Valley Talk: Albtraum der Datenschützer

Valley Talk: Albtraum der Datenschützer

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

von Matthias Hohensee

Während die Politik über Datenschutz im Netz streitet, sind die Nutzer schon wieder weiter. Der digitale Exhibitionismus treibt eine neue Blüte: Auf der Plattform Blippy veröffentlichen Menschen im Netz, was sie gerade einkaufen.

Als der Schöpfer der Web-Seite fuckedcompany.com, die Auswüchse von Dotcom-Unternehmen anprangerte, bescherte Philip Kaplan der ersten Generation von Internet-Gründern schlaflose Nächte. Das neue Unternehmen des 34-Jährigen ist ein Albtraum für Datenschützer.

Sein im Silicon Valley angesiedeltes Startup namens Blippy dokumentiert die Einkäufe seiner Nutzer: Wer die Informationen seines Kreditkartenkontos auf der Plattform freigibt, überspielt automatisch sämtliche Einkäufe ins Netz. Dabei können Nutzer entscheiden, ob sie die Informationen nur ihrem Bekanntenkreis oder der Allgemeinheit mitteilen wollen.

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Vor ein paar Jahren hätte man Kaplan wahrscheinlich als wahnsinnig bezeichnet. Heute nutzen den Dienst bereits mehrere Zehntausend Menschen in den USA.

Und er geht mit bestem Beispiel voran: Die Welt erfährt, dass Konsument Kaplan eine Schwäche für den Edel-Supermarkt Wholefoods hat, gerne mal ein Sandwich bei Subway isst, regelmäßig in Apples Online-Musikladen iTunes einkauft und kürzlich für etwa 1400 Dollar im Hyatt Hotel in Long Beach übernachtet hat.

Eine neue Generation der Online-Werbung

Kaplan, der auch das Internet-Werbenetzwerk Ad-brite gegründet hat, weiß, dass dies der heilige Gral für Werbetreibende ist: genau zu wissen, was Kunden wann und wo kaufen und was sie dafür ausgeben. Blippys Daten könnten einer neuen Generation von Online-Werbung auf den Weg helfen, bei dem der Konsument noch gezielter angesprochen wird und vielleicht sogar ein Teil der Werbegelder seine Einkäufe subventionieren. Das ist in den USA schon heute üblich: Kreditkartenunternehmen erstatten eifrigen Einkäufern bis zu fünf Prozent ihrer Rechnung.

Blippys Design ähnelt dem des Kurznachrichtendienstes Twitter. Kaplan und seine Mitgründer Ashvin Kumar und Chris Estrich haben deshalb allerdings keinen Ärger zu befürchten: Einer ihrer Geldgeber ist Twitter-Mitgründer Evan Williams. Insgesamt hat Blippy rund 1,7 Millionen Dollar Startkapital eingesammelt.

Die Blippy-Gründer wurden von dem Unternehmer Aaron Patzer inspiriert. Dessen Dienst Mint sammelt in ähnlicher Weise Zugangsdaten zu Kreditkarten- und Bankkonten von seinen Nutzern ein. Kürzlich übernahm der Finanzsoftwareanbieter Intuit Mint für 170 Millionen Dollar. Ein Riesenerfolg.

Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus: Mint-Gründer Patzer hatte zunächst Schwierigkeiten, Startkapital aufzutreiben. Die Investoren konnten sich nicht vorstellen, dass Internet-Nutzer solche sensiblen Daten einem Startup anvertrauen würden.

Wie die Zeiten sich geändert haben.

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