Valley Talk: Einwanderer stecken Kapital ins Valley

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Die chinesische Suchmaschine Baidu investiert ins Silicon Valley: ein Forschungszentrum für künstliche Intelligenz soll für 300 Millionen Dollar bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigen

Kolumne von Matthias Hohensee

Erst pumpten russische Investoren Milliardensummen ins High-Tech-Tal. Jetzt versuchen die Chinesen ihr Glück.

Ausländer prägen seit Jahren das Silicon Valley. 36 Prozent der Einwohner wurden im Ausland geboren, US-weit sind es 13 Prozent. 60 Prozent der Ingenieure hier stammen aus dem Ausland. Nach Englisch und Spanisch ist Chinesisch dritthäufigste Sprache in den Haushalten des High-Tech-Tals.

Die Einwanderer bringen nicht nur Talente mit, sondern auch Kapital – oder sie ziehen es an. Zwar gibt es keine Erhebungen, wie viel der zwölf Milliarden Dollar an Wagniskapital, die vergangenes Jahr ins Silicon Valley flossen, aus ausländischen Quellen stammen. Schätzungen gehen aber von bis zu 40 Prozent aus. So hat etwa russisches Kapital den Boom der sozialen Netzwerke in der vergangenen Dekade befeuert, allem voran die Digital-Sky-Gruppe um Wagnisfinanzierer Yuri Milner.

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Nach den Russen kommen nun Gelder aus Asien, vor allem aus China. Seit Jahren schon kaufen Chinesen Immobilien im High-Tech-Tal. Doch sie investieren auch in Unternehmen. Nach Studien des Marktforschungsunternehmens CB Insight haben Finanziers aus China und Taiwan seit 2007 mindestens 2,6 Milliarden Dollar in Internet-Unternehmen in den USA gesteckt. Die chinesischen Internet-Giganten Alibaba und Tencent haben eigene Fonds aufgelegt. Ebenso wie der chinesische Mischkonzern Fosun, der ein eigenes Büro im Silicon Valley eröffnet und 100 Millionen Dollar für Investitionen reserviert hat.

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Google-Logo Quelle: dpa

Aufsehen erregt nun die Suchmaschine Baidu. Das Google Chinas hat angekündigt, 300 Millionen Dollar in ein Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (KI) zu stecken. Es soll bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigen und hat dafür Andrew Ng gewonnen. Der leitete bis vor Kurzem das KI-Labor an der Stanford-Universität und arbeitete zuvor als Forscher bei Google.

Im Kern geht es darum, mit künstlicher Intelligenz Informationen nicht nur gründlicher zu analysieren, sondern auch ihren Kontext zu verstehen, um besser entscheiden zu können. Google etwa erwarb dafür gerade das britische Start-up Deep Mind, angeblich für eine halbe Milliarde Dollar. Auch Facebook besitzt ein KI-Labor.

Der Baidu-Plan unterstreicht laut Anand Sanwal, dem CEO von CB Insight, die unterschiedliche Investment-Philosophie der Chinesen. Während Geldgeber aus den USA und Europa vor allem auf den amerikanischen Markt schauen, sehen chinesische Investoren das Silicon Valley als Forschungs-Brückenkopf. Sie werben damit, mithilfe des Know-hows aus Kalifornien weitgehend unerschlossene Internet-Wachstumsmärkte in Asien besetzen zu können. Und sie verweisen auf ihre Expertise in der Fertigung.

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Wie stark chinesisches Kapital die Internet-Branche in den USA prägen wird, hängt auch von der Politik ab. In Washington wird schon länger kritisiert, dass sich chinesische Online-Riesen wie Baidu oder Alibaba auf dem US-Markt tummeln können, während das Reich der Mitte für Anbieter wie Facebook oder Twitter ganz verschlossen oder der Marktzugang im Fall von Google mit Auflagen versehen ist. Doch interveniert haben die USA nur, wenn chinesische Unternehmen, etwa der Telekommunikationsanbieter Huawei, sicherheitskritische Technologien kaufen wollten.

Zudem müssen die chinesischen Investoren auch noch beweisen, dass sie an die Erfolge der Russen anknüpfen können. Unternehmen mit chinesischer Beteiligung wie die Fertiger JustFab und Fab.com etwa straucheln derzeit. Doch die Chinesen haben Geduld und können – mit der Regierung im Rücken – lange durchhalten.

Nicht zufällig ist Lenovo heute der größte Computerkonzern der Welt. Seine Anleger tolerieren mickrige Margen – oder müssen sie akzeptieren.

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