Valley Talk: Der Dateninfarkt im Netz bleibt aus

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Immer größere Informationsmengen fluten täglich das Netz, vor allem durch Videos. Trotzdem dürfte der oft beschworene Kollaps der Netze ausbleiben, auch dank Startups wie Infinera.

Die Zeiten waren schlecht, als der indisch-amerikanische Geschäftsmann Jagdeep Singh im Sommer 2000 versuchte, im Silicon Valley Kapital für seine bislang anspruchsvollste Geschäftsidee einzusammeln: Die Dotcom-Blase war am Bersten. Milliarden Dollar waren in den Ausbau von Glasfasernetzen versenkt worden, und wenn es an einem nicht mangelte, dann war es Bandbreite.

Und nun kam Singh mit seiner Idee, noch viel mehr aus den Glasfasernetzen herauszuholen: Mit seiner Technologie, so versprach er, könnten Telefongesellschaften ein Vielfaches der damals üblichen Datenmengen durch die Netze jagen. All das, indem die weitgehend mechanischen Komponenten von Glasfasersteuermodulen in einem Halbleiterchip nachgebildet werden, der sich in Masse produzieren lässt und so die Kosten senkt.

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Allen Bedenken und der Internet-Krise zum Trotz gelang es Singh, 315 Millionen Dollar für seine Idee einzusammeln, unter anderem von Silicon-Valley-Größen wie dem Investor Vinod Khosla und Cypress-Semiconductor-Gründer T.J. Rodgers.  Bei der Investorensuche war hilfreich, dass Singh bereits zwei erfolgreiche Telekommunikationsausrüster gegründet hatte. Und so stand seinem neuesten Unternehmen Infinera nichts mehr im Weg.

Inzwischen sind seine Chips weltweit im Einsatz – in Deutschland unter anderem bei der Deutschen Telekom. Mehr noch: Dank der Beharrlichkeit von Singh und seinen Wettbewerbern wird der in den vergangenen Jahren so oft beschworene Daten-Infarkt des Internets ausbleiben. Denn aus der bestehenden Netz-Infrastruktur lässt sich weit mehr herausholen als gedacht.

Nun entbrennt neuer Wettbewerb darum, wer das am kostengünstigsten kann und wie die Internet-Anbieter möglichst viele Haushalte an die schnellen Datenleitungen anschließen können.

Ausgerechnet in den Krisenzeiten des Internets wurde also der Grundstein für das gegenwärtige Wachstum gelegt. Ob Infinera auch die finanziellen Lorbeeren für diesen Weitblick ernten kann, ist indes ungewiss. Denn die Telekommunikationsausrüsterbranche steht unter einem enormen Druck – vor allem durch chinesische Wettbewerber wie Huawei, die auf ihrem Heimatmarkt von der Regierung gefördert werden. Gegen deren billiges Equipment können andere Unternehmen nur durch bessere Produkte bestehen. Doch deren Entwicklung ist teuer.

Seit dem Börsengang 2007 hat Infinera zwar zahlreiche neue Kunden gewonnen, bis auf AT&T und Verizon hat das Unternehmen alle US-Netzbetreiber unter Vertrag.

Teure Halbleiterfabrik

Doch Infinera hat seit Gründung zugleich Verluste von 360 Millionen Dollar angehäuft, vor allem durch Investitionen in neue Technologie. Wall-Street-Analysten kritisieren vor allem die hohen Forschungsausgaben und die eigene Halbleiterfabrik, die sich Infinera im Herzen des Silicon Valley leistet. Doch die Produktion in die Hände eines Dienstleisters zu geben kommt für Infinera-Chef Thomas Fallon trotzdem nicht infrage. Dann müsste der Ex-Cisco-Manager nämlich Geschäftsgeheimnisse aus der Fertigung verraten, die bewusst nicht zum Patent angemeldet worden sind, damit sie nicht offengelegt werden müssen.

Ein anderer Weg, das Unternehmen über Nacht in die schwarzen Zahlen zu bringen, wäre es, die Forschungsausgaben zu kappen. Doch das, warnt Fallon, wäre zu kurzfristig gedacht. Seine Wissenschaftler arbeiten bereits an Terabit-Glasfasernetzen, mit deren Hilfe Internet-Anbieter den wachsenden Datenhunger bis ins nächste Jahrzehnt stillen können: Millionen Haushalte könnten dann mit hochauflösenden Spielfilmen via Internet beliefert werden.

Wie auch immer es mit Infinera weitergeht: Solange derartige Innovationen auch in Zukunft finanziert werden und solange der Wettbewerb in der Telekommunikationsausrüsterindustrie funktioniert, muss man sich über Datenstaus im Netz keine Sorgen machen.

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