Twitter und Facebook: Wie Social Media die Medien beeinflusst

Twitter und Facebook: Wie Social Media die Medien beeinflusst

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Facebook: Medien nutzen soziale Netzwerke zunehmend als Nachrichtenquellen

von Sebastian Matthes

Deutsche Zeitungen zitieren immer häufiger aus Twitter und Facebook. Das verändert das Verhältnis von Medien und der Öffentlichkeit.

Das Verhältnis zwischen Journalisten und sozialen Medien begann holprig. Als Regierungssprecher Steffen Seibert vor einigen Monaten ankündigte, Twitter vermehrt als Informationskanal zu nutzen, hagelte es von Hauptstadtjournalisten Beschwerden. Einige fühlten sich ausgeschlossen von der neuen Medienwelt, andere empfanden es als Regelbruch.

Doch inzwischen scheint man sich aneinander zu gewöhnen: Studien zeigen, dass soziale Netzwerke für Medien immer wichtiger werden. Nicht nur als Informationskanal - sondern auch als Nachrichtenquelle. Das belegt eine aktuelle Auswertung der Medienforscher von Media Tenor für die WirtschaftsWoche. Media-Tenor prüft regelmäßig, welche Medien von Zeitungen, Magazinen und TV-Sendern am häufigsten zitiert werden.

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Facebook vor ARD

Und siehe da: Aus dem Kurznachrichtendienst Twitter wird mittlerweile häufiger zitiert als aus traditionellen Printtiteln wie “Stern”, “Welt am Sonntag” und der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” oder dem Online-Portal “Spiegel Online”. Und Facebook liegt im Zitateranking immerhin schon vor der ARD.

Diese Ergebnisse haben weit über die Medienwelt hinaus Bedeutung. Denn sie zeigen, wie wichtig Twitter und Facebook für die Verbreitung von Informationen geworden sind. In den vergangenen Monaten haben auch zahlreiche Politiker die Instrumente für sich entdeckt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Peter Altmaier etwa stößt immer wieder Debatten über Twitter an. SPD-Chef Sigmar Gabriel wiederum haut für sein Facebook-Profil so beherzt in die Tasten, dass er sogar international Reaktionen provoziert, zuletzt mit seiner Feststellung, die Palästinenser lebten in Hebron in einem „rechtsfreien“ Raum, ähnlich wie in einem “Apartheid-Regime”.

Unternehmen ziehen langsam nach

Die Konsequenz: Die Politiker brauchen die traditionellen Medien nicht mehr unbedingt als Sprachrohr. Über Twitter und Facebook erreichen sie binnen Sekunden tausende Leser. Und die tragen ihre Botschaft, sofern sie relevant, interessant oder kontrovers genug ist, gerne weiter. Ein klassischer Domino-Effekt.

So sind es auch nicht originär Nachrichten, die Medien aus sozialen Netzen zitieren, “sondern meist Meinungen zu bestimmten Themen”, sagt Media-Tenor-Analystin Kerstin Klemm. Und allein diese Meinungen haben Nachrichtenwert. Am häufigsten drehen sich diese Statements um Themen wie Kriminalität, Terrorismus, politische Botschaften, Wahlen, Innenpolitik und innere Sicherheit.

Diese Entwicklungen wirken sich auch auf die Arbeit von Journalisten aus. „Wer einen dieser Bereiche abdeckt, für den wird es immer wichtiger, diese Kanäle zu beobachten”, sagt Klemm. Und dabei unterscheiden sich Twitter und Facebook ein wenig: "Facebook wird häufig zitiert, wenn es um Auslandsnachrichten geht wie etwa die Entschuldigung des ägyptischen Militärrates für die getöteten Opfer. Demgegenüber profitiert Twitter von der Twitter-Leidenschaft deutscher Politiker".

Weniger vertreten sind bislang Unternehmen, die das soziale Netz als Kanal für Exklusivnachrichten gerade erst für sich entdecken.

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So wichtig Twitter und Facebook für den Medienalltag geworden sein mögen - die Deutschen hinken bei deren Nutzung im internationalen Vergleich immer noch weit hinterher. Laut einer aktuellen Auswertung der Marktforscher von Comscore liegt Deutschland bei der Verbreitung von Facebook auf dem 34. Platz und bei Twitter auf Platz 35. Das mag für Privatleute schade sein. Für die Wirtschaft kann es jedoch problematisch werden. Denn im Schatten von Twitter und Facebook entwickeln sich zahlreiche innovative Dienste, beispielsweise Facebook-Spiele: Die haben aber vor allem in solchen Ländern Wachstumspotenzial, in denen die Dienste eine besonders große Reichweite haben.

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