Valley Talk: Erst Reichweite aufbauen, dann monetarisieren

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Linkedin-Zentrale in Mountain View

Kolumne von Matthias Hohensee

Was Gründer vom deutschen Miterfinder des Business-Netzwerkes LinkedIn lernen können.

Wer Konstantin Guericke im Silicon Valley treffen will, muss gut zu Fuß sein. Der Mitgründer des Business-Netzwerks LinkedIn verbindet Meetings gerne mit körperlicher Ertüchtigung. Doch es lohnt sich, mit dem 47-Jährigen durch die Hügel über Palo Alto zu stapfen. Nicht nur wegen der traumhaften Aussicht übers Silicon Valley, sondern vor allem wegen Guerickes reichen Erfahrungsschatzes, den er großzügig mit anderen teilt. Da er während seiner fast drei Jahrzehnte im Valley schon mindestens vier Krisen überstanden hat, sieht er die Gefahren durch Blasen gelassen, die viele immer wieder beschwören.

„So ganz schlimm sind sie am Ende meist gar nicht“, sagt Guericke, der 1986 mit 19 Jahren zum Ingenieurstudium an die Elite-Universität Stanford kam. Später startete er eine High-Tech-Karriere als Manager bei verschiedenen Softwareunternehmen. Damit hat er einiges mit dem Sun-Microsystems-Mitgründer, späteren Google-Investor und gebürtigen Bayer Andreas von Bechtolsheim gemein, der wie der Norddeutsche Guericke in Stanford studierte.

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Es komme immer wieder zu Übertreibungen, besonders wenn viel Geld in die gleiche Branche fließe, wie derzeit in Online-Werbedienstleistungen, so Guericke. Aber wenn der Markt groß genug sei, wie etwa bei Unternehmenssoftware, sei auch dies kein Problem. „Wenn das Produkt richtig gut und überzeugend ist und vor allem viele Nutzer hat, kann die Konkurrenz das nicht einfach mit viel Geld aushebeln“, meint er.

Guerickes eigener großer Durchbruch kam Ende 2002, als er mit Bekannten das Profi-Netzwerk LinkedIn startete und als Marketingchef für das unbekannte Start-up die ersten Mitglieder gewann. Der Deutsche setzte konsequent auf die kostenlose Basis-Mitgliedschaft, heute als Freemium-Modell bekannt. Im Rückblick gilt diese Entscheidung als Hauptgrund, warum sich LinkedIn rasch etablieren konnte. Von 2006 bis 2009 versuchte er sich mit dem Telefonie-Start-up Jaxtr als CEO; nicht gerade seine Stärke, wie er heute einräumt. Seit 2009 gibt er seine Erfahrungen weiter und berät an der Stanford-Universität angehende Gründer.

Karriere-Netzwerk Die großen Ziele von LinkedIn

Gerne wird LinkedIn als digitaler Lebenslauf oder simples Geschäftsnetzwerk bezeichnet. Doch die Ambitionen des Unternehmens sind viel größer. Nach und nach treten sie zu Tage.

LinkedIn wird trotz eines Börsenwertes von 22,6 Milliarden Dollar von vielen Unterschätzt Quelle: REUTERS

Im April stieg Guericke als General Partner bei Earlybird Venture Capital ein, einem der wenigen großen deutschen Wagnisfinanziers. Die Offerte hatte er schon länger. Aber er schlug erst ein, als die Hamburger versicherten, auf neue Ideen zu setzen, statt andere zu kopieren. „Nur so kann man etwas richtig Großes hochziehen“, ist Guericke überzeugt. Speziell der Boommarkt mobiler Anwendungen – sowohl für Privatleute als auch für Unternehmen – sei so jung, dass bewährte Modelle noch fehlten.

Außer vielleicht Freemium, an das Guericke als einer der Pioniere weiter glaubt.

Und so hält er etwa auf Produktivität fokussierte Freemium-Start-ups wie die Speicherplatzanbieter Dropbox und Box für unterbewertet. „Die Nutzer gewöhnen sich an diese Werkzeuge, so sickern sie in Unternehmen ein, was früher viel schwieriger war“, meint er. Dann könnten die Gründer sich stärker auf die Monetarisierung fokussieren – genau wie LinkedIn das getan habe.

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Und sogar bei sozialen Netzen, wo sich Facebook und LinkedIn als Marktführer durchgesetzt haben, sieht Guericke noch Potenzial. Vor allem in Nischen, wie etwa einem Netzwerk für Mediziner, das das Silicon-Valley-Start-up Doximity betreibt. Dort ist Guericke Aufsichtsrat.

„Die Kunst ist, einen Markt zu finden, der eine attraktive Klientel bedient, aber gleichzeitig so klein ist, dass die Großen einen Einstieg nicht rechtfertigen können“, sagt Guericke. Und dann ist natürlich ein langer Atem erforderlich, um die Strategie durchhalten zu können. Ausdauer also – genau wie man sie auch bei stundenlangem Wandern über dem Silicon Valley benötigt.

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