Telekom-Pläne : Was WLAN TO GO zu bieten hat

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Telekom-Pläne : Was WLAN TO GO zu bieten hat

von Thomas Kuhn

Mit ihrem neuen Angebot WLAN TO GO kopiert die Deutsche Telekom das Konzept des weltgrößten WLAN-Betreibers Fon - und verbündet sich dafür mit dem spanischen Trendsetter. Jeder Telekom-Breitband-Kunde könnte so zum T-Fonero werden. Was ist von dem Angebot zu halten?

Lange war Martin Varsavsky so etwas wie der Lieblingsfeind der weltweiten Mobilfunkindustrie. Denn während die Telekoms der Welt Ihren Kunden den Weg ins mobile Internet über Jahre nur für astronomische Übertragungsgebühren öffnen wollten, propagierte der spanische Internetunternehmer mit seiner Fon-Plattform ein - größtenteils gebührenfreies - Konkurrenzkonzept.

Wer seinen Internetzugang mithilfe eines "Fonera" genannten WLAN-Routers auch anderen Fonera-Nutzern öffnete, konnte umgekehrt an alle anderen Fonera Hotspots gebührenfrei online gehen - weltweit. Ein Konzept einer Online-Genossenschaft, das bis heute mehr als neun Millionen Fon-Partner, die sogenannten Foneros (mich eingeschlossen), motiviert, ihre WLAN-Zugänge mit Gleichgesinnten in aller Welt teilen. Den Gedanken der "ShareConomy", des diesjährigen Messmottos der Cebit, Varsavsky und seine Foneros setzen ihn seit Jahren um.

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Und geht es nach den Vorstellungen von Telekom-Chef René Obermann, dann sollen bis 2016 alleine in der Bundesrepublik noch weitere 2,5 Millionen T-Foneros dazu kommen. Denn wie der Bonner Telefonkonzern kurz vor Cebit-Start verkündet hat, will das Unternehmen ab Mitte dieses Jahres Millionen seiner Privatkunden dazu bewegen, ihre via T-DSL ans Internet angeschlossenen WLAN-Zugänge für die Fon-Community zu öffnen.

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Quelle: dpa

Grundlage ist der neue WLAN TO GO genannte Dienst, den Obermann in Kooperation mit Varsavsky zur Cebit vorgestellt hat. Dabei kopiert die Telekom das Fon-Konzept nicht nur, sondern verknüpft das eigene, neue Angebot mit dem bestehenden Netzwerk von Varsavskys globaler Fonera-Community. Auf diese Weise erhalten Telekom-Kunden, die ihr heimisches WLAN mit anderen Nutzern teilen, weltweit kostenlosen Zugang zu Millionen drahtloser Fon-Internetzugänge.

Dass die Telekom dabei ihr eigenes mobiles Breitbandangebot an vielen Standorten kanibalisiert, weil die Mobilfunkkunden - statt ihre Datenpakete am Smartphone abzusurfen - lieber via WLAN beim Fonero-Genossen andocken, nimmt Obermann inzwischen locker. Zum einen, weil der Trend zu Online-Flatrates und der drastische Preisverfall mobiler Datenverbindungen die einst hohen Margen im mobilen Internet ohnehin haben erodieren lassen.

Zum anderen aber auch, weil das neue Angebot gleich zwei Probleme der Telekom lösen helfen könnte:

1. Es gelingt dem Telefonriesen nämlich noch immer nicht auf breiter Front, Kunden, die entweder einen Festnetz- oder einen Mobilfunkvertrag haben, dazu zu bewegen, auch den jeweils anderen Anschluss beim T-Konzern zu bestellen. Dieses sogenannte Cross-Selling könnte deutlich zunehmen, so die Hoffnung in Bonn, wenn immer mehr Festnetz-Kunden auch einen Handyvertrag abschließen, um als T-Foneros bei anderen WLAN-TO-GO-Stationen andocken zu können.

2. Ein Erfolg des neuen Dienstes könnte zudem ein weiteres Dilemma der Telekom lindern. Dass nämlich das explosionsartige Wachstum der via Mobilfunk übertragenen Datenmengen immer mehr Funkzellen an ihre Kapazitätsgrenzen treibt. In gewissem Maße können die Netzbetreiber gegensteuern, indem sie die Funkzellen verkleinern und so über mehr und immer kleinere Zellen mehr Datenverkehr abwickeln. Doch das funktioniert nicht unbegrenzt, denn mit wachsender Zellenzahl auf gleicher Fläche steigt dort der Aufwand fürs Netz- und Frequenzmanagement überproportional an.

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