Telefonate über Email-Dienst: Google startet Attacke auf Telekomanbieter

Telefonate über Email-Dienst: Google startet Attacke auf Telekomanbieter

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Jason Toff, Marketingmanager von Google Voice, bei einer PR-Aktion für Googles Telefondienst

Der Krake Google setzt an zum nächsten Schlag: Künftig können die Kunden über den E-Mailservice auch telefonieren. Damit greift der Webkonzern nicht nur die etablierten Telefonanbieter an. Denn während die Kunden vom Wettbewerb profitieren, geht es nun für einige Google-Konkurrenten um die Existenz.

Google-Kunden können demnächst aus ihrem E-Mailpostfach heraus telefonieren. Gespräche innerhalb der USA und Kanada sind laut Google zumindest bis Jahresende kostenfrei, für internationale Gespräche werden Gebühren berechnet, so Google bei der Vorstellung des Dienstes in San Francisco. Ob der Dienst auch in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch offen.

Sprechen statt schreiben lautet die Devise. Ist neben der E-Mail-Adresse in der Kontaktkarte auch noch eine Telefonnummer angegeben, kann diese jetzt mit einem Mausklick in das integrierte Chatfenster im E-Mailstartbildschirm aktiviert werden. Über eine bestehende Internetverbindung wird dann über Googles Vermittlungssystem ein Gespräch zu jedem beliebigen Festnetz- oder Mobiltelefon aufgebaut.

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Die Technologie an sich ist heute längst nichts Besonderes mehr, aber für Google ist es ein weiterer wichtiger Schritt in der werbeunabhängigen Finanzierung seines E-Mailservices durch Gebühren. Internationale Gespräche kosten zwischen zwei und zwanzig US-Cent pro Minute und liegen meist ein paar Cent niedriger als die Preise der großen US-Telekomgesellschaften.

Der weitere Ausbau der Telefonaktivitäten ist auch als Antwort zu sehen auf die Vorstöße der Telefongesellschaften, die Internet-Anbieter wie Google oder Youtube stärker für die Nutzung ihrer Internetleitungen zur Kasse bitten wollen. Ziel der großen Telefonkonzerne ist es, an der Wertschöpfung über Werbung oder Online-Handel mitzuverdienen. Heute liefern sie nur eine feste Menge von Daten zu einem konstanten Preis.

Besonders hart trifft der Angriff aber den Konkurrenten Skype. Für ihn kommt die Nachricht zu einer denkbar schlechten Zeit. Der Web-Telefonkonzern hat erst Anfang dieses Monats offiziell die Unterlagen für einen geplanten Börsengang bei der US-Aufsichtsbehörde SEC eingereicht, Details und Zeitpunkt sind jedoch noch offen.

Eine Investorengruppe um die Gründer des Pioniers der Internet-Telefonie, sogenanntes Voice over IP, hatte Skype 2009 vom Web-Auktionsportal eBay zurückgekauft. Der Borsengang soll nun helfen, die Schulden der Übernahme zu tilgen. Skype wird nach eigenen Angaben von 124 Mio. angeschlossenen Benutzern verwendet, die im ersten Halbjahr 2010 Gespräche mit einer Gesamtdauer von 95 Milliarden Minuten geführt haben, rund 40 Prozent davon per Videoverbindung.

Das Geschäftsmodell von Skype, kostenlose Telefonate unter Skype-Nutzern, kostenpflichtige mit regulären Telefonanschlüssen, wird von Google praktisch kopiert, gleichzeitig leidet der Telefondienst darunter, dass die etablierten Anbieter in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Preise gesenkt haben. In Unternehmen wird Skype bislang nur zögerlich eingesetzt, Google könnte auch hier schneller profitieren, wenn die Telefon-E-Maillösung mit der Bürosoftware Google Apps verbunden wird.

Google bietet seit längerem bereits mit Google Talk ein eigenständiges Internet-Telefonsystem an und mit Google Voice ein Telefon-Tool, das den Empfang von Telefongesprächen unter einer einheitlichen Google-Telefonnummer erlaubt, sowie als Anrufbeantworter dient. Die Google-Voice App ist seit einem Jahr auf Apples iPhone gesperrt, offiziell ist die App laut Apple immer noch in der Überprüfungsphase. Die Sperrung hatte seinerzeit Untersuchungen über die Verflechtungen der beiden High-Tech-Giganten durch die US-Wettbewerbs- und Telekom-Behörden ausgelöst.

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