Thorsten Grenz: "Hundehaufen-Hotline"

Thorsten Grenz: "Hundehaufen-Hotline"

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Thorsten Grenz, Deutschland-Chef von Veolia Umweltservice setzt bei den Olympischen Spielen auf High Tech, gute Planung und Glück

von Sebastian Matthes

Der Deutschland-Chef von Veolia Umweltservice über Tretminen auf Trottoirs und Bomben in Mülleimern.

WirtschaftsWoche: Die Olympischen Spiele in London sollen nicht nur so sicher, sondern auch so sauber werden wie nie zuvor. Wie soll das gelingen in einer Stadt, die schon ohne die Spiele am Limit ist?

Grenz: Mit High Tech, guter Planung und etwas Glück. London ist oft im Ausnahmezustand. Schon heute beseitigen wir dort in einem Drittel der Bezirke tonnenweise Hausmüll. Insofern wissen wir, worauf wir uns einlassen.

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Aber das ist mit den kommenden Wochen kaum vergleichbar. Ihre Müllwagen werden 14 Tage im Stau stehen.

Abwarten. Wir haben unser Londoner Team um 400 Mann aufgestockt und die Routen der Fahrzeuge so berechnet, dass sie Staus möglichst umfahren. Zudem überwachen wir die Wagen auf einer interaktiven Karte. Dort kann die Zentrale sehen, wo es hakt, und Verstärkung schicken. So präzise wurden Müllwagen noch nie gesteuert.

In der Vergangenheit wurden Bomben in Mülleimern deponiert. Wie gehen Sie mit dem Thema Sicherheit um?

Alle Kollegen im Außeneinsatz haben ein Anti-Terror-Training absolviert. Das sorgt dafür, dass Mitarbeiter auf verdächtige Gegenstände achten und auch die Polizei bei einer Evakuierung unterstützen. Und natürlich wissen sie, welcher Abstand einzuhalten ist, bevor sie die Polizei alarmieren. Schließlich könnte bereits die Handystrahlung eine Explosion auslösen.

Früher galten englische Städte als extrem schmutzig. Heute sagen Experten, sie seien sauberer als deutsche Metropolen. Warum?

Es ist eine Systemfrage. In Großbritannien gelten rigide Qualitätsvorgaben. Im Bezirk Westminster, nicht weit vom Parlament, lautet unser Auftrag nicht nur, die Straßen rund um die Uhr sauber zu halten. Wir müssen sogar das Silvesterfeuerwerk am frühen Morgen des neuen Jahres beseitigt haben. In anderen Bezirken haben wir ähnlich präzise Vorgaben. In einigen müssen wir sofort ausrücken, wenn Bürger sich via Hotline über Hundekot beschweren.

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Wer viel zahlt, kann viel erwarten.

Der Service ist nicht unbedingt teurer als schlechtere Dienstleistungen hier. Es ist eine Frage von Wettbewerb und Investitionssicherheit. In größeren deutschen Städten sind Müllbeseitigung und Straßenreinigung meist in öffentlicher Hand. Würden hier fixe Standards ausgeschrieben, wären die Städte fürs gleiche Geld sauberer.

Das sagt sich leicht.

Die Rechnung ist aber einfach. Schon heute ist die Produktivität der öffentlichen Entsorger in Sammlung geringer als unsere. Mit klar ausgeschriebenen Zielen ließe sich auch die Recyclingquote drastisch steigern. Das kann jede Stadt entscheiden. Das ist keine Kostenfrage. Recycling in großindustriellem Maßstab trägt sich von selbst.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

In Rostock etwa betreiben wir seit 2011 eine High-Tech-Wiederaufbereitung. Aus alten PET-Flaschen entstehen dort neue, Plastikmüll verwandeln wir in Rohstoff für neues Plastik, Reste in Ersatzbrennstoff für Kohle und Bioabfall in Gas. Das reinigen wir und speisen es ins Erdgasnetz ein. Alle Rohstoffe werden verkauft, und so rechnet sich die Anlage nach fünf bis sieben Jahren.

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