Topraks Technik Talk: Big Brother in der Wolke

Topraks Technik Talk: Big Brother in der Wolke

Cloud Computing ist der Mega-Trend des Jahres 2008. Jetzt setzt sogar Microsoft, der letzte Vertreter der alten Desktop-Schule, auf Windows und Office via Internet. wiwo.de-Autor Mehmet Toprak hat dazu ein paar düstere Gedanken.

Windows Azure - das Internet-Windows

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Windows Azure kann man im Internet schon ausprobieren.

Jetzt hat sich auch Microsoft zu diesem Trend bekannt und Windows Azure vorgestellt, eine Art Internet-Windows, das alle Datenströme im Rechenzentrum steuert. Ausgerechnet Microsoft, der letzte Vertreter des klassischen Desktop-PCs, wechselt die Seiten und setzt auf die Computer-Power via Internet. Auch Privatanwender sollen sich langsam an die Idee gewöhnen und ihre Office-Dokumente künftig online bearbeiten. Google und Adobe haben es mit ihren Online-Offices schon vorgemacht.

Die Vorteile für den Nutzer sind natürlich verlockend. Erstens entfällt die lästige Updaterei der Programme auf der Festplatte, da der Software-Hersteller immer die neueste Version ins Web stellt. Man nutzt dann genau das Programm und genau die Funktionen, die man wirklich braucht und bezahlt für deren Nutzung. Da die Daten und Dokumente nicht auf dem heimischen PC, sondern im Rechenzentrum gespeichert sind, sind sie auch von unterwegs zugänglich. Alles superpraktisch also.

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Eldorado für Cyberganoven und Datenspione

Andererseits: Wenn diese Vision tatsächlich realisiert werden sollte, dann ist es aus mit dem gemütlichen Leben der Computerbesitzer. Denn die Dokumente, die wir produzieren, sind auf den Servern des jeweiligen Anbieters gespeichert. Und überall da, wo die Daten von Millionen von Kunden lagern, steigt das Risiko von Datenklau und Spionage, wie man aktuell am Datenskandal bei der Telekom sieht. Cloud Computing ist ein Eldorado für alle Hacker und Cyberganoven dieser Welt. Statt das Internet nach irgendwelchen ungesicherten PCs abgrasen zu müssen, pilgern sie einfach zu den Serverfarmen. Man muss nur ein wenig Geduld haben, irgendwann und irgendwie findet sich eine Lücke.

Natürlich tun die Experten alles, um Rechenzentrum, Software und Daten zu schützen. Aber da die Systeme so komplex sind und noch dazu ständig online, ist der Aufwand für die Datenschützer enorm hoch. Aufwendige Schutzmaßnahmen tragen damit selbst dazu bei, die Komplexität der Systeme zu erhöhen. Damit steigt wiederum die Anfälligkeit für Pannen und Sicherheitslücken. Man muss kein Chaos-Forscher sein, um das zu verstehen. Cloud Computing ist Pannen-Computing.

Big Brother in der Wolke

Himmlische Computer-Power: Auch Internet-Pionier Yahoo macht mit beim Cloud Computing.

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Für alle Datenschnüffler aus Industrie und Staat könnte diese neue Form des Computerns aber eine feine Sache werden. Diese müssen sich nur eine Schnittstelle bei den Rechenzentren einrichten, und schon haben sie Zugriff auf alle Dokumene, die der Bundesbürger heute noch relativ gut geschützt auf seiner Festplatte lagert. Bisher

müssen sich die Ermittler noch in Wohnungen einbrechen und Bundestrojaner listenreich auf Privat-PCs einschmuggeln. Das ist in Zukunft viel einfacher. Big Brother sitzt bequem in der Wolke. Zugegeben, vielleicht sollte man nicht so schwarzmalen und etwas mehr Vertrauen in die Industrie und Behörden setzen. Doch ich bin Pessimist und habe ungefähr so viel Vertrauen wie in meine Bank in Zeiten der Finanzkrise.

Die Computerwelt ist heute ein Reich der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir können uns PCs individuell zusammenbasteln und jede beliebige Software installieren. Cloud Computing macht damit Schluss. Dann hocken Millionen von Anwendern brav vor dem Standard-Datensichtgerät und arbeiten genau mit der Software, die dem Hersteller am besten in den Kram passt. Spätestens dann werden wir uns zurücksehnen nach der Freiheit, die uns der Windows-PC schenkt …

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