Unterhaltungselektronik: Gadget-Flut in der Wüste

Unterhaltungselektronik: Gadget-Flut in der Wüste

von Matthias Hohensee

Am Dienstag beginnt in Las Vegas die diesjährige Consumer Electronic Show. Die größte Unterhaltungselektronik-Show der Welt erwartet einen Besucherrekord. Doch die dort gezeigten Produkte werden immer austauschbarer. Der Softwaregigant Microsoft stellt dort zum letzten Mal aus.

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Trotz weniger spektakulärer Neuvorstellungen erwartet die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas einen neuen Besucherrekord.

Für Steve Ballmer war es eine Bürde. In den vergangenen drei Jahren hat der bullige Chef von Microsoft pflichtgemäß am Abend vor dem Start der Consumer Electronic Show (CES) sein Publikum in Las Vegas bespaßt. Die 90 Minuten Show in der Spielerstadt hatte er von seinem Vorgänger Bill Gates geerbt. 15 lange Jahre konnte sich Microsoft so öffentlichkeitswirksam präsentieren, zum Neid der großen CES-Aussteller Sony, Panasonic und Samsung. Doch zuletzt fiel es immer schwerer, die Zuschauer neunzig Minuten bei Laune zu halten. Zumal das Programm immer vorhersagbarer wurde.

Am Montagabend wird Ballmer deshalb zum letzten Mal seine Vegas Show in schwülstigen Palazzo Saal des Venetian Casinos durchziehen, dort wie immer Windows huldigen, die Online-Dienste seines Konzerns bewerben, die Spielkonsole Xbox anpreisen und den baldigen Marktdurchbruch der Windows-Smartphones prophezeien. Wahrscheinlich wird er dort auch ein neues, gemeinsam mit dem strategischen Partner Nokia entwickeltes Smartphone präsentieren, das Nokia-Chef Stephen Elop allerdings ein paar Stunden vor der Ballmer Rede selber auf seiner Vegas-Pressekonferenz vorstellen wird.

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Dann ist erstmal Schluss mit Microsoft und der CES. Im kommenden Jahr stellt der Softwarekonzern noch nicht mal mehr aus. Er begründet den Rückzug mit dem Problem, seine Produktankündigungen mit dem Start der Show in der Vegas zu synchronisieren. Mit ähnlichen Argumenten hatten sich einst IBM, Apple und Compaq von der Computermesse Comdex zurückgezogen. Ein paar Jahre später war die Messe pleite und wurde von der CES absorbiert.

Wenn das Gary Shapiro beunruhigt, dann lässt er sich das nicht anmerken. „Wir erwarten für dieses Jahr einen Besucherrekord“, frohlockt der drahtige Chef der Consumer Electronics Association (CEA), dem Ausrichter der CES. Nach ersten Prognosen werden über 150.000 Besucher erwartet, was zuletzt vor sechs Jahren gelang. Ein Grund: Für die geschäftliche Kundschaft ist die Messe diesmal besonders effizient. Da sie nur von Dienstag bis Freitag läuft, muss im Gegensatz zu den Vorjahren kein Wochenende geopfert werden.

Der Rückzug von Microsoft, so Shapiro, tue ihm zwar leid, sei aber zu verschmerzen. Zu den größten Ausstellern zählt der Softwarekonzern ohnehin nicht. Solange Größen wie Sony, Panasonic, Samsung, Intel und Acer der Messe die Treue halten, ist die Messe nicht gefährdet. Tatsächlich sind die Chefs der Branchengrößen persönlich vor Ort, um wichtigen Kunden die Hand zu schütteln – so wie Sony-Chef Howard Stringer oder sein Konkurrent Fumio Ohtsubo, der Chef von Panasonic.

Vor allem hat Shapiro in den vergangenen Jahren die großen Fahrzeughersteller als neue Klienten nach Las Vegas gezogen. Nachdem im vergangenen Jahr Ford-Chef Alan Mulally seine neue Hybrid-Flotte in seiner Rede bewerben durfte, hat Dieter Zetsche den begehrten Slot in diesem Jahr ergattert. Am Dienstag wird der Daimler-Chef im Las Vegas Hilton die Vermählung von Auto-Cockpit, Internet und Smartphone in seiner mbrace2 Plattform detailliert vorstellen. Für Daimler ist der Auftritt auf der CES eine Premiere.

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