_

Topraks Technik Talk: Kindergarten Web 2.0

Kolumne von Mehmet Toprak

Viele Firmen stürzen sich ins Web 2.0, weil sie Angst haben, einen wichtigen Trend zu verpassen. Dabei sind Web-Trends wie Video-Portale, Blogs oder Chat-Foren in vielen Fällen nur ein zeitraubendes Spiel. Das meint zumindest WiWo.de-Autor Mehmet Toprak.

WEB 2.0 Unternehmen Facebook Quelle: dpa
WEB 2.0 Unternehmen Facebook und Twitter: Geht ohne Web 2.0 wirklich nichts mehr? Quelle: dpa

Ohne Web 2.0 geht für Unternehmen nichts mehr, sagen viele Internet-Experten. Denn Kontakte knüpfen, das Firmenimage pflegen und nebenbei die Kunden besser kennenlernen, das geht alles optimal mit sozialen Netzwerken und Web-2.0-Techniken wie beispielsweise Blogs. Doch die Frage muss erlaubt sein, wie effizient diese Techniken für Geschäftsleute oder Unternehmen tatsächlich sind. Wer sich ansieht, was die Anwender in den sozialen Netzwerken so treiben, wird kaum auf die Idee kommen, dass für Firmen hier viel zu holen ist.

Anzeige

Kindergeburtstag im sozialen Netzwerk

Web 2.0 verwandelt das Internet in einen großen Kindergeburtstag. Schon allein der Klang der Wörter: Google, Twitter, Blog, Chat, Xing. Kindgerecht knackige Einsilber, die gute Laune verströmen. Im Web 2.0 finden wir Freunde, tauschen wir Bilder, kucken wir kurze Videos, finden wir uns zu Gruppen zusammen, trennen uns wieder und kleben Bilder in unser Poesiealbum. Außerdem twittern wir ständig, wo wir gerade sind, was wir gerade sehen, und wie wir uns gerade fühlen. Allesamt Aktivitäten, die Spaß machen, aber viel Zeit verschlingen. Es ist schwer vorstellbar, dass die Generation der Zwei-Finger-Tipper wirklich in der Lage sein sollte, den ganzen Tag News und Messages zu posten und dabei gleichzeitig effizient zu arbeiten.

Dass Unternehmen sich hier im Paradies der sozialen Netzwerke tummeln sollten, hat wohl eher seinen Grund darin, dass man Angst hat, etwas zu verpassen. Wenn Facebook 200 Millionen Teilnehmer hat, dann muss man einfach dabei sein, so die Logik.

Das große Internet-Trauma

Viele Internet-Firmen sind von der Angst geplagt, den nächsten großen Trend im Web zu verpassen. Das ist das kollektive Trauma der Internet-Generation. Das berühmteste Beispiel hierfür ist Microsoft. Bill Gates und sein Team hatten in den 90er-Jahren den großen Trend zum Internet verschlafen und mussten dann alle Kräft mobilisieren, um noch halbwegs mithalten zu können. Das hängt ihnen bis heute nach. Seitdem hat jeder Angst, einen wichtigen Trend zu verpassen und will deshalb überall mitmachen.

"The next big thing", flüstert man sich gegenseitig ins Ohr. Zuletzt war das im Frühjahr 2007 so, als alle großen wichtigen Unternehmen wie IBM oder Dell eine Filiale in Second Life eröffnet haben. Nun, Second Life war nicht der Mega-Trend, den alle darin gesehen haben und hat sich damit erledigt. Aber wie das mit einem Trauma so ist, es lässt einen nicht los. Darum stürzen sich alle ins Web 2.0. Wie beim Kindergeburtstag, wo jeder eingeladen sein will.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.06.2009, 02:35 UhrAnonymer Benutzer: alter ego

    Das übliche platte Geplätscher im "Technik Talk". Kennen wir schon und ist keine weitere Aufregung wert. Solange es nicht gefährlich unqualifiziert und politisch wird wie im Falle der Netzzensur neulich, kann man die Kolumne einfach abhaken.

  • 08.06.2009, 23:29 UhrAnonymer Benutzer: hanz

    Wenn man keine Ahnung hat sollte man lieber schweigen, wenn dann auch noch keine Ahnung publiziert wird ist das gewollte Volksverdummung! Unternehmen die den impuls der Zeit verlieren, verlieren Wettbewerbsvorteile! Die Frage wäre wohl gerechtfertigter: Welche Unternehmen sollten sich mit Web 2.0 Gedankengut auseinandersetzen und welche benötigen dieses Medium nicht?

  • 08.06.2009, 17:01 UhrAnonymer Benutzer: L3v3l

    HaHa, Geil! Auf der Homepage der WiWo steht zuerst "Welchs Welt: Warum wir twittern" und fast direkt darunter: "Kindergarten Web 2.0"
    im ersteren Artikel gibts auch direkt den entscheidenen Hinweis: "Vertriebsweg"!
    im Moment ist Web 2.0 eh kaum zu definieren, geschweige denn zu nutzen, aber was ist daran falsch neue Wege zu probieren? 'innovation zahlt sich irgendwann aus; wir sollten dieses Feld nicht einfach den Amis überlassen!

Alle Kommentare lesen

Blogs

Green Economy: Die Illusion der Retter
Green Economy: Die Illusion der Retter

Es ist wieder soweit: mit Rio Plus 20 steht ein neuer Umweltgipfel der Superlative bevor. Dabei wissen wir längst, dass...

weitere Fotostrecken

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche