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Thins Clients ersetzen PC: Wachablösung auf dem Schreibtisch

von Joachim Hofer Quelle: Handelsblatt Online

Die Tage des klassischen Personal Computers sind gezählt - zumindest, wenn es um den Einsatz als Büro-Arbeitsplatz geht. Immer mehr Unternehmen denken darüber nach, die unförmigen Blechkisten mit den vielen Kabeln abzuschaffen. So genannte "Thin Clients" `sollen ihre Aufgaben übernehmen.

Thin Clients verdrängen zunehmend den klassischen PC. Quelle: pr
Thin Clients verdrängen zunehmend den klassischen PC. Quelle: pr

MÜNCHEN. Beim einen liegt der graue Kasten auf der Schreibtischplatte, andere verbergen ihn unten auf dem Boden. Eins aber haben fast alle Büro-Arbeitsplätze rund um die Erde gemein: Sie sind mit einem Personal Computer, kurz PC, ausgestattet. Seit fast zwei Jahrzehnten sind diese Einzelplatzrechner ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitslebens.

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Die großen Zeiten des PCs neigen sich allerdings dem Ende zu. Immer mehr Unternehmen denken darüber nach, die unförmigen Blechkisten mit den vielen Kabeln abzuschaffen. Ihre Aufgaben sollen stattdessen so genannte "Thin Clients" übernehmen. Das sind Terminals, die ohne eigene Festplatte, Lüfter oder CD-Laufwerk auskommen. "Das ist sicherer, preiswerter und bequemer als ein PC", sagt Dieter Kempf, Chef des Nürnberger IT-Dienstleisters Datev. Der Manager wirbt in seinem Unternehmen massiv dafür, die abgespeckten Rechner zu verbreiten.

Das Prinzip der Thin Clients ist einfach: Die Nutzer arbeiten wie gewohnt. Doch die Daten werden nicht mehr vom Gerät direkt vor Ort verarbeitet, sondern von einem Netzwerkrechner, einem so genannten Server. Mit diesem leistungsstarken Computer ist das Terminal über eine Datenleitung verbunden.

"Thin Clients sind dem klassischen PC in vielen Systemumgebungen deutlich überlegen", trommelt der Branchenverband Bitkom für diese Lösung. Zum Beispiel was die Kosten angeht. Bislang haben die IT-Abteilungen die Benutzerarbeitsplätze individuell auf den lokalen Rechnern eingerichtet. Dies fällt künftig weg. Die einzelnen Arbeitsplätze tauchen nur noch als virtuelle Maschinen im Rechenzentrum auf. Das spart Zeit und vor allem Geld.

Forscher der Fraunhofer Gesellschaft haben ausgerechnet, dass ein PC ein Unternehmen vom Kauf bis er ausgemustert wird deutlich mehr als 2000 Euro kostet. Ein Thin Client einschließlich des auf ihn entfallenden Anteils am Server kommt mehrere Hundert Euro günstiger. Laut Fraunhofer liegen die Kosten im Vergleich zum herkömmlichen Tischrechner um 20 und 40 Prozent niedriger.

Dazu kommt, dass das Thin-Client-Konzept die Umwelt schont. Die Experten der Fraunhofer-Gesellschaft sind überzeugt, dass Terminal und Server im Verbund weniger als die Hälfte der Energie verbrauchen, die ein PC schluckt. Die Experten haben von der Produktion über die Herstellung bis zum Recycling sämtliche Phasen im Leben der Geräte unter die Lupe genommen.

Die Computerhersteller können schon lange solche Systeme liefern. Doch weil die Kunden bislang eher zurückhaltend sind, halten sich auch die großen IT-Konzerne mit Prognosen über die weitere Entwicklung zurück. "Wahrscheinlich braucht nicht jeder in Zukunft seinen eigenen PC", drückt es Joseph Reger, Technikchef von Fujitsu Siemens Computers, vorsichtig aus.

Etwas weiter aus dem Fenster lehnt sich Heiko Gloge vom Computerbauer Igel Technology aus Bremen. Das hat seinen Grund: Das Unternehmen hat sich voll auf Thin Clients spezialisiert. Angesichts der Wirtschaftskrise geht der Manager davon aus, dass die Unternehmen nun sämtliche Sparpotenziale ausnutzen werden. "Wir sehen ein enormes Potenzial. Die Firmen haben die PCs bislang noch nicht angegangen." Einige große Kunden kann Gloge bereits vorweisen. So haben die Barmer Ersatzkasse und deren Konkurrent DAK jeweils mehrere Tausend Terminals im Einsatz. Auch die Deutsche Börse nutzt das Equipment von Igel.

Doch es sind nicht allein die niedrigen Kosten, die Gloge als Verkaufsargument heran nimmt. Thin Clients gelten auch als wesentlich sicherer als herkömmliche PCs. Dort lassen sich allerhand Daten einspielen oder per USB-Stick, CD oder DVD entwenden. Im schlimmsten Fall gehen Notebooks gestohlen oder verloren. Stehen auf den Arbeitsplätzen hingegen Terminals, so liegen sämtliche Daten im gesicherten Server-Raum. Dazu kommt: Es ist einfacher, wenige Server vor Angriffen von außen zu schützen als zahllose PCs.

Allerdings hat das Konzept auch seine Grenzen. Wer oft unterwegs ist, der brauche nach wie vor ein Notebook. Das meint zumindest Datev-Chef Kempf. Der will zwar seine Mitarbeiter in der Zentrale in Nürnberg für die Thin Clients begeistern. Für sich selbst sei die Lösung aber nichts, gesteht er. Dazu sei er zu viel unterwegs. Kempf weiß: Wenn der Chef nicht mit gutem Beispiel voran geht, wird es schwierig mit der Umsetzung im eigenen Unternehmen.

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