannt Floating Car Data –, ein jederzeit aktuelles Lagebild des Verkehrs errechnen, die Verkehrsströme durch individuelle Routenempfehlungen steuern und Staus vermeiden.

Zu schön, um wahr zu sein? Stimmt. Seit Jahren diskutieren Politik, Industrie und Forschung dieses Szenario – ebenso ausdauernd wie erfolglos. Gründe dafür gibt es viele: Während etwa Datenschützer warnen, mit den Positionsdaten werde es möglich individuelle Personenprofile zu erstellen, streiten sich Fahrzeughersteller, Politik und Wissenschaftler, wer die Kosten für Funktechnik und Datenübertragung tragen soll. Und so bleibt ­jedenfalls bisher alles beim Alten.

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Frühestens Ende 2010 wird, so jedenfalls der Plan der EU-Kommission, jedes neu in der EU zugelassene Fahrzeug mit einem Notfallsender ausgestattet sein, der sich zumindest theoretisch auch für die Verkehrsdatenerfassung eignen würde. Doch auch dieses eCall-Projekt ist so umstritten, dass der angepeilte Starttermin zumindest fraglich ist.

Weil aber die Idee zu schade ist, um sie dauerhaft in die Schublade zu verbannen, sind Vodafone und TomTom auf eine ziemlich smarte Idee gekommen, wie sich trotz allem ein Profil der Verkehrsströme auf Autobahnen, Bundes-, Landes- und Innenstadtstraßen erstellen lässt. Eine zweitbeste Lösung ­– und eine sehr gute noch dazu.

Dabei machen sich die Partner zu Nutze, dass es in Deutschland mittlerweile mehr Handys als Einwohner gibt und die Wahrscheinlichkeit entsprechend hoch, dass ein Großteil der Autofahrer unterwegs auch ein Handy dabei hat (schließlich will man im Notfall ja Hilfe holen können).

Nur sich bewegende Handys zählen

Nun setzen diese rollenden Handys (genau wie alle anderen eingeschalteten Mobiltelefone) alle paar Augenblicke eine kurze Statusmeldung ans Mobilfunknetz ab, um diesem mitzuteilen, in welcher Funkzelle sie im Falle eines eingehenden Anrufs zu erreichen wären. Und wenn ein Telefon – zum Beispiel, weil sich das Auto, in dem es liegt, fährt – den Sendebereich einer Funkzelle verlässt, so meldet es sich aus dieser ab und in der nächstgelegenen Nachbarzelle wieder an. Sie ersetzen „Floating Car Data“ also durch „Floating Phone Data“.

Aus den Abermillionen sekündlicher Positions- und Zellwechselmeldungen filtern die Partner zunächst all jene Informationen heraus, bei denen sich etwas bewegt. Telefone, die zu Hause oder im Büro auf Küchen- oder Schreibtisch ruhen, fallen aus der Erfassung heraus. Berücksichtigt werden zudem nur Standortmeldungen, die Funkzellen an wichtigen Verkehrswegen betreffen. Das können Autobahnen sein, wo schon jetzt bundesweit rund 5500 Induktionsschleifen messen, ob und wie schnell der Verkehr rollt. Es können aber auch wichtige Bundesstraßen sein, wie etwa Umleitungsstrecken zur Autobahn oder Durchgangsstraßen in Städten. Ob dort der Verkehr fließt, erfasst bisher kaum eine Messschleife.

Wohl aber, ob sich dort Handys von der Stelle bewegen – das nämlich verfolgen die Zentralrechner des Mobilfunknetzes von Vodafone. Vereinfacht gesagt melden sie an die Verkehrszentrale von TomTom, wo wie oft und wie schnell sich in den Funkzellen entlang der definierten Verkehrswege Mobiltelefone an- und wieder abmelden. Mehr – etwa wer das Handy nutzt oder welche Rufnummer es besitzt – werde nicht übermittelt, versichern die Partner nachdrücklich und verweisen darauf, dass das Konzept von den Datenschützern abgesegnet sei.

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