_

Topraks Technik Talk: Schicker Elektromüll

von Mehmet Toprak

Multimedia-Notebooks, Gaming-Notebooks, Sub-Notebooks, Notebooks, Netbooks - wer blickt da noch durch? wiwo.de-Autor Mehmet Toprak jedenfalls nicht mehr. Er sieht allerdings etwas anderes: einen gewaltigen Berg Elektroschrott.

Dells Inspiron-Serie
So bunt wie Dells Inspiron-Serie ist derzeit die Vielfalt der Notebooks.

Wollen Sie einem lieben Familienangehörigen eines der modischen neuen Netbooks zu Weihnachten schenken? Ich werde wohl meiner Tochter so einen Minirechner spendieren. Für ihr Studium. Die Dinger werden sicher der Renner im Weihnachtsgeschäft. Treffen Sie Ihre Wahl am besten vor dem 24. Dezember, denn die Auswahl ist so groß, dass auch Computerfreaks erst mal sortieren müssen.

Anzeige

Denn was für ein Netbook ist eigentlich sinnvoll? Soll man eins mit Neun- oder Zehn-Zoll-Display nehmen? Dann natürlich die Frage nach der Leistung. Entweder ein spartanischer Minirechner mit Solid-State-Disk und Ubuntu Linux. Wie das Inspiron Mini 9 von Dell. Oder lieber doch eine schnellere Maschine mit Windows XP und 80-Gigabyte-Festplatte, wie das Toshiba NB100. Vielleicht gleich ein feines Sub-Notebook wie das X360 von Samsung. Kostet natürlich das Fünffache. 

Das Verwirrspiel setzt sich bei den größeren Notebooks fort. Beflügelt vom Mobil-Boom der vergangenen Monate werfen die Hersteller zurzeit alles auf den Markt, was nur irgendwie einen Käufer finden könnte. Outdoor-Notebooks, Desktop-Ersatz-Notebooks, Multimedia-Maschinen, Designer-Teile mit Kunstdruck auf dem Deckel, … ich will Sie nicht länger langweilen. Besonders schlimm finde ich die Rechner mit den Glare-Displays. Deren Bildschirme sind zwar kontrastreicher und brillanter, spiegeln aber dafür ordentlich. Praktisch unbrauchbar.

Notebooks für die Müllhalde Diese Vielfalt der so ähnlichen und doch ganz unterschiedlichen Geräte erhöht natürlich das Risiko eines Fehlkaufs. Kein Verbraucher blickt mehr richtig durch, außerdem senken die niedrigen Preisen die Hemmschwelle für Spontankäufe. Ich prophezeie einen Berg von verschrotteten Notebooks. Da liegt das billige Netbook mit der eingeklemmten Enter-Taste neben dem Hightech-Rechner mit angeknacksten Glare-Display und der Gamer-Maschine mit durchgebranntem Grafikchip. Reparatur lohnt nicht mehr. Massenproduktion und Billigpreise machen die Dinger zur Wegwerf-Ware.

Notebooks sind wie Transistorradios Nicht nur wegen der Fehlkäufe sind die Mobilen ständig von Verschrottung bedroht. Notebooks haben eine kürzere Lebensdauer als ein PC. Der verbindet die Leistungsfähigkeit eines Hightech-Produkts mit der Flexibilität eines Baukastens. Der Anwender kann sich die Komponenten nach Belieben zu einem individuellen Computer zusammenstecken. Wird der Computer nach zwei Jahren zu langsam? Einfach mit einer neuen Festplatte oder mehr Arbeitsspeicher aufrüsten? Fehlt eine bestimmte Funktion? Einfach nachrüsten. Zum Beispiel mit einer TV-Tunerkarte. Ist eine Komponente kaputt? Einfach austauschen. Zu lautes Netzteil? Einfach ein neues einbauen. Gefällt der Anschlag der Tastatur nicht? Einfach eine andere anstöpseln. Mit Aufrüsten, Austauschen und Nachrüsten bleibt ein PC schätzungsweise bis zu fünf Jahre auf dem Stand der Technik.

All das geht beim Notebook nur sehr eingeschränkt. Der Tausch einer Festplatte oder der Einbau eines DVD-Brenners erfordert handwerkliches Geschick. Wer den Mobilrechner in der Werkstatt oder beim Hersteller aufrüsten oder reparieren lässt, muss eine Menge dafür zahlen und benötigt oftmals die Ersatzteile des Originalherstellers. Notebooks machen vom Hersteller abhängig. Auf den teuren Service verzichten viele Anwender dankend, mustern den alten Laptop aus und kaufen sich einen neuen. Viele Mobilrechner sind nach vier Jahren nicht mehr brauchbar. Sie landen im Wertstoffhof, weil auf dem Keyboard der Buchstabe E klemmt oder weil es bestimmte Ersatzteile einfach nicht mehr gibt. Laptops sind wie Transistorradios. Geschlossene Elektronik-Kisten, die beim ersten größeren Defekt auf dem Müll landen. Der Industrie ist das natürlich ganz recht, dann kann Sie uns wieder neue Geräte verkaufen, das ist das versteckte Kalkül des Notebook-Hypes.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.01.2009, 11:23 UhrAnonymer Benutzer: S.Engel

    Stimmt doch!

  • 14.11.2008, 22:50 UhrAnonymer Benutzer: upsidedown

    Traurige inhaltslosigkeit, aber Schreibdruck? Oder vllt. doch die Zeilen auf dem Handy zusammengetickert? Elektroschrott? Und das ist etwas Neues? Wer in dieser realen Welt behält seinen PC wirklich so lange, dass eine Reparatur noch lohnt oder ein Upgrade wirklich noch Verschnellerung verspricht? Wer nutzt ihn wirklich effektiv oder hat eher ein Nutzen in dem ständigen Verfolgen von Hypes am Markt?

    Da lobe ich mir in der Tat die Sub-,Net- oder WTF-Ever-books. ich weiss was ich will, das ändert sich nicht, also kauf ich mir das Teil das ich brauch und benutz es bis es stirbt.

    So what? Langweile gehabt? Oder einen Gesellschaftskritiker gefrühstückt? Wie wäre es mit einer Kolumne über Kolumnisten?

  • 14.11.2008, 15:05 UhrAnonymer Benutzer: Mehmet Toprak

    Das im Text erwähnte Sub-Notebook X360 von Samsung kostet 1600 Euro, also tatsächlich etwa das Fünffache eines billigen Netbooks. Das ist also korrekt.
    Gruß
    Mehmet Toprak

Alle Kommentare lesen

Blogs

Green Economy: Die Illusion der Retter
Green Economy: Die Illusion der Retter

Es ist wieder soweit: mit Rio Plus 20 steht ein neuer Umweltgipfel der Superlative bevor. Dabei wissen wir längst, dass...

weitere Fotostrecken

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche