Twitter-Blockade in der Türkei: Wie funktionieren Internetsperren?

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Twitter-Blockade in der Türkei: Wie funktionieren Internetsperren?

, aktualisiert 21. März 2014, 12:39 Uhr
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Ein Twitter-Logo auf dem Display eines iPhones ist vor der türkischen Nationalflagge zu sehen.

von Thomas Kuhn

Internetsperren sorgen immer wieder für heftige Diskussionen. Nach Staaten wie China, dem Iran oder Russland greift nun auch die Türkei auf diese Weise zu politischer Zensur. Wie Internetsperren funktionieren und wie man sie umgeht.

Ein ganzes Land vom Zugriff auf populäre Online-Angebote – wie etwa Twitter – abzuschneiden, ist zumindest in gut vernetzten Staaten der westlichen Welt fast ein Ding der Unmöglichkeit. In Deutschland etwa existieren an die 15 Internet-Austausch-Knoten, von denen der „Deutsche Commercial Internet Exchange“, kurz DE-CIX, gemessen am maximalen Datendurchsatz sogar zu den größten Internet-Knoten der Welt gehört. Frankreich und Großbritannien haben je 13 Knoten und sogar Russland ist über 16 Austausch-Punkte mit dem globalen Datennetz verbunden.

Will ein Staat Inhalte wirksam blocken, so muss er an diesen Internet-Knoten ansetzen und dort so etwas wie einen zentralen Zugriffsfilter installieren. Der arbeitet als eine Art staatlich gesteuerte Firewall, die all die Aufrufe von unliebsamen Webseiten auffängt und die Surfer – statt zu den gewünschten Servern im Internet – auf vorher eingerichtete Sperrseiten umleitet. Das Problem bei einer solchen Totalsperre ist, dass sie umso schwieriger zu installieren ist, je mehr Austauschpunkte existieren und je mehr Internet-Dienstleister sich an diesen Punkten über Direktleitungen miteinander vernetzen.

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Was den Zensoren die Arbeit erschwert ist, dass das (ursprünglich ja als militärisches Kommunikationssystem konzipierte) Internet darauf ausgelegt ist, dass die Datenpakete darin auf beliebigen Wegen zum Ziel finden. Schließlich sollte die Kommunikation im Kriegsfall auch dann noch funktionieren, wenn einzelne Datenleitungen gekappt sind. Rein technisch betrachtet stellt auch eine zentrale Webseiten-Sperre – konkret jetzt für den Twitter-Dienst – nichts anderes als eine gekappte Leitung dar. Und auf die würde das Internet reagieren, in dem es die Seitenabfragen kurzerhand auf andere Leitungen umroutet.

So komplex aber scheint das Problem in der Türkei gar nicht zu sein. Denn obwohl das Land mit der TURNET genannten Turkish Information Exchange sogar nur einen nennenswerten internationalen Netzwerk-Austauschknoten besitzt, melden IT-Experten vom Bosporus, dass es durchaus weiter möglich sei, Twitter zu erreichen. Nur sei der direkte Aufruf der Twitter-Webseite über www.twitter.com inzwischen unterbunden.
Das nämlich erfordert – statt des Aufbaus einer Great-Turkish-Firewall, analog etwa zu dem tatsächlich mit enormem Aufwand betriebenen staatlichen Web-Filter in China – „nur“ ein paar Modifikationen in den Rechenzentren der türkischen Internet-Anbieter. Wie es scheint, hat die türkische Regierung – angeblich gestützt auf einen richterlichen Beschluss – diese Internet Service Provider (ISP) verpflichtet, Aufrufe von Twitter nicht mehr zu den Zielservern durchzustellen, sondern auf eine Sperrseite umzuleiten.

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