Topraks Technik Talk: Maria Callas im MP3-Format

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Black Ice, das neue AC/DC-Album soll angeblich nicht für iTunes freigegeben werden

Musik von Blues über Metal bis zu Rap und Hiphop ist dank MP3 allgegenwärtig. Die Klassik fristet dagegen ein Nischendasein. Die Klassik-Labels haben das Potenzial von MP3 und Internet zu spät erkannt.

Freitag, 17. Oktober, ist ein Festtag. Da werde ich den Musikladen meines Vertrauens aufsuchen, 17,99 Euro bezahlen und die CD einstecken, auf die ich schon seit Wochen warte. "Black Ice" von AC/DC. Ihr erstes Album seit "Stiff Upper Lip" im Jahr 2000. Normalerweise gebe ich keine 18 Euro für eine Musik-CD aus, aber AC/DC ist eine Ausnahme. Ich bin schon gespannt auf das Intro. Das erste Lied heißt "Rock N Roll Train". Ich hoffe inständig, dass es mit einem genialen Gitarren-Riff beginnt. So eines wie in Thunderstruck, kennen Sie das?

Zugegeben, ich bin ganz schön auf das Marketing von Sony BMG reingefallen. Aber einer Musikindustrie, von der es heißt, dass sie im Sterben liege, darf man auch mal ein bisschen Marketing gönnen. Vielleicht ist es ja das letzte Mal, dass eine große CD-Veröffentlichung Gewinn abwirft. Ist ja sonst alles Download und MP3 heute.

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Technik entfesselt die Musik

Angus Young von AC/DC: Legendäre Gitarren-Riffs, egal ob auf Vinyl, CD oder MP3 Quelle: Sony BMG

Angus Young von AC/DC: Legendäre Gitarren-Riffs, egal ob auf Vinyl, CD oder MP3

Bild: Sony BMG

Das Schöne an der Verbindung von Musik und Technik ist, dass das Musikhören dadurch eine enorme Vielfalt bekommt. Viele Alben der Musikgeschichte sind in ganz verschiedenen Versionen erhältlich. Pink Floyds "Dark Side of the Moon" besitze ich in folgenden Ausführungen: Vinyl-LP (inzwischen in den Keller verbannt), CD, remastered CD (25th anniversary edition) und SACD mit 5.1. Surround-Sound. Es gibt unzählige Pop-Alben, die im Laufe der Jahre eine ähnliche technische Genese durchgemacht haben. Wer will, kann sich seine CD via Software rippen und als MP3 über den Mediaplayer abspielen.

Für unterwegs kopiert man die Lieblings-Tracks auf einen MP3-Player und sieht dann sogar das Coverbildchen auf dem Display. Allerdings muss AC/DC-Gitarrist Angus Young in einem Interview gesagt haben, dass "Black Ice" nicht für das Musik-Portal iTunes freigeben werden soll, um zu verhindern, dass Fans die Lieder einzeln runterladen. Angus Young hält "Black Ice" wohl für eine Art Konzeptalbum. Wir schenken uns ein Glas Rotwein ein, vielleicht ein bisschen französischen Käse dazu, lehnen uns zurück, und lauschen den klug komponierten Klängen von AC/DC. Lieber Mr Young, die Zeiten sind vorbei, in denen man Alben noch von Anfang bis Ende durchgehört hat.

So was macht man eigentlich nur noch mit klassischer Musik. Die Klassik-Liebhaber sitzen noch brav vor ihrer Stereoanlage und betrachten Dinge wie Download oder MP3 als kulturellen Sündenfall. Das glaubt zumindest die Musikindustrie. Kein Wunder, dass das Internet-Zeitalter im Klassiksektor erst langsam dämmert. Diese Zurückhaltung hat allerdings dazu geführt, dass Pop-Gedudel via MP3-Player heute allgegenwärtig ist, während die Klassik ein Nischendasein fristet.

Vorurteile gegenüber MP3

Maria Callas singt Puccini - das würde selbst im MP3-Format noch zu Tränen rühren Quelle: EMI Classics

Maria Callas singt Puccini - das würde selbst im MP3-Format noch zu Tränen rühren

Bild: EMI Classics

Die fehlende Präsenz von Klassik hat Gründe. Erstens kommen Orchester im Kopfhörer nicht so gut, weil man die Musik im Kopf und nicht auf einer imaginären Bühne davor ortet. Zweitens ist eine Mozart-Symphonie länger als ein AC/DC-Song und dauert deshalb auch länger beim Download. Aber bei einer Breitband-Verbindung sollte das kein Problem mehr sein. Die anderen Argumente sind eigentlich nur Vorurteile.

So heißt es oft, die Klangqualität sei bei komprimierter Musik nicht gut genug. Dabei wird übersehen, dass die Verstärkerelektronik und der Kopfhörer den Klang mindestens genau so stark bestimmen. Das merkt man schnell, wenn man sich einen guten In-Ohr-Kopfhörer für seinen MP3-Spieler anschafft. Gibt es ab etwa 80 Euro. Dann kann es passieren, dass Vivaldis "Vier Jahreszeiten" auf dem MP3-Player detailreicher und natürlicher klingt als die Original-CD auf einer mittelmäßigen Stereoanlage.

Schwacher Internet-Service der Klassik-Labels

Ein echtes Problem hat der Klassikliebhaber, wenn er die Audio-CD am PC kopieren und in MP3 umwandeln will. Dabei holt sich der Windows Mediaplayer aus einer Internet-Datenbank das Cover-Bildchen und die Liste aller Songtitel. Bei Pop funktioniert das meistens sehr gut. Bei Klassik funktioniert es meistens nicht. Nur aktuelle Bestseller von Stars wie Anna Netrebko oder Rolando Villazón findet der Mediaplayer. Doch versuchen Sie mal eine Wiederveröffentlichung eines Schubert-Streichquartetts in der Musik-Datenbank zu finden. Klappt nicht.

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