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kolumne Valley Talk: Deutschland hat ein BWLer-Problem

Kolumne von Matthias Hohensee

Im Silicon Valley dominieren Ingenieure und Programmierer die Startup-Szene. In Deutschland sind es die Betriebswirte. Das muss sich ändern.

Path

Typ: Soziales Netzwerk
Gründung: November 2010
Wagniskapital: 41 Mio. Euro
Börsenwert / Bewertung: 500 Mio. Euro

Bild: Screenshot

Was ist der Unterschied zwischen deutschen Startups und ihren Pendants im Silicon Valley? Bekannt ist, dass Unternehmen im High-Tech-Eldorado mit vergleichbaren Angeboten oft zehn Mal höher bewertet werden als ihre deutschen Pendants. Das liegt auch daran, dass es in den USA leichter ist, junge Firmen zu gestandenen Unternehmen auszubauen, zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

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Doch es gibt noch einen weiteren Unterschied, den Xing-Gründer Lars Hinrichs jüngst auf der Technologiekonferenz Noah in San Francisco ansprach: Fast alle erfolgreichen Internet-Startups im Silicon Valley wurden von Unternehmern mit technischem Hintergrund gestartet: Google, Ebay, Netscape oder Facebook sind nur die prominentesten Beispiele.

In Deutschlands Internet-Szene jedoch, sagte Hinrichs, „dominieren Betriebswirte“. Und diese kopieren oft inbrünstig das Geschäftsmodell von bereits erfolgreichen Startups, ohne ähnlich viel Leidenschaft in das Perfektionieren des Produkts zu legen oder ganz neue Lösungen zu ersinnen.

Die Leidenschaft fehlt

Silicon-Valley-Wagnisfinanzierer fahnden daher gezielt nach Gründern mit Technologie-Hintergrund. Sie hätten andere Prioritäten, weil sie sich zuerst aufs Produkt konzentrierten und dann erst auf den Profit, sagt John O’Farrell vom Finanzierer Andreessen Horowitz.

Wenn das Produkt erfolgreich ist, eingeführt und von den Kunden geschätzt wird, kann man sich auch um das Geldverdienen kümmern. So könnten Märkte erschlossen werden, die andere vernachlässigen würden, weil sie zum Start kein funktionsfähiges Geschäftsmodell finden.

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Der deutsche Investor Klaus Hommels, der früh in Unternehmen wie Skype, Facebook und Spotify investierte, sucht ebenfalls Gründer mit technischem Hintergrund. Früher, so gibt der Chef des Züricher Wagniskapitalgebers Lakestar zu, hätte er das unbewusst getan. Denn laut seinen Beobachtungen lösen diese Spezialisten oft Probleme aus ihrem Umfeld mit einem selbst entwickelten Produkt, für das es in vielen Fällen tatsächlich Bedarf gibt. Bei Skype war es eine softwarebasierte Internet-Telefonie-Lösung für günstige Gespräche, die ohne zusätzliche Hardware beim Nutzer auskam.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.07.2012, 13:16 UhrAno-nym

    Lehrerbasierte Wirtschafts-Kunde unterstellt das Familienunternehmen das davon leben will. Geldgeber und ihre Ziele (Exit, Vermietung des Büro-Gebäuses, Steuern optimieren, Selbstdarstellung, Sammeln vieler Pöstchen, Pensionen, Boni und Mandate und Beauftragung von sich und seinen Verwandten und Bekannten,...) fehlen.

    Die BWL der Universität basiert auf Gutenbergs (7?) Büchern. Daher sind die klassischen Grundvorlesungen produzierendes Gewerbe wie BASF, Siemens u.ä. . Handel ist nur der unbeliebte Stiefbruder und Beratung oder Dienstleistungen kommen kaum vor.

    Die Investoren wollten gut Kasse machen. Zuckerberg wollte wenig Steuern zahlen. Am ersten Tag war der Kurs hoch, Zuckerberg verkauft Aktien und zahlt seine Steuern. Er hat 54% der Stimmrechts-Aktien.
    Die naive Wirtschaftspresse hingegen tut so als ob das Facebook-Management die Ziele der Kleinanleger verfolgt. Gleiches mit Euro-Krise die noch bis zur nächsten Wahl am Köcheln gehalten wird.

    Spieltheorie würde sowas sehr viel besser erklären. Ich würde sowas (und viel mehr) beispielsweise als kostenlose Bildungs-Wikis programmieren und jedes politische/Manager- Verhalten modellieren. Aber Abmahnungen und Verfassungsklagen spare ich mir und für Neuigkeiten "News" muss man ja vielleicht bald Lizenzen zahlen. Wenn Juristen und BWLer mehr kriegen als ich, dann gründe ich halt nicht. Selber schuld wenn die Umsätze meiner Ideen nach USA gehen wenn die auch drauf kommen.

    Ich kann von Ingenieur/Informatik-Studium nur abraten. BWL besagt, das im wahren Markt der gefragteste Beruf auch den höchsten Lohn hat. BWL und Jura sind also profitabler als Programmierpraktikant oder untertariflicher Zwangsfreiberufler. (vergleiche Freischreiber bei Presse oder Werkvertragstum für Handwerker). Der Fachkräftemangel ist teilweise erfunden und in abgeschotteten Bereichen (wie SAP) nicht durch noch mehr Studenten zu lösen.

  • 11.07.2012, 11:12 UhrSascha

    Deutschland hat wohl eher ein Lars Hinrichs Problem.
    Kürzlich die Aussage "in Berlin gibt es zuviel Geld" jetzt der BWL´er Quatsch.

    Wenn Ingenieure zu wenig Gründungsneigung haben, dann ist das eben kein BWL´er Problem sondern ein Ingenieur Problem. Die nehmen lieber 800€ Tagessatz oder den sicheren Job bei BMW/Daimler/Siemens als selbst zu gründen.

    Wir können uns ja mal die BWL´er aus der deutschen Internet Gründerszene wegdenken und dann gucken was noch übrig ist.

  • 10.07.2012, 17:55 Uhrmanfredauer

    In Deutschland mache ich in der Tat auch die Erfahrung, dass nur die Kopien eine Chance auf Venture Kapital haben und keine echten Innovationen. Das hängt aber meistens auch mit dem begrenzten Vorstellungsvermögen der Venture Kapitalisten zusammen. Beim Kopieren fängt das ganze Übel mit den deutschen Startups an. Und wer XING als erfolgreiches Beispiel anführt, der hat die Grundlagen in BWL irgendwie nicht richtig verstanden.

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