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Unscharfe Bilder: IFA: Enttäuscht vom hochauflösenden Fernsehgerät

von Thomas Kuhn und Daniel Borchardt

Millionen Käufer fühlen sich getäuscht. Selbst teuerste HDTV-Fernseher zeigen oft nur flaue und unscharfe Bilder. Der Grund: Kaum ein Sender strahlt sein Programm bisher im hochauflösenden Format aus. Neue Techniken sollen die Bilder nun aufbessern.

HDTV verspricht die Quelle: AP
HDTV verspricht die hochauflösende Fernsehwelt Quelle: AP

Das Angebot am Eingang eines Magdeburger Elektronikmarkts Anfang Juni klang zu verlockend. 699 Euro für einen LCD-Fernseher mit gut einem Meter Bilddiagonale! „Da musste ich zugreifen“, sagt Wolfram Bongartz. „Die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele vor der Tür – das wollte ich am großen Bildschirm genießen“, erinnert sich der 62-jährige Jurist.

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Als Bongartz zu Hause die ersten Bilder empfing, war seine Euphorie schlagartig verflogen. Denn mit der atemberaubenden Brillanz und Schärfe der Vorführfilme aus dem Fachmarkt, das merkte er schnell, hatte das TV-Bild nichts mehr gemein. Seine Empörung ist groß. „Hätte mir jemand gesagt, wie flau normales Fernsehen auf dem Riesenschirm aussieht, ich wäre bei meiner alten Röhre geblieben! Hochauflösendes Fernsehen ist das jedenfalls nicht.“

Wie Bongartz fühlen sich auch Millionen anderer Käufer getäuscht und um den TV-Genuss betrogen. Denn selbst teuerste Geräte liefern bei der Wiedergabe herkömmlicher Fernsehprogramme oft nur magere Bilderkost. Die Hersteller fürchten den wachsenden Unmut der Kunden – und versuchen, sie mit neuen technischen Lösungen zu versöhnen. Auf der am Freitag beginnenden Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, der weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik, stellen sie Geräte vor, die auch dem alten, niedrigauflösenden PAL-Fernsehen auf den neuen Mega-Monitoren noch zu Glanz und Schärfe verhelfen sollen.

Einbrechende Verkaufszahlen bei HDTV wären fatal

Die Aufrüstung hat ihren guten Grund. Nichts kann sich die Branche weniger leisten als einbrechende Verkaufszahlen bei den Pixelprotzen. Die nämlich treiben ganz wesentlich den Markt für Unterhaltungselektronik: Nie zuvor gaben die Deutschen mehr Geld für Fernsehgeräte aus als in diesem Jahr. Fast fünf Milliarden Euro wird der Run auf die Flachdisplays Handel und Herstellern 2008 in die Kassen spülen. Millionenfach gieren die Käufer nach den Mega-Monitoren für die schöne neue Welt des hochauflösenden Fernsehens. Allein im Vorfeld der Fußball-EM verkaufte der Handel eine halbe Million der durchschnittlich 880 Euro teuren Geräte.

Dabei ist die Situation ziemlich paradox. Zwar müssen in Deutschlands Wohnstuben immer öfter die alten Röhrenfernseher Platz machen für die Pixelriesen des neuen High-End-Fernsehens. Das aber bekommt hierzulande kaum jemand zu sehen.

„Bisher gibt es HD-Inhalte im deutschen Fernsehen höchstens in homöopathischen Dosen“, ätzt Sonys Deutscher Marketingchef Martin Winkler. „Die Masse der Bundesbürger empfängt auf ihrem Fernseher weiterhin ausschließlich niedrig aufgelöste Bilder.“ Wohl wahr: Abgesehen von ein paar Spartensendern herrscht auf allen Kanälen – egal, ob privat oder öffentlich-rechtlich – in puncto HDTV totaler Bildausfall.

Gerade einmal geschätzte 250.000 Haushalte haben bereits Spezial-Empfänger für die in HD-Qualität übertragenen Bezahlprogramme von Premiere, das seit Anfang Juli ausgestrahlte HD-Angebot des Kulturkanals Arte oder den Nischensender AnixeHD. Gemessen an den rund 35 Millionen deutschen TV-Haushalten ist das Zukunftsfernsehen damit vom Durchbruch noch weit entfernt.

ProSieben und Sat.1, die zeitweilig zumindest ausgewählte Hollywood-Streifen in HD-Qualität übertrugen, haben ihr Edel-Fernsehen im Februar bis auf Weiteres abgeschaltet. Statt hochauflösender Bilder habe zunächst einmal die Umstellung der eigenen Programme auf das 16:9-Breitbild Vorrang, hieß es aus der Sendergruppe zur Begründung.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.08.2008, 15:51 UhrAnonymer Benutzer: Thomas Kuhn

    @ Charlyb

    Sie haben natürlich völlig Recht. bei 50 Hz werden 50 Halbbilder übertragen. Das ergibt dann jeweils 25 Mal eine komplette bildinformation - schnell genug, um den Auge einen flüssigen bilderstrom vorzugaukeln ... aber der falsche Takt für 50-200 Hz Displays und erst Recht für 24p-Videos.

    Wir werden das - online - korrigieren.

    Gruß
    Thomas Kuhn
    WiWo-Redaktion

  • 28.08.2008, 22:06 UhrAnonymer Benutzer: Werner

    Wenn man sich die aktuellen 2008-Geräte ansieht, so liefert die bildaufbereitung des PAL-Signals auch für FULL-HD Geräte gute Ergebnisse.
    Es lohnt sich allerdings, sich die technischen Daten der TV-Geräte vor dem Kauf genau anzusehen. Und besonders bei der bildschirmgröße sollte man nicht übertreiben, denn ein zu großer bildschirm in einem kleinen Raum verdirbt tatsächlich jedes Fernsehvergnügen.
    Auch die Entscheidung zwischen LCD und Plasma sollte man genau abwägen und lieber einmal mehr in einen Showroom gehen und sich die bilder auch einmal von der Seite ansehen.
    ich habe mich letztlich bei einem ziemlich großen betrachtungsabstand von 5 Metern für ein 42 Zoll-Plasmagerät (FULL-HD) des Plasma-Marktführers entschieden und bin damit voll zufrieden.
    Sogar VHS-Kassetten liefern ein wirklich akzeptables bild.
    Und wenn dann irgendwann einmal HDTV tatsächlich kommt, kann ich mich wahrscheinlich noch einmal freuen.

  • 28.08.2008, 18:02 UhrAnonymer Benutzer: max hammer

    Sollte dazu noch ein gutes und inhaltvolles Programm geliefert werden, könnte man über einen neuen Fernseher nachdenken. So ist das nur alter Wein in neuen Schläuchen.

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