Twitter: Jack Dorsey will stärker auf Videos setzen

Twitter: Jack Dorsey will stärker auf Videos setzen

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Der Mitgründer von Twitter, Jack Dorsey, steht seit einem Jahr an der Spitze des Zwitscherdienstes.

Nach gut einem Jahr an der Spitze von Twitter gibt Mitgründer Jack Dorsey den bisher ausführlichsten Einblick in seine Strategie. Er will den Kurznachrichtendienst weiter im News-Betrieb etablieren.

Twitter-Chef Jack Dorsey will den Kurznachrichtendienst unter anderem mit einem stärkeren Fokus auf Videos zu aktuellen Ereignissen aus der Krise führen. „Wir sind wirklich gut darin, Nachrichten schneller als alle anderen zu liefern“, sagte Dorsey dem Magazin „Fast Company“. Zugleich sei Video etwas, was die Menschen heute erwarteten.

„Was wäre, wenn wir das in einem Erlebnis vereinen könnten, damit man nicht nach einem Fernseher suchen oder einen Stream finden müsste, sondern einfach Twitter öffnen könnte, es sich dort ansehen und kommentieren“, beschrieb Dorsey das Konzept. Letztlich sei es das, was Twitter-Nutzer schon seit rund einem Jahrzehnt machten: „Sie schauen auf einen Bildschirm und sie twittern darüber.“ Der Dienst wolle jetzt beides auf einem Bildschirm vereinen und auch auf mobilen Geräten überall verfügbar sein. Mit Hilfe selbstlernender Maschinen will Twitter zentrale Momente eines Videos erkennen und den Nutzern als Highlights präsentieren.

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Facebook mit seinen mehr als 1,6 Milliarden Mitgliedern setzt ebenfalls massiv auf Video und unter anderem auch auf Livestreaming, bei dem Bilder direkt zum Beispiel auf das Smartphone übertragen werden. Twitter stieß den Trend mit seiner Livestreaming-App „Periscope“ mit an.

Zahlen und Fakten zu Twitter

  • Nebenprodukt mit Erfolg

    Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

  • Idee von vier Freunden

    Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

  • Intrigen und Machtkämpfe

    Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Seitdem lenkte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig, die Firma. Nach der Warnung des Unternehmens im ersten Quartal 2015, dass die angepeilten Umsätze nicht erreicht würden, und die Aktie weit unter den Ausgabekurs rutschte, war die Luft für ihn dünn geworden. Nach Monaten der Kritik von der Wall Street, Anteilseignern, Mitarbeitern und Kunden wurde Costolo am 1. Juli 2015 durch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey ersetzt.

  • Durchweg in den Miesen

    Twitter hat noch nie Gewinn gemacht. Im zweiten Quartal 2015 lag der Verlust bei unterm Strich 137 Millionen Dollar - immerhin 8 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor allem Vergütungen für Mitarbeiter in Form von Aktienpaketen und Optionen machen sich bemerkbar.

  • Zaghaft im Werbegeschäft

    Twitter hatte bis vor drei Jahren noch kein Werbegeschäft. Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Anzeigen, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit Werbung zwischen den Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen. Im zweiten Quartal 2015 stammten von den 502 Millionen Dollar Umsatz fast 90 Prozent aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Die Werbeeinnahmen nahmen im vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent auf 452 Millionen Dollar zu.

  • Mehr als 270 Millionen Nutzer

    Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter mehr als 316 Millionen Nutzer pro Monat.

  • Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

    Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Dorsey bemühte sich in dem Interview, eine klare Linie zu Facebook zu ziehen: Bei Twitter bekomme man weniger Baby-Fotos von Freunden zu sehen, sondern werde eher darüber informiert, was in der Welt passiert. „Wir sind kein soziales Netzwerk, wie sich die Leute eines vorstellen.“

Jack Dorsey Twitter-Aktie markiert auf Allzeit-Tief

Die Anleger haben den Glauben an den Kurznachrichtendienst Twitter verloren. Der Kurs der Aktie ist auf ein Allzeit-Tief gefallen.

Der Kurs der Twitter-Aktie befindet sich im Sinkflug. Quelle: REUTERS

Zu Dorseys Reformen gehört auch, dass Multimedia-Anhänge wie Fotos oder Videos nicht mehr bei der 140-Zeichen-Obergrenze von Twitter-Nachrichten mitgezählt werden sollen. Dass soll Nutzern zumindest etwas mehr Platz für ihre Äußerungen lassen. Die bereits im Mai angekündigte Änderung könne am 19. September eingeführt werden, berichtete das Technologie-Blog „The Verge“ am Dienstag.

Der gut zehn Jahre alte Kurznachrichtendienst kämpft mit Problemen. Die Zahl der Nutzer steckt bei rund 300 Millionen fest und wächst nur langsam. Auch Dorsey gelang es in gut einem Jahr bisher nicht, die Verluste zu stoppen. Der Aktienkurs ist im Keller, und nach Informationen des Technologieblogs „Recode“ soll die Zukunft von Twitter auf der Tagesordnung des Verwaltungsrates am vergangenen Sonntag gestanden haben. Angesichts des gesunkenen Börsenwerts wird schon länger über einen möglichen Verkauf spekuliert.

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