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Umstellung der Suche : Google riskiert seine Kernkompetenz

von Oliver Voß

Der Internetkonzern will seine Suche sozialer machen, die Ergebnisse sind dadurch schlechter. Im Kampf mit Facebook setzt Google damit alles aufs Spiel.

Die radikale Änderung der Google-Suche

Google will seine Suche sozialer machen und zeigt daher jetzt "persönliche Resultate" an (roter Pfeil): In der Regel sind das Profile oder Beiträge aus dem sozialen Netzwerk Google+. Innerhalb der Ergebnisliste werden diese durch ein spezielles blaues Icon gekennzeichnet (gelber Pfeil). Man kann auch zwischen den persönlichen Resultaten oder die "normalen" Ergebnissen wechseln (grüner Pfeil).

Derzeit ist die Änderung nur in der englischsprachigen Version von Google verfügbar, zudem muss man mit einem Google-Konto (z.B. GMail, Google+) angemeldet sein.

Quelle: Screenshot

Google hat ein Problem. Lange schien es, das Problem sei Facebook, tatsächlich ist das soziale Netzwerk zu einem ernsthaften Rivalen gereift. Doch das eigentliche Problem ist Googles Reaktion auf Facebooks Aufstieg.

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Im Duell mit dem sozialen Netzwerk versucht Google-Chef Larry Page sein Unternehmen mit aller Macht „sozial“ zu machen. Erst startete er das Netzwerk Google+ und hat dabei einiges richtig gemacht, doch mit Facebook kann es noch lange nicht mithalten. Um Google+ mehr Schub zu verleihen, wurde es nun massiv in die eigentliche Suchfunktion integriert. Die Strategie ist jedoch hochriskant, denn Google setzt damit seine Kernkompetenz aufs Spiel.

"Google verkauft seine Seele"

Googles Erfolgsgeheimnis war bislang die Qualität seines Dienstes, die Suchmaschine ist simpel, funktional, schnell und liefert die gefühlt besten Ergebnisse. Doch um sein eigenes soziales Netzwerk zu pushen, riskiert Google nun eine deutliche Verschlechterung seines wichtigsten Produkts. Dieser Schritt ist extrem gefährlich für das Unternehmen, denn Google erzielt immer noch den Großteil seiner Einnahmen aus der Suchmaschinenwerbung.

Google wird weiter verschlankt: Der Suchmaschinen-Gigant gibt insgesamt sieben Projekte auf, die nicht unmittelbar mit dem Kerngeschäft zu haben. „Um es zusammenzufassen, wir sind dabei, zahlreiche Projekte dichtzumachen, die nicht den Effekt hatten, den wir erhofft hatten“, schrieb das Unternehmen in seinem offiziellen Blog. Google nennt die Verkleinerung „Frühjahrsputz“, die schon im April mit dem Wechsel von Larry Page an die Firmenspitze begonnen hat. Es ist seitdem bereits die dritte „Putzaktion“, in der Google Projekte einstampft.

Nicht mehr weiterverfolgen will Google den Angaben nach das prestigeträchtige Projekt Erneuerbare Energien. 2009 hatte der damalige Google-Manager Bill Weihl angekündigt, binnen einiger Jahre Technologien anzubieten, mit denen die Produktion Erneuerbarer Energie billiger bewerkstelligt werden könne. Nun wurde bekannt, dass Weihl das Unternehmen bereits diesen Monat verlassen hat.

Quelle: REUTERS

Eigentlich muss sich Google-Chef Larry Page dabei gar nicht zu sehr sorgen, noch ist der Vorsprung deutlich, wie die Präsentation der Zahlen am Donnerstag wieder zeigte: Erstmals nahm Google in einem Quartal mehr als zehn Milliarden Dollar ein. Bei Facebook sind es im Gesamtjahr gerade einmal 4,3 Milliarden Dollar. Auch wenn Analysten noch mehr erwartet hatten, ist Googles Polster derzeit noch beträchtlich: Selbst 2013 wird bei Facebook mit 8,1 Milliarden ein Jahresumsatz erwartet, der deutlich unter den jetzigen Quartalseinnahmen von Google liegt.

Doch mit diesem plumpen Versuch, Facebook auf dessen Terrain zu schwächen, setzt Google seine eigene Stärke aufs Spiel. Google verkaufe seine Seele, um Facebook zu schlagen, schreibt der US-Suchmaschinenexperte John Battelle.

Google ändert seinen Suchalgorithmus radikal

Was ist genau passiert? Google hat mit der Umstellung der Suchfunktion die radikalste Änderung vorgenommen, seitdem die Suchmaschine 1998 ins Netz ging: Google zeigt bei Anfragen nun so genannte „persönliche Ergebnisse“ an, in der Regel Profile aus seinem Netzwerk Google+ oder Beiträge die von den eigenen Kontakten dort gepostet wurden. „Die Suche wird besser, wenn Deine Welt miteinbezogen wird”, erklärt Googles Suchmaschinenchef Amit Singhal euphorisch. Doch die Realität sieht leider anders aus. Denn die Änderung des Suchalgorithmus führt dazu, dass oft nicht unbedingt die relevantesten Ergebnisse an prominenter Stelle angezeigt werden. Wer beispielsweise nach „Mark Zuckerberg“ sucht, bekommt nun als erstes das Google+-Profil des Facebook-Gründers angezeigt. Erst an fünfter Stelle kommt sein Facebook-Profil, noch nach einer Meldung darüber, dass Zuckerberg Google+ nicht mehr nutzt.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.01.2012, 10:05 UhrAnonymer Benutzer: netshadow

    Der Artikel trifft es genau. Die Suche bei google kostet einfach zuviel Zeit und inzwischen muss ich Begriffe raten um einigermaßen zum Ziel zu kommen. Wenn ich die neuesten persönlichen Animositäten meiner Freunde erfahren will, suche ich sicherlich nicht in einer Suchmaschine. Dort will ich unvoreingenommene Informationen finden, egal zu welchem Thema. Es ist keine gute Idee privates Leben seiner Nutzer mit allgemeinen Informationen, egal welche Art, zu vernetzen. Schuster bleib bei deinen Leisten, das wird sich auch nicht ändern. Es ist nur noch ein kleiner Schritt von einer Suchmaschine bis zur Boulevard-Presse.

  • 20.01.2012, 12:34 UhrAnonymer Benutzer: Schnuffel

    Unternehmen wie Kodak wird vorgeworfen, dass sie ihr Geschäftsmodell niemals grundsätzlich und radikal in Frage gestellt hätten. Folge: Kein Wunder dass sie untergehen......
    Na, im Gegensatz dazu ist Google wohl sehr wohl dazu bereit sich "neu" zu erfinden und zwar ziemlich radikal und auch einen hohen Mitteleinsatz nicht scheunend. Folge: Google riskiert seine Kernkompetenz.......
    Also mal ehrlich, wie lange wird wohl die Kernkompetenz "Suchen" den Geschäftserfolg von Google noch steigern können?

  • 20.01.2012, 10:26 UhrAnonymer Benutzer: ahoehma

    Ich verstehe das Problem nicht! Wenn ich in der g+ die Suche benutze erwarte ich, dass ich Kontakte finde. Suche ich Informationen wechsel ich auf die iGoogle Seite, dort bekomme ich keine Kontakte angezeigt. Alles wunderbar :)

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