Topraks Technik Talk: Blu-ray war gestern

Topraks Technik Talk: Blu-ray war gestern

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Alien, den Kultfilm von Regisseur Ridley Scott gibt es wohl bald auch auf Blu-ray

Groß ist die Begeisterung über HD-Fernseher und Blu-ray. Dabei ist die Technik eigentlich schon veraltet, bevor sie sich richtig etabliert hat. Der Konsument sitzt in der Falle.

Kürzlich hatte ich am Freitag frei. Da habe ich mir die DVD-Box der "Alien Saga" besorgt und an drei Abenden alle vier Folgen gegeben. "Alien 1", "Aliens - Die Rückkehr", dann "Alien 3" und "Alien - Die Wiedergeburt". Meine Frau fragte spöttisch, was ich eigentlich so toll finde an diesem Weltall-Monster. Die Vorbildfunktion für meine Tochter dürfte ebenfalls gelitten haben. In die Enge getrieben blieb mir nur die schwächliche Replik, dass jeder sich mal unter Niveau amüsieren dürfe. Das tue ich allerdings ziemlich oft, denn "Alien" besitze ich in mehrfacher Ausführung. Als TV-Aufnahme auf VHS-Kassette, als VHS-Kaufkassette und als DVD. Ein typisches Phänomen bei Filmfans. Sie besitzen Kultfilme wie "Alien", "Big Lebowski" oder "Pulp Fiction" in den verschiedensten Versionen, darunter sind dann oft auch teure Special Editions und Director´s Cuts. Die Filmindustrie weiß, wie sie den Fans das Geld aus der Tasche zieht.

Meisterwerke werden Medienschrott

Wahrscheinlich war die Anschaffung der Alien-DVD-Box ein Fehler. Denn früher oder später kommt ja die hochauflösende Blu-ray-Version. Wenn alle paar Jahre ein neues Format kommt, werden die alten Versionen ganz schnell zu Medienschrott. Irgendwann werden auch die so hochgejubelten Blu-ray-Discs als Medienschrott im Keller landen. Das dauert noch ein paar Jährchen, ist aber unausweichlich. Zuerst muss das hochauflösende Format auf dem Massenmarkt ankommen, dann wird es billiger und die DVD verschwindet. Spätestens wenn die Fans ihre Lieblingsfilme auf Blu-ray im Regal stehen haben, kommt die nächste Disc. Ich gebe Blu-ray zwanzig Jahre, dann ist auch diese Technik ein Fall für den Flohmarkt.

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Die ideale Lösung für das Problem wären eigentlich die Internet-Videotheken. Man würde sich seinen Lieblingsfilm per Videostream sehen und zwar immer im gerade aktuellen Standard. Keine Videosammlung mehr, die nur Regale verstopft. Nur leider reichen die Bandbreiten im Internet dafür noch lange nicht aus, vor allem nicht für hochauflösende Videos.

HDTV ist ein alter Hut

Der Film "Bis ans Ende der Welt" von Wim Wenders wurde schon 1989 teilweise mit High-Definition-Kameras gedreht

Der Film "Bis ans Ende der Welt" von Wim Wenders wurde schon 1989 teilweise mit High-Definition-Kameras gedreht

Obwohl die hochauflösenden Formate erst jetzt langsam den Markt erobern, gibt es die Technik schon lange. Genauer gesagt, seit fast 20 Jahren. Seitdem der Filmregisseur Wim Wenders 1989 Teile seines Films "Bis ans Ende der Welt" auf HDTV-Kameras von Sony gedreht hat, warten die Fans voller Vorfreude auf das neue Format. Sie warten bis heute. Knapp 20 Jahre danach hat sich zwar die allgemeine Begeisterung über HD in schwindelerregende Höhen geschraubt.

Doch abgesehen von Nischensendern wie Arte halten sich die TV-Anstalten immer noch zurück und senden im Uralt-Format PAL. Bis HDTV in Deutschland flächendeckend ausgestrahlt wird, irgendwann ab 2012 oder so, dürfte die erste Generation der Full-HD-Fernseher schon wieder Elektroschrott sein. Das hochauflösende Fernsehen ist also in Wahrheit ein alter Hut.

Damit will ich HD nicht schlecht machen. Es beschert uns ein ungleich besseres Bild als das alte PAL. Prima. Aber, wer in den letzten Monaten mal im Kino war, weiß, dass der Kinofilm auf Zelluloid in Sachen Kontrast und Auflösung immer noch um Klassen besser ist als HD. Die Auflösung beim HD-Format ist nur halb so hoch wie beim klassischen 35-Millimeter-Kinofilm. Da ist also noch eine Menge Verbesserungspotenzial im digitalen Lager. In Japan arbeiten sie schon längst am Nachfolger von HDTV. Wahrscheinlich ist auch das so großartige Blu-ray gar nicht mehr State of the Art.

Und genau das ist der Kritikpunkt. Der technische Fortschritt kommt bei den Verbrauchern viel später an, als eigentlich nötig wäre. Schuld daran ist eine Vermarktungs-Politik, die sich weniger dem Nutzen der Allgemeinheit als dem der Aktionäre verpflichtet fühlt. Fertige Technik wird in Portionen, sprich Standards aufgeteilt, und jede Portion erst mal so lange verkauft, bis der Markt gesättigt ist. Erst dann kommt der nächste Standard an die Reihe.

Volkswirtschaftler könnten daraus eine schöne Theorie stricken, das Drei-Achsen-Modell der Verbraucher-Manipulation: Technik – Marketing – Konsum. Wahrscheinlich ließe sich sogar eine Formel generieren, die diese drei Achsen ins Verhältnis setzt. Konsum-Fortschritt ist gleich Technik-Fortschritt minus Umsatz dividiert durch Anzahl der Konsumenten plus Kaufkraft. Oder irgendwie so. Wer die magische Formel findet, kriegt den Nobelpreis.

Die magische Formel

Als meiner Frau diese Theorie erklären wollte, meinte sie etwas spitz, wenn ich mehr gute Bücher gelesen hätte, dann würde ich die magische Formel wohl eher zusammenbringen. Da hat sie recht. Das ist übrigens der perfekte Triumph der Showbiz-Technokraten. Ihre perfide Verzögerungstaktik verschleiern sie, indem sie unser Gehirn mit effekthascherischen Machwerken à la Alien zudröhnen, für die wir dann auch noch selbst bezahlen. Ganz schön clever. Die Falle ist zugeschnappt. Ich persönlich habe mich mit meinem Los abgefunden. Und wenn die Alien-Saga demnächst auf Blu-ray rauskommen sollte, werde ich wohl wieder die Brieftasche zücken. Alien 1, Alien 2, Alien 3 und Alien 4, am besten gleich als Director's Cut …

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