Überwachungs-Software: Auf der Spur des Trojaners

Überwachungs-Software: Auf der Spur des Trojaners

von Oliver Voß

Die illegale Späh-Software stammt aus Bayern, programmiert hat den Staatstrojaner die hessische Sicherheitsfirma DigiTask. Die Abhörspezialisten haben schon öfter negative Schlagzeilen gemacht.

Die Spur des so genannten Bundestrojaners führte sehr schnell nach Bayern. Am Montag-Nachmittag bestätigte sich der Verdacht: Das bayerische Innenministerium teilte mit, die Erstbewertung des bayerischen Landeskriminalamtes habe ergeben, dass die dem Chaos Computer Club (CCC) zugespielte Software einem Ermittlungsverfahren der Bayerischen Polizei aus dem Jahr 2009 zugeordnet werden kann. Noch nicht bestätigt werden könne, ob es sich bei der vorliegenden Datei um eine Testversion aus der Entwicklungsphase oder um die später im Verfahren tatsächlich eingesetzte Version der Software handelt.

Der Rechtsanwalt Patrick Schladt hatte zuvor mitgeteilt, einer der vom CCC dokumentierten „Staatstrojaner“ wurde auf der Festplatte eines seiner Mandanten gefunden. „Aufgespielt wurde der Trojaner bei einer Kontrolle meines Mandanten durch den Zoll auf dem Münchener Flughafen“, sagte Schladt.

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Das bayerische Landeskriminalamt (LKA) hatte gegen den Kaufmann wegen "banden- und gewerbsmäßigen Handelns und Ausfuhr von Betäubungsmitteln" ermittelt. Er arbeitet in einer Firma, die Psychopharmaka vertreibt. Diese sind in Deutschland legal, im Ausland zum Teil jedoch nicht.

Der Installation des Trojaners hatte bereits im Frühjahr für Aufsehen gesorgt, nachdem bekanntgeworden war, dass bayerische Ermittler mit der Software nicht nur Telefongespräche überwacht, sondern auch alle 30 Sekunden Bildschirmfotos (Screenshots) vom Rechner eines Verdächtigen aufgenommen hatten, sobald dieser den Browser oder die Internet-Telefonie-Software Skype benutzte.

Das Landsgericht Landshut hatte die Aufnahme der Bildschirmfotos Anfang des Jahres für rechtswidrig erklärt und dem Landeskriminalamt weitere Bildschirmaufnahmen verboten. Der Fall war aber nach Angaben der bayerischen Grünen nicht der einzige: „Das Landeskriminalamt in Bayern hat nachweislich in mindestens fünf Fällen Computer mit Trojanern ausgeforscht und dabei auch Screenshots angefertigt“, sagte Susanna Tausendfreund, die innenpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag. „Der Verdacht drängt sich auf, dass der sogenannte Bundestrojaner in Wirklichkeit ein Bayern-Trojaner ist.“

Trojaner könnte von hessischer Sicherheitsfirma stammen

Damit rückt auch die hessische DigiTask GmbH ins Visier. Denn laut einem von Wikileaks und der Piratenpartei veröffentlichten Dokument, dessen Echtheit nie dementiert wurde, hatte DigiTask den bayerischen Behörden im September 2007 ein Angebot für eine Überwachungssoftware unterbreitet.

In der Leistungsbeschreibung sind auch die möglichen Kosten des Überwachungsprogramms dokumentiert. Der Mietpreis der „Skype-Capture-Software“ sollte demnach pro Monat 3500 Euro betragen, die Dekodierung des Sicherheitsprotokolls SSL weitere 2500 Euro monatlich. Zusätzlich berechnete DigiTask einmalige Installationskosten von 2500 Euro.

Das Unternehmen reakierte auf eine Anfrage der WirtschaftsWoche nicht. Im "Hessischen Rundfunk" bestätigte ein Anwalt des Unternehmens jedoch, dass DigiTask die Software programmiert habe.

DigiTask bietet auf seiner Website „spezielle Kommunikationssysteme“ und bezeichnet sich selbst als „bundesweit führenden Anbieter von speziellen Sicherheits- und Kommunikationslösungen für Behörden“. Das Unternehmen ist nach Angaben des Wirtschaftsauskunftsdienstes von Creditreform eine hundertprozentige Tochter der Wirtschaftsberatung Deloitte. Das Beratungsunternehmen teilte dazu auf Nachfrage jedoch mit: „Deloitte Deutschland hatte von 2000 bis 2005 in Abstimmung mit Ermittlungsbehörden treuhänderisch Gesellschafteranteile der Firma DigiTask verwaltet – diese wurden aber bereits am 5. Mai 2006 notariell beglaubigt rückübertragen, so dass Deloitte Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt keinerlei Geschäftsbeziehungen zum Unternehmen DigiTask unterhält.“

Negativpreis für DigiTask

Im Oktober 2009 wurde das Unternehmen aus dem hessischen Haiger mit dem „Big Brother Award“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet, der für den missbräuchlichen Umgang mit Technik und Informationen vergeben wird. Der Veranstaltende Verein FoeBuD bezeichnete DigiTask als „Platzhirsch im deutschen Abhörbusiness“. Zusammen mit der Firma Reuter electronic entwickele Digi-Task spezialisierte Abhörvorrichtungen für Polizei und Geheimdienste, erklärten die Veranstalter. „Wie sich aus veröffentlichten Ausschreibungsunterlagen zusammenrechnen lässt, erhielt die Firma Digi-Task im letzten Jahr von deutschen Behörden allein fünf Millionen Euro für solche Überwachungsanlagen und –Systeme“, sagte Laudator Frank Rosengart.

Schon in der Vergangenheit waren DigiTask und das damit in Zusammen stehende Unternehmen Reuter electronic in umstrittene Abhörmaßnahmen verwickelt. So hatte die WirtschaftsWoche 2008 einen Abhörskandal der Deutschen Telekom aus den Neunziger Jahren aufgedeckt. Unter dem Tarnnamen „Bunny“ wurden unbefugt 121 Telefonate abgehört, um vermeintlichen Hackern auf die Spur zu kommen. Die nötige technische Ausstattung sollten die Abhörspezialisten aus Haiger liefern.

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13 Kommentare zu Überwachungs-Software: Auf der Spur des Trojaners

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    Und sich stattdessen eher explizit in so grundsätzlich fundamentalen und entscheidenden Demokratiefragen zur Erhaltung des bürgervertrauens in den Staat, die wie o.g. eindeutig dem Verfassungssinn massiv widerlaufen, auch an eigene jüngst früheren Urteile und die anfangs genannte sinnhafte Grundidee des Verfassungskonvents halten würde und so auf deren wortgetreue und einzig sinngemäße zeitnahe Umsetzung durch Exekutive, Legislative und Judikative bestehen würde, statt im Jahresrhythmus Haken für und wider den weitgehend entmündigten Verfassungssouverän zu schlagen!

    Wehret den Anfängen!
    So war freiheitlich demokratische Verfassungsgrundordnung vom Verfassungskonvent 1948 als Fundament unserer freiheitlichen Demokratie nicht gemeint!
    Und es geht auch nicht an, dass alles was bVerfG verbietet, bald als gegenteilige Umsätzung in Landes-Sicherheitgesetzen doch erlaubt wird!

    Man fragt sich täglich, wo dieser schleichende Sicherheitswahn die Republik inzwischen schon längst geführt hätte, ohne die letzten Verfassungsgeteuen wie Leutheusser, baum, aber auch Ströbele, Montag, Omnipur, Wieland, Gysi, die nicht täglich der Demokratie nach eigenem Gusto eigener Unausgeglichenheit noch einen Sargnagel verpassen?!

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    beim gesetzlich explizit beschlossenen und gleich gebrochenen Verwertungsverbots der Mautdaten zur Strafverfolgung sieht man was Selbstbeschränkung und selbst auferlegte Gesetzestreue im Ernstfall wert sind, sind sie einmal eingeführt!
    Und "nur vorübergehend zweckgebunden" eingeführte Sektsteuer 1902 durch Wilhelm zur Flottenfinanzierung eingeführt braucht auch nicht kommentiert werden, analog aktuellen "Antiterrorgesetzen", die einmal eingeführt nun wie selbstverständlich in dritte 5-Jahresrunde gehen!

    Dabei werden bVerfG Verbote, wie zentrale bürgerdatenbanken mit Geheimdienstzugriff laufend listig durch dezentrale Anlage oder inhaltliche Weitergabe durch "befreundete Organe" dreist mit selben Folgewirkung unterlaufen, wie Trennungsgebot zw. Polizei und Geheimdienst durch wie Pilze aus boden schiessende "Zentren, die aber keine gemeinsamen behörden sind" doch aufgehoben wird!

    Und Regierung an Spitze der "Sicherheitsorgane" rüstet nun rhetorischen absehbar mit von Art.1 GG (Menschenwürde) frech abgeleitetem "Sicherheitrecht der bürger", was dank so neu geschaffenen "besicherungs-Fürsorgepflicht der Sicherheitsorgane" absoluten "Gestaltungsspielraum" zur Erfüllung des "Verteidigungsauftrages" einräumen wird.
    Wenn das nicht fatal an historische Vorbilder erinnert?!!

    Der entfesselte Staat darf nicht unter beliebigem Vorwand oder auch nur nach wiedermal düster verkündeten "latenten, nicht konkreten Gefahrenlage" inzwischen im zweiten Jahrzehnt in Friedenszeiten Verfassung und verbriefte demokratische Freiheitsrechte der bürger immer weiter PRÄVENTiV wie "in guten ALTEN ZEiTEN" oder Putin/Lukaschenko nach belieben schleifen!

    Dem politisch inzwischen umbesetzten bVerfG würde es gut zur früheren hohen Reputation bei bürgern stehen, wenn es weniger "salomonische" Urteile zur letzlich so nur unbeschränkt beliebigen Urteilsfolgenauslegung durch Politik treffen würde!
    ..

  • Der Verfassungsgrundsatz, dass "der Staat für den Menschen da" sei des Carlo Schmid, wird durch unsere Sicherheitsparanoiker still immer mehr im Sinne Siegfrid Kauders Verfassungsumdeutung (ZDF-interview) "Es ist Mode geworden, die Freiheitsrechte des bürgers in den Vordergrund zu stellen" abgetragen und umgewidmet!

    in seiner Funktion als Rechtsausschussvorsitzende um so verwerflicher!

    Und mit seinen ebenso geschmeidig schnell schon mal formulierten Forderungen nach Einschränkung der Pressefreiheit wenn's der Exekutive beliebt und natürlich auch mit der dauerhaften Forderung der ganzen Union nach TOTALEN, ANLASSLOSEN und DAUERHAFTEN Langzeitüberwachung ALLER 80 Millionen bÜRGER, was sich nicht mal Honeckers Stasi und sonstigen "Präventionliebhaber" vergangener Epochen in der Tragweite und Durchdringungstiefe hätten je auch nur vorstellen können, ist da eindeutig und sicher nicht versehentlich eine demokratiezerstörende Werteverschiebung durch fehlgeleitete Selbstwahrnehmung eingetreten!

    Verbunden wird diese latente FORDERUNG mit dafür bewußt in Kauf genommenem AUFbAU einer TOTALEN und FLÄCHENDECKENDEN ZENSUR-iNFRASTRUKTUR, die dann nach Gutdünken wie in Weißrussland, im Rahmen des s.g. flexiblen "Gestaltungsspielraums des Gesetzgebers" das GRUNDRECHT auf iNFORMATiONELLE SELbSTbESTiMMUNG des Verfassungsgerichts jederzeit unterlaufen und beliebig nur durch Phantasie der Exekutive beschränkt erweitert werden kann!
    Schon die alleinige auch nur potentielle verdachtsunabhängige Überwachungsgefahr durch implementation einer solchen flächendeckenden infrastruktur unterläuft ebenso von vorne herein das immer wieder in bVerfG-Urteilsbegründungen letzter Jahre explizite Verbot der staatlichen Einschränkung der Vertrauenssphäre freier Meinungsäußerung der bürger bloß schon durch Gefahr eines so erzeugten ständigen potentiellen Überwachnungsgefühls!

    Da ist also längst etwas faul "im Staate Preußen" liebe Regierung!
    ..

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