Tod und Social Media: Dirk Bach und das "Gefällt mir"

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Tod und Social Media: Dirk Bach und das "Gefällt mir"

von Franziska Bluhm

Immer wieder sorgen Todesfälle im Internet für Aufsehen, weil sie die Menschen bewegen und diese ihr Beileid bekunden wollen. Doch kann man eine solche Nachricht mit "Gefällt mir" kommentieren?

Um 18.44 Uhr lief die Meldung gestern über den DPA-Ticker: Die Berliner Zeitung "BZ" hatte gemeldet, dass der Schauspieler Dirk Bach gestorben ist. Nach den ersten Bestätigungen verbreitete sich die Nachricht im Internet: Sie wurde beim Kurznachrichtendienst Twitter weitergereicht, bei Facebook verbreitet. Für Diskussionen sorgte, dass die Bild-Zeitung die Nachricht bei Facebook mit dem Hinweis "Gefällt mir = Mein Beileid!" einstellte. Der Vorwurf: Geschmacklos! Auch andere Medien wie beispielsweise der Stern reagieren und nutzen Facebook als eine Art virtuelles Kondolenzbuch. Es dauert nicht lange, da hagelt es Vorwürfe. Zwei Beispiele: "Es geht um eine mechanische Steigerung des Edge Rank, d.h. Fans sollen durch einfache Fragen zum Like “gezwungen” werden. Ab und an ist das ja auch ok, aber reichlich pietätlos geht grade der Stern auf seiner  Fanseite, wo der Like Button zum Kondolieren missbraucht wird", schreiben beispielsweise Jan Firsching und Andreas Bersch bei Futurebiz.de. In das gleiche Horn bläst Matias Roskos bei Socialnetworkstrategien.de: "Das ist so billiger Humbug, dass es mir körperlich schon fast weh tut. Aber das Schlimme ist: es funktioniert. Die Leute klicken. Auf "gefällt mir" beim Tod eines Menschen."

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Tod im Netz Quelle: dpa/Montage

Mit ihren zum "Kondolenz"-Button erklärten Like-Buttons haben Bild und Stern auf Facebook inzwischen 108.000 und 54.600 Klicks generiert. Und natürlich ist es so, dass eine hohe Interaktion mit dem Beitrag eines Teilnehmers bei Facebook für eine bessere Sichtbarkeit weiterer Beiträge sorgt. Auch sonst waren die großen Medien mit ihren Meldungen über den Tod des 51-jährigen Schauspielers sehr erfolgreich. Zählt man alle Interaktionen auf sozialen Netzwerken (Google+, Twitter, Facebook) zusammen, dann haben sich mit der reinen Nachricht von Spiegel Online 14.771 Leute auseinandergesetzt, mit der von Bild 14.633 Mal. Die Welt brachte es auf 6706, die Tagesschau immerhin auf 6234 Interaktionen in sozialen Netzwerken. Das ist viel. Selbst eine Trauerbekundung des streitbaren Comedians Oliver Pocher findet innerhalb kürzester Zeit unzählige Interaktionen. Als dieser am Montagabend um 23.26 Uhr sein Beileid bekundete, hatten innerhalb neun Minuten 2153 Leute "Gefällt mir" geklickt. Und zwar nicht, weil sie sich über den Tod des Schauspielers freuten.

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