Valley Talk: Erfolg im zweiten Anlauf

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kolumneValley Talk: Erfolg im zweiten Anlauf

Kolumne von Matthias Hohensee

Von der Praktikantin zum CEO: Wie eine deutsche Studentin in Kalifornien mit einer überzeugenden Geschäftsidee Millionen einsammelt.

Eigentlich war Laura Behrens Wu vor anderthalb Jahren ins Silicon Valley aufgebrochen, um als Praktikantin beim US-Start-up Lendup zu arbeiten. Doch schon nach ein paar Monaten beim Online-Zahlungsdienst packte die gebürtige Hamburgerin der Ehrgeiz, selber Unternehmerin zu werden – mit einem Internet-Marktplatz für Waren ausländischer Händler.

Doch als sie Saeed Amidi das Konzept präsentierte, fand der es nicht ausgefallen genug. Den Chef von Plug and Play Tech Center, einem der hiesigen Start-up-Brutkästen, überzeugte aber die Beharrlichkeit und Energie der Praktikantin. Er empfahl ihr, mit einer verbesserten Idee wiederzukommen.

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Google-Logo Quelle: dpa

Die 23-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen nahm das Angebot an. Sie entwickelte einen Service, mit dem kleinere Online-Händler den Warenversand über verschiedene Lieferdienste koordinieren und dabei die nach Preis und Lieferzeit beste Variante wählen können. Schon bei der Recherche für ihre ursprüngliche Idee war Behrens Wu aufgefallen, welche Probleme unabhängige Online-Shops mangels brauchbarer Software mit dem Verschicken ihrer Waren haben. Zudem können gerade kleinere Läden kaum mit den billigen bis kostenlosen Lieferkonditionen großer Wettbewerber wie Amazon konkurrieren.

Zwar gab es schon ähnliche Versanddienste, wie etwa das US-Start-up Easypost. Doch Behrens Wu erweiterte das Modell. Sie bündelt mit ihrem neuen Online-Service Shippo die Nachfrage ihrer Kunden, handelt so bessere Konditionen bei den Versendern heraus und gibt diese wieder an die angeschlossenen Web-Shops weiter.

Im November 2013 gingen sie und ihr St. Galler Kommilitone Simon Kreuz mit Shippo in San Francisco an den Start – mit fünf Kunden. Inzwischen sind 5000 unter Vertrag, und das Unternehmen wächst monatlich um 20 Prozent. Nicht schlecht für ein Start-up mit gerade einmal acht Personen, inklusive der beiden Gründer.

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Anna Alex (links) und Julia Bösch, die beiden Gründerinnen des Herrenausstatters Outfittery, haben ihre Internet-Plattform Anfang 2012 eröffnet. Quelle: Presse

Während Amazon mit seiner Einkaufsmacht bis zu 95 Prozent Rabatt bei Lieferdiensten heraushandeln kann, hat es Shippo laut Behrens Wu schon auf bis zu 80 Prozent gebracht. Sie fokussierte sich zunächst auf Versender, die Marktanteile gewinnen wollten und deshalb bessere Konditionen boten. So etwa der staatliche US Postal Service. Inzwischen hat Shippo alle führenden Lieferdienste integriert.

Das Wachstum des Start-ups hat sich im Silicon Valley herumgesprochen. Gerade haben Behrens Wu und Kreuz zwei Millionen Dollar Risikokapital für die Expansion eingesammelt, unter anderem vom Silicon-Valley-Finanzierer SoftTech, dessen Gründer Jeff Clavier in den Aufsichtsrat einzieht.

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Die Gründer schwärmen von der Leistungsgesellschaft im Silicon Valley. "Wo hat man das schon, dass Praktikanten derart ernst genommen werden?", meint Behrens Wu, die sich nun als eine der wenigen Start-up-Chefinnen behaupten muss.

Ihr Wirtschaftsstudium in St. Gallen haben die beiden Gründer erst einmal unterbrochen, und eine Rückkehr ist derzeit eher unwahrscheinlich. Zu interessant ist die Erfahrung, Skaleneffekte nicht nur akademisch, sondern auch in der Praxis beobachten zu können. Daneben lockt beide nicht nur der Reiz, mit den Dienstleistern um die besten Rabatte zu feilschen. Sie wollen Shippo auch als Marktplatz ausbauen, mit dem die Versender Nachfrage und Preise besser abstimmen können.

Noch müssen die Gründer beweisen, dass sie mit ihrem Modell und dessen niedrigen Margen langfristig Geld verdienen können. Aber eine wichtige Voraussetzung haben sie mit ihrem Angebot schon mal erfüllt: Shippo löst ein echtes Problem.

Und das können hier im Valley längst nicht alle Start-ups von sich sagen.

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