US-Cloud-Anbieter in Deutschland: Die deutsche Cloud wird Realität – mit US-Hilfe

US-Cloud-Anbieter in Deutschland: Die deutsche Cloud wird Realität – mit US-Hilfe

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IT-Power: Mehr Rechenzentren in Deutschland

von Michael Kroker

Immer mehr amerikanische Cloud-Anbieter wie Salesforce, Oracle oder Amazon eröffnen jetzt eigene Rechenzentren in Deutschland – und reagieren so auf die Sicherheitsbedenken der hiesigen Unternehmen.

Die Ansage war klar und deutlich: „Wir sind nicht in das Prism-Programm involviert, und wir ermöglichen keinen Regierungen direkten Zugang zu den Servern“, hieß es aus der Münchner Niederlassung des amerikanischen Cloud-Anbieters Salesforce auf Anfrage der WirtschaftsWoche. Das war vor etwas mehr als einem halben Jahr. Die Botschaft sollte offenbar lauten: Business as usual. Die durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden losgetretene Schnüffelaffäre durch amerikanische und britische Geheimdienste habe keinerlei Auswirkungen auf das Geschäft in Deutschland.

Heute zeigt sich: Die Aussage war reichlich voreilig. „Es stößt bei vielen Deutschen, vornehmlich Datenschützern und mittelständischen Unternehmen, auf Unbehagen, dass der Großteil der amerikanischen Cloud-Anbieter den europäischen Markt derzeit noch über Rechenzentren in Irland und den Niederlanden versorgt“, sagt René Büst, Cloud-Experte bei der IT-Beratung Crisp Research in Kassel.

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Zahlen und Fakten zur grünen Datenflut

  • 684 Terawattstunden...

    ...Strom verbrauchen Datenzentren und -netze pro Jahr.

  • 3 mal mehr...

    ...Daten strömen im Jahr 2017 durch die Netze.

  • 2 Prozent...

    ...der Kohlendioxid-Emissionen verursachen Rechner.

  • 12.000 Euro...

    ...kostet ein Serverschrank als Heizung im Einfamilienhaus.

  • 30 Prozent...

    ...Kosten spart der Serverschrank als Heizung gegenüber Heizöl.

Der Druck hat Folgen: „Kein Anbieter, der den deutschen Markt als attraktiv betrachtet, kommt daran vorbei, ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland zu eröffnen“, sagt Crisp-Analyst Büst. Offen über ihr Unbehagen reden wollen die Kunden wegen der großen Abhängigkeit vom jeweiligen IT-Lieferanten zwar nicht. Fakt ist aber: Mit Salesforce, Oracle und Amazon haben gleich mehrere US-Anbieter angekündigt, eigene Rechenzentren in Deutschland zu eröffnen. Die deutsche Cloud wird Realität.

Unbehagen bei den Kunden

Das ist eine dramatische Kehrtwende zum bisherigen Vorgehen – insbesondere der amerikanischen IT-Granden. Denn zuvor galt im Cloud Computing das Mantra, dass für die Bereitstellung von Softwareangeboten per Internet-Zugriff der Standort der dazu notwendigen Rechenzentren mehr oder weniger egal sei. Schließlich benötigen die Kunden für die Nutzung solcher Dienste bloß eine Internet-Verbindung und einen Browser.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

  • Kosten

    Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch deutliche Kosteneinsparungen.

  • Skalierbarkeit

    Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

  • Einfachheit

    Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

  • Ortsunabhängigkeit

    Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

  • Sicherheit

    Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der großen Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angriffe von Hackern. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

  • Abhängigkeit

    Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Cloud Computing gilt als eines der wichtigsten Wachstumsfelder der IT. Unternehmen, so die Vorstellung von Anbietern wie Google, Amazon oder Salesforce, sollen Computerprogramme nicht mehr auf den eigenen Rechnern halten, sondern diese auslagern und nur bei Bedarf per Web anfordern. Der Vorteil liege auf der Hand: Der Kunde muss sich nicht mehr um Aktualisierungen kümmern und bezahlt nur noch die Software, die er wirklich auch nutzt.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Marktforscher. Laut der jüngsten, Prognose des amerikanischen IT-Analysehauses IDC sollen sich die weltweiten Umsätze mit Cloud-Services von knapp 57 Milliarden Dollar in diesem Jahr bis 2018 mehr als verdoppeln – auf gut 128 Milliarden Dollar. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 23 Prozent. Der gesamte IT-Markt soll dagegen nur um gut 3,5 Prozent wachsen. In Deutschland ist das Cloud-Plus sogar noch kräftiger: Von 1,7 Milliarden Euro in diesem Jahr erwartet IDC bis 2018 einen Zuwachs fast um den Faktor drei auf dann 4,9 Milliarden Euro.

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Beim Kampf um diesen Kuchen spielt Sicherheit eine immer größere Rolle. Die amerikanischen IT-Anbieter könnten in den kommenden Jahren zwischen 10 und 20 Prozent ihrer Cloud-Auslandsumsätze einbüßen, so eine Studie des Washingtoner Thinktanks Information Technology and Innovation Foundation (ITIF). Das entspräche rund 35 Milliarden Dollar zwischen 2014 und 2016. Die erwarteten Einbußen begründet ITIF-Analyst Daniel Castro mit Bedenken bei nicht amerikanischen Kunden durch die Aufdeckung der Schnüffelaffäre: „Vor allem europäische Anbieter versuchen, gegenüber ihren amerikanischen Wettbewerbern zu punkten.“

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