Valley Talk: Der Kampf Facebook gegen Google läuft bereits

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kolumneValley Talk: Der Kampf Facebook gegen Google läuft bereits

Kolumne von Matthias Hohensee

Facebook ist längst nicht mehr das soziale Netzwerk, als das es gestartet ist. Der Dienst positioniert sich immer stärker als Gegengewicht zu Google.

Man kann Facebook-Chef Mark Zuckerberg vieles vorhalten seit dem fulminanten Börsengang des Unternehmens, der sich in Kürze jährt. Noch immer ist die Aktie 40 Prozent vom Höchstwert entfernt. Die Erwartungen waren viel zu hoch. Doch Tatenlosigkeit oder mangelnde Risikofreude kann man Zuckerberg nicht vorhalten.

Aktuell ist Facebook das produktivste Unternehmen im Silicon Valley. Alle paar Monate stellt es neue Produkte vor – wie interne Suche, ein neues Design oder jüngst die Oberfläche „Home“ für Android-Handys. Seit Freitag gibt es das Programm in den USA, das Neuigkeiten von Freunden direkt auf dem Handystartbildschirm einblendet – und das als Kampfansage an Googles Handypläne gilt. Demnächst soll „Home“ auch für deutsche Kunden zu haben sein.

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Je kontroverser Facebooks Handybildschirm diskutiert wird, desto besser für das Unternehmen. Denn so bleibt das soziale Netzwerk im Gespräch und kann Anzeigenkunden überzeugen, mehr für Werbung zu berappen. Es kann allerdings auch nach hinten losgehen, falls Facebook zu sehr nervt – selbst wenn niemand gezwungen ist, das soziale Netzwerk oder seinen neuen Home-Bildschirm zu nutzen.

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Das Facebook Hauptquartier in Menlo Park Kalifornien Quelle: AP

Am wichtigsten ist jedoch, dass Facebook mit seinen Ideen den Wettbewerb im Internet-Geschäft wach hält – und damit Google herausfordert. Denn lange sah es so aus, als ob der Web-Gigant aus dem Silicon Valley nach dem Siegeszug bei der Desktop-Internet-Suche (rund 90 Prozent aller Anfragen in Deutschland laufen über Google) auch noch den Handybildschirm (70 Prozent aller Smartphones arbeiten mit Googles Android) eroberte.

Dann aber streute erst Amazon Sand ins Getriebe, als der Internet-Händler Android für sein Fire genanntes Tablet so umstrickte, dass statt Googles Diensten Amazons eigene E-Mail- und Speicherangebote Präferenz haben. Mehr noch: Amazon wählte Bing als Suchmaschine. Dafür muss Microsoft fürstlich bezahlen, was aber leichtfällt, weil der Windows-Konzern pro verkauften Android-Handy und -Tablet wegen der darin genutzten Microsoft-Patente 8 bis 15 Dollar Lizenzgebühr einnimmt.

Und nun versucht sich auch noch Facebook, mit seinem Android-Startbildschirm bei Google einzunisten. Das ist brisant, weil Zuckerberg sein soziales Netzwerk mehr und mehr als Alternative zur Werbung neben Suchergebnissen aufstellt. Facebook-Nutzer sollen über Empfehlungen von Freunden oder Werbepartnern direkt Informationen über Produkte oder Dienstleistungen erhalten, die sie dann kaufen sollen.

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Für den Frühsommer erwarten Branchenexperten gar ein Android-Smartphone von Amazon, bei dem der Online-Händler die Datenübertragung angeblich subventioniere, wenn der Kunde Amazon-Offerten wie dessen Liefer- und Videoabo nutzt. Facebook könnte Ähnliches anbieten, wenn das soziale Netzwerk seinen lange erwarteten Bezahldienst einführt. Auch dann könnte Facebook einen Teil der Provisionen beim Kauf an den Kunden durchreichen, als direkte Erstattung oder Datenvolumen.

Google also steht unter wachsendem Druck. Der neue Android-Chef Sundar Pinchai muss die Trittbrettfahrer abschütteln. Einfach wird das nicht. Denn wenn Google Modifikationen von Android verbietet oder erschwert, könnten auch Amazon oder Facebook vor den Kadi ziehen – so wie Nokia, Microsoft und Oracle, die vergangene Woche erst bei der EU Kartellbeschwerde gegen Google eingereicht haben. Eher wird Pinchai daher wohl Handys der Google-Tochter Motorola mit Zusatzdiensten ausstatten, die es bei anderen Android-Anbietern nicht geben wird.

Eins ist klar: Smartphone-Nutzer profitieren künftig von noch viel mehr Diensten. Die allerdings eint, dass sie allesamt von amerikanischen Anbietern diktiert werden.

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