The Daily: Murdochs iPad-Zeitung soll die Medienwelt aufmischen

The Daily: Murdochs iPad-Zeitung soll die Medienwelt aufmischen

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"The Daily" ist die erste, rein digitale Zeitung für das iPad. Das neueste Baby von Medienmogul Rupert Murdoch ist interaktiv, schnell und bunt. Die Digitalzeitung soll die Medienwelt revolutionieren, ob sie das schafft, bleibt abzuwarten.

Der fast 80-jährige Rupert Murdoch will es noch einmal wissen. 30 Millionen Dollar investierte er in sein neuestes Projekt, das der Gründer und Geschäftsführer des weltweit drittgrößten Medienunternehmens gestern vorstellte. "The Daily" ist die erste Zeitung, die nur für Apples Flachcomputer elektronische Lesegeräte gemacht wurde. Gemeinsam mit dem Apple Vize-Präsident für Internet Services, Eddy Cue, präsentierte Murdoch „The Daily“ im New Yorker Guggenheim Museum einer gespannten Öffentlichkeit. Murdoch nennt sie eine neue Stimme. „Neue Zeiten verlangen nach einem neuen Journalismus“, sagte er bei der Vorstellung dieses Hybriden aus Zeitung und Interaktivität.

"The Daily" hat einen Umfang von gut 100 Seiten und gliedert sich in die sechs Rubriken News, Meinung, Sport, Kunst, Celebrity sowie Spiele und Apps. Außerdem bietet sie diverse Services an, wie einen örtlichen Wetterbericht. Etwas unübersichtlich ist die Navigation durch die Zeitung: Mal geht es mit einem Klick weiter, mal durch kippen des Bildschirms. Damit sich der Leser in seiner Zeitung nicht verläuft, gibt die "Daily" Steuerungshilfen.

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Die Zeitung macht pro Tag mehrere Updates ihrer News: Wer sie morgens liest, findet also am Nachmittag unter Umständen veränderte oder ganz neue Artikel vor. Die einzelnen Artikel sind verknüpft mit Videos, Blogs und Podcasts, so dass der Leser sich seinen Artikel nach persönlichem Gusto zusammenstellen kann. Die wichtigsten Nachrichten kann sich der Leser in einem kurzen Video vorstellen beziehungsweise vorlesen lassen und bei Interesse von dort aus direkt zum geschriebenen Artikel wechseln. Diese News kann der Leser nur auf seinem iPad speichern und sie kommentieren, via E-Mail versenden oder auf Facebook und Twitter veröffentlichen - diese Funktion gibt es bei vielen anderen Zeitungs-Apps nicht.

In Deutschland nur schwierig zu haben

Derzeit ist die neue Zeitung offiziell ausschließlich für den amerikanischen Markt zu haben. Kaufen kann der Leser seine Zeitung via Apples Online-Laden iTunes - allerdings nur mit einem amerikanischen Account. Mit dem ersten Download bekommt der Leser die Zeitung für zwei Wochen gratis. Danach muss er sich entscheiden, ob er sie abonniert oder - wie auch die Zeitung am Kiosk -  über den Apple-Store kauft, wenn er sie grade möchte. 

Wenn er abonniert, lädt sich täglich die neueste Ausgabe auf seinen Tablet-PC - ohne Umweg über iTunes. Alle Seiten samt Videos, Bildern und Artikel laden sich beim Start der Lektüre, also wenn der Leser auf das "Daily"-Icon klickt. Nur die Werbung kommt live und personalisiert. Die Abos verlängern sich automatisch am Laufzeitende. Frühestens 2013 soll die Digitalzeitung auch für andere Tablet-PCs, die meist mit Googles Betriebssystem Android laufen, verfügbar sein.

Bestückt wird die iPad-Zeitung von einer neunköpfigen Redaktion, zudem liefern zahlreiche freie Mitarbeiter und Korrespondenten Inhalte zu. Das Abo kostet 99 US-Cent pro Woche beziehungsweise 39,99 US-Dollar pro Jahr – vergleichbare Angebote etablierter Medienhäuser verlangen soviel pro Tag. Dazu kommt Werbung, derzeit jedoch in geringem Umfang.

Dieser Kampfreis dürfte ein entscheidendes Argument im Wettbewerb mit den traditionellen Verlagen sein, denn eine journalistische Revolution ist "The Daily" nicht. Die Mehrheit der Inhalte ist boulevardesk. In der Erstausgabe geht es mehr um Stars, Klatsch und Tratsch als beispielsweise um die Uruhen in Ägypten. Grundsätzlcih ist der Fokus stark auf Amerika ausgerichtet, was in der restlichen Welt passiert, erscheint als Randnotiz. Die Artikel richten sich in ihrer Machart eher an den schnellen Leser mit wenig Zeit: Sie enthalten viele Bilder und kurze, knappe Nachrichten.

Solche Produkte gibt es in der Boulevardpresse bereits zuhauf, allerdings auf Papier oder - kostenlos - im Internet. So muss sich zeigen, ob sich das Projekt auf Dauer trägt. Zwar entfallen Druck- und Lieferkosten, doch auch Apple kassiert einen Teil der Einnahmen - üblicherweise fließen 30 Prozent in die Kassen von Steve Jobs. Die laufenden Kosten für "The Daily" betragen rund eine halbe Million Dollar in der Woche, Murdoch benötigt 600.000 bis 800.000 Abonnenten um schwarze Zahlen zu schreiben.

Auf Fragen nach dem Geschäftsmodell sowie möglichen Kooperationen reagierten Murdoch und Cue entsprechend schmallippig. Weniger zurückhaltend war Murdoch in der Beurteilung der Rolle des "Daily" innerhalb der Medien: Sein neues Baby sei die Stimme eines neuen Journalismus und habe das Zeug zum Modell für viele weitere Zeitungen. In Anbetracht des Inhalts, den "The Daily" liefert, bleibt abzuwarten ob auf Dauer genug zahlungswillige Nutzer diese Ansicht teilen.

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