Valley Talk: Ciscos Kampf mit der Moral

Valley Talk: Ciscos Kampf mit der Moral

von Matthias Hohensee

Darf ein Konzernchef Kunden warnen, wenn der Staat Produkte aus Gründen der nationalen Sicherheit manipuliert hat? Über eine Frage ethischen Ausmaßes.

Cisco-Chef John Chambers ist für seine rhetorischen Künste berühmt. Bei Reden steht er nie auf dem Podium, sondern schreitet durch die Reihen seiner Zuhörer. Da er als Legastheniker keinen Teleprompter nutzen kann, hält er seine Vorträge aus dem Gedächtnis, was umso eindrucksvoller wirkt.

Das Publikum gewinnt schnell den Eindruck, der Fortschritt der Zivilisation hänge vom Wohl Ciscos ab. Das ist mehr als Show. Der Konzern ist der wichtigste Internet-Ausrüster, den größten Teil des Datenverkehrs steuern seine Produkte.

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So offen wie möglich

Chambers weicht auch kritischen Fragen von Journalisten nicht aus. Er versucht so offen zu sein, wie es für ihn als Chef eines der größten börsennotierten Konzerne der Welt möglich ist.

Doch bei der Frage, die ich ihm jüngst stellte, musste selbst er einräumen, sie nicht beantworten zu können. Mehr noch: dass es schier unmöglich sei, darauf überhaupt eine Antwort zu geben.

Überwachung Cisco-Chef beschwert sich bei Obama über NSA

Immer mehr IT-Firmen kritisieren die Überwachung durch die NSA. Nach Facebook-Gründer Zuckerberg geht nun der Chef des Hardware-Herstellers Cisco auf Konfrontationskurs: „Wir können so nicht arbeiten“, schreibt er.

Cisco-Chef John Chambers greift in seinem Brief an US-Präsident Obama zu scharfen Worten. Quelle: Reuters

Auslöser war die Enthüllung des Journalisten Glenn Greenwald, dass die US-Lauschbehörde NSA womöglich Produkte von Cisco auf dem Weg zum Kunden abgefangen und manipuliert habe. Indizien sind Fotos von Edward Snowden.

Ob dies tatsächlich geschehen ist oder ob die NSA ihr Können nur zu Trainingszwecken demonstrierte, scheint selbst Cisco bislang nicht herausgefunden zu haben. Aber es veranlasste Chambers, sich bei US-Präsident Barack Obama zu beschweren und höflich, aber bestimmt auf die Gefahren für die Weltwirtschaft hinzuweisen, wenn jemand die Lieferkette manipuliere.

Kurz fassungslos

Worauf ich Chambers fragte, welche Interessen er zuerst wahren müsse: die seiner Kunden oder die seines Heimatlandes. Der Dienst am Kunden hat für US-Firmen fast religiösen Charakter. Cisco ist als eines der Urgesteine des Silicon Valley stolz auf seine amerikanischen Wurzeln.

Für einen Sekundenbruchteil rang Chambers um Fassung. Um dann zu betonen, Cisco verstehe sich als internationales Unternehmen. Und ja, auch China sei ein Kernmarkt.

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