Topraks Technik Talk: Der virtuelle Räuber Hotzenplotz

kolumneTopraks Technik Talk: Der virtuelle Räuber Hotzenplotz

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Das Kindle 2 von Amazon: Wiegt nur noch 290 Gramm und ist neun Millimeter dünn.

Kolumne

Für Bücherfreunde sind sie ein Greuel. Dabei haben E-Books ein enormes Potential. Sie sind nicht nur praktisch, sondern könnten sogar der Literaturszene neue Impulse geben. Wiwo-Autor Mehmet Toprak ist schon jetzt ein Fan.

Mein Freund Klaus ist ein bisschen verstockt. Gar nicht aufgeschlossen dem Neuen gegenüber. Morgens auf dem Weg ins Büro begegne ich ihm manchmal in der U-Bahn. Eigentlich will man in Ruhe seine Zeitung lesen, aber so unterhält man sich halt. Neulich habe ich ihn gefragt, ob er nicht für seinen Opel Astra Uralt die Abwrackprämie kassieren und gleich einen neuen, feinen Insignia Cosmo anschaffen will. Das "Auto des Jahres 2009“. Elektrische Parkbremse, adaptives Fahrlicht und elektropneumatische Lendenwirbelstütze. Aber Klaus wollte nicht.

Vor ein paar Tagen sind wir uns schon wieder begegnet. Da habe ich ihm von den E-Books erzählt und von den neuen Lesegeräten wie Amazons Kindle 2 und Sonys PRS-505. Ein bisschen geriet ich wohl ins Schwärmen. Wie praktisch diese Geräte doch seien, weil einige Tausend Bücher da drauf passen. Die holt sich der Bücherfreund einfach drahtlos übers Mobilfunknetz oder via Internet. In den Texten kann man Passagen markieren und Notizen machen. Ideal für Sach- und Fachbücher, die auch mühelos zu aktualisieren sind. Klaus guckte abweisend. Dann hab ich noch erzählt, dass der Buchladen der Zukunft aussehen wird der O2-Laden heute, und in Japan schon 80 Prozent der Top-5-Bestseller auf dem Handy geschrieben werden. Echte Bücher aus Papier werden höchstens in Nischen überleben, als Retro-Produkt. Da hat Klaus herzlich gelacht. Das sei alles ein großer Unsinn. Er ist eben verstockt. Nicht wirklich aufgeschlossen.

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Seine Frau Elke ist eine ganz liebe. Aber Buchhändlerin von Beruf. In diesem Milieu steht man den E-Books natürlich sehr reserviert gegenüber.

Räuber Hotzenplotz in 16 Graustufen

Verstehen kann ich das schon. Eines der Lieblingsbücher meiner Kindheit ist "Der Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler. Besonders beeindruckt hat mich die Szene, in der Kasperl beim bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann sechs Eimer Kartoffeln schälen muss, denn dieser wünscht Bratkartoffeln zu speisen. Später kommt die Fee Amaryllis ins Schloss des Zauberers und befreit den Kasperl. Petrosilius Zwackelmann findet ein grausiges Ende im Unkenpfuhl und der schnauzbärtige Wachtmeister Dimpfelmoser sperrt den Räuber Hotzenplotz ins Spritzenhaus. Am Schluss schmausen alle Pflaumenkuchen mit Schlagsahne bis sie Bauchweh bekommen.

Dieses wunderschöne Werk als E-Book? Die Illustrationen von F.J. Tripp auf einem Display mit 16 Graustufen und 600 x 800 Pixel? Sollen sich die Bücherfreunde der Zukunft mit einem silberfarbenen Elektrogerät aufs Sofa kuscheln und im Hotzenplotz schmökern? Irgendwie schaudert nicht nur Klaus bei der Vorstellung. Wo bleibt da die Haptik?

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