
Ohne Web 2.0 geht für Unternehmen nichts mehr, sagen viele Internet-Experten. Denn Kontakte knüpfen, das Firmenimage pflegen und nebenbei die Kunden besser kennenlernen, das geht alles optimal mit sozialen Netzwerken und Web-2.0-Techniken wie beispielsweise Blogs. Doch die Frage muss erlaubt sein, wie effizient diese Techniken für Geschäftsleute oder Unternehmen tatsächlich sind. Wer sich ansieht, was die Anwender in den sozialen Netzwerken so treiben, wird kaum auf die Idee kommen, dass für Firmen hier viel zu holen ist.
Kindergeburtstag im sozialen Netzwerk
Web 2.0 verwandelt das Internet in einen großen Kindergeburtstag. Schon allein der Klang der Wörter: Google, Twitter, Blog, Chat, Xing. Kindgerecht knackige Einsilber, die gute Laune verströmen. Im Web 2.0 finden wir Freunde, tauschen wir Bilder, kucken wir kurze Videos, finden wir uns zu Gruppen zusammen, trennen uns wieder und kleben Bilder in unser Poesiealbum. Außerdem twittern wir ständig, wo wir gerade sind, was wir gerade sehen, und wie wir uns gerade fühlen. Allesamt Aktivitäten, die Spaß machen, aber viel Zeit verschlingen. Es ist schwer vorstellbar, dass die Generation der Zwei-Finger-Tipper wirklich in der Lage sein sollte, den ganzen Tag News und Messages zu posten und dabei gleichzeitig effizient zu arbeiten.
Dass Unternehmen sich hier im Paradies der sozialen Netzwerke tummeln sollten, hat wohl eher seinen Grund darin, dass man Angst hat, etwas zu verpassen. Wenn Facebook 200 Millionen Teilnehmer hat, dann muss man einfach dabei sein, so die Logik.
Das große Internet-Trauma
Viele Internet-Firmen sind von der Angst geplagt, den nächsten großen Trend im Web zu verpassen. Das ist das kollektive Trauma der Internet-Generation. Das berühmteste Beispiel hierfür ist Microsoft. Bill Gates und sein Team hatten in den 90er-Jahren den großen Trend zum Internet verschlafen und mussten dann alle Kräft mobilisieren, um noch halbwegs mithalten zu können. Das hängt ihnen bis heute nach. Seitdem hat jeder Angst, einen wichtigen Trend zu verpassen und will deshalb überall mitmachen.
"The next big thing", flüstert man sich gegenseitig ins Ohr. Zuletzt war das im Frühjahr 2007 so, als alle großen wichtigen Unternehmen wie IBM oder Dell eine Filiale in Second Life eröffnet haben. Nun, Second Life war nicht der Mega-Trend, den alle darin gesehen haben und hat sich damit erledigt. Aber wie das mit einem Trauma so ist, es lässt einen nicht los. Darum stürzen sich alle ins Web 2.0. Wie beim Kindergeburtstag, wo jeder eingeladen sein will.













