Twitter-Gründer Dorsey : "Die Anzahl der Follower führt in die Irre"

Twitter-Gründer Dorsey : "Die Anzahl der Follower führt in die Irre"

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Twitter-Gründer Jack Dorsey

von Daniel Rettig

Jack Dorsey, Erfinder und Mitgründer des Kurznachrichtendienstes Twitter, über Verkaufsgerüchte, sein neues Unternehmen und seine persönliche Twitter-Nutzung.

Herr Dorsey, schauen Sie eigentlich noch nach, wie viele Follower Sie bei Twitter haben?

Nein, das interessiert mich nicht. Die Anzahl der Follower führt in die Irre, weil sie schlicht nicht wichtig ist. Auch mit 20 Followern lässt sich viel bewegen.

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Die Nachricht kann ja von mehr Menschen gesehen werden, als man selbst Follower hat. Genau darin besteht die Macht von Twitter.

Wie oft greifen Sie selbst auf Twitter zu?

Alle 30 Minuten.

Wie bitte?

Ja, das gehört für mich inzwischen zur normalen Kommunikation. Meine Eltern sind bei Twitter, meine Freunde, meine Kollegen – so bleibe ich immer auf dem Laufenden.

Wie stark sind Sie als Aufsichtsratsvorsitzender von Twitter noch in die Geschäfte involviert?

Wir haben alle sechs Wochen ein Meeting, und bei wichtigen strategischen Entscheidungen bin ich eingebunden. Ansonsten besuche ich Konferenzen oder spreche mit fremden Regierungen.

Also sind Sie eine Art Twitter-Botschafter?

Ich bin nur einer von vielen – unsere Nutzer sind die besten Boschafter.

Vor allem aber konzentrieren Sie sich derzeit auf Ihr neues Unternehmen Square, das Kreditkartenzahlungen über Handys ermöglichen soll – ein kleines Plastikteil wird in den Kopfhörereingang gesteckt und dient als Lesegerät. Verspüren Sie durch den immensen Erfolg von Twitter besonderen Druck?

Den spürt man wahrscheinlich bei jeder Gründung. Mit Square wagen wir uns in die Finanzbranche – für uns absolutes Neuland. Vor allem geht es um das Geld der Kunden, also müssen wir Sicherheit gewährleisten, um Betrug auszuschließen. Das erhöht den Druck zusätzlich…

...das hört sich so an, als seien Sie skeptisch…

…nein, wir werden ganz sicher erfolgreich sein.

Was macht Sie so sicher?

Es hat viel mit Bauchgefühl zu tun. Das Timing stimmt, die Expertise stimmt, die Kunden mögen das Produkt und es erfüllt einen Zweck. Das Feedback, was wir bekommen haben, stimmt mich ebenfalls positiv.

Haben Sie keine Angst vor Konkurrenten?

Bei Twitter haben doch auch viele nicht an den Erfolg geglaubt, weil Facebook und MySpace ebenfalls Statusmeldungen erlauben – sehen Sie, was aus Twitter geworden ist. Und warum? Weil wir ein einfaches System anbieten und uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Wäre ich nicht vom Erfolg von Square überzeugt, würde ich es sein lassen. Und ehrlich gesagt darf man sich auch nicht zu sehr auf die Konkurrenz kümmern, sonst vernachlässigt man sein eigenes Produkt.

Werden Sie eigentlich jemals müde, über Twitter zu sprechen?

Nein, gar nicht, es ist ja schließlich mein Baby.

Aber diesen Erfolg hätten Sie sich niemals träumen lassen?

Nun, ich hatte dieses gute Bauchgefühl, da mir das Potential klar war. Aber diese Dimensionen hätte ich natürlich nicht erwartet.

In welche Richtung soll sich Twitter denn entwickeln?

Die Menschen sollen noch mehr Zugriffspunkte weltweit haben – nicht nur über soziale Netzwerke oder Handys. Jede Website sollte mit Twitter verbunden sein. Aber die größte Herausforderung wird sicher sein, die Vielzahl der verbreiteten Informationen übersichtlich zu filtern.

Gestern kamen auf der Internet-Konferenz Le Web in Paris erneut Gerüchte auf, wonach Google Twitter kaufen will – vor allem, weil sie dies auf einer Podiumsdiskussion nicht dementierten. Was können Sie dazu sagen?

Ich kann bestätigen, dass das Gerücht nicht wahr ist. Ich habe mich missverständlich ausgedrückt – nicht mehr, nicht weniger.

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