_

Valley Talk: Angriff auf Apple

Kolumne von Matthias Hohensee (Silicon Valley)

Ein ehemaliger norwegischer Hacker will mit seinem Programm Doubletwist den erfolgreichen Internet-Musikshop iTunes angreifen. Das könnte funktionieren.

Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley
Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Das Domizil von Doubletwist ist bescheiden. Das mit zehn Millionen Dollar finanzierte Startup residiert in einem mit Eisengittern gesicherten Ladenlokal in San Franciscos Howard Street, gleich neben dem Tenderloin Distrikt mit seinen Drogenhändlern, Pornokinos und Erotik-Massagesalons.

Anzeige

Der schlichte, etwa 80 Quadratmeter große Raum ist mit Schreibtischen, Computermonitoren und Pappkartons vollgestellt. In einer fensterlosen Nische sitzt Jon Lech Johansen vor einem Laptop und beantwortet Kundenanfragen via Kurznachrichtendienst Twitter. Der Doubletwist-Gründer ist dünn, schlaksig und sieht mit seinen tiefen Augenringen immer so aus, als hätte er gerade die Nacht durchgemacht. Und der 25-Jährige wirkt nicht nur wie ein typischer Computerhacker. Er ist einer. Weltberühmt sogar. In der Internet-Szene hat er als „DVD-Jon“ seit Jahren Tausende Fans.

Mächtiger Gegner für Johansen

Den Norweger reizt alles, was eigentlich nicht funktionieren dürfte. Mit dieser Neugier und einem Talent für das Programmieren ausgestattet, gelang ihm schon als Teenager ein Coup, der weltweit für Schlagzeilen sorgte: Johansen knackte den angeblich wasserdichten Kopierschutz von DVDs und veröffentlichte den Code im Netz. Fortan konnte jeder mit etwas Geschick Film-DVDs auf seinen Rechner kopieren. Im Jahr 2002 zerrten Hollywood-Studios den damals 19-Jährigen dafür vor Gericht. Doch Johansen wurde freigesprochen. Und das hat ihn noch furchtloser gemacht.

Den Mut braucht er jetzt. Denn mit ihrem 20-köpfigen Startup Doubletwist haben er und Mitgründerin Monique Farantzos sich einen mächtigen Gegner ausgesucht: den Computer- und Unterhaltungselektronikkonzern Apple.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.08.2009, 22:08 UhrAnonymer Benutzer: AgnesO

    Gerüchten zufolge plant Apple selbst die Anbindung weiterer Endgeräte (http://www.mactechnews.de/news/index.aspx?id=144651). immerhin schlummert da noch eine unerschlossene Käuferschicht für Apple.

  • 26.08.2009, 20:41 UhrAnonymer Benutzer: Matthias Hohensee

    @chris - ja, aber nur die im eigenen netz. und dann auch nicht wieviel des speicher und wie medien überhaupt auf dem handy genutzt werden. apple hat ja beispielsweise über die genius funktion tiefen einblick, welche songs seine kunden besitzen, wenn auch anonymisiert.

  • 26.08.2009, 19:12 UhrAnonymer Benutzer: Chris

    "Auch für Netzanbieter könnte die Zusammenarbeit mit Doubletwist interessant sein:Über die Software würden sie erfahren, welche Handys ihre Kunden nutzen und wie alt die sind. "

    Die Netzbetreiber wissen doch längst, wer welches Handy in ihrem Netz verwendet...

Alle Kommentare lesen

Blogs

Green Economy: Die Illusion der Retter
Green Economy: Die Illusion der Retter

Es ist wieder soweit: mit Rio Plus 20 steht ein neuer Umweltgipfel der Superlative bevor. Dabei wissen wir längst, dass...

weitere Fotostrecken

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche