Valley Talk: Facebook wird von der Perle zum Paria

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Durch den verpatzten Börsengang hat das Image von Facebook tiefe Risse davongetragen - Doch welche Auswirkungen hat das Silicon Valley dadurch zu befürchten?

Kolumne von Matthias Hohensee

Die Hoffnung auf einen neuen Börsenfrühling ist dahin. Im Silicon Valley ist Facebook plötzlich ein Imagerisiko. Was bedeutet das für das High-Tech-Tal?

Der Katzenjammer im Silicon Valley über den verpatzten Börsengang von Facebook will nicht abklingen. Eigentlich sollte er das Image des High-Tech-Eldorados verbessern, den Boden für weitere Börsengänge junger High-Tech-Unternehmen bereiten und den Eindruck vermitteln, dass Internet-Werte attraktiv seien. Nach dem vermasselten Start von Facebook – bei dem zahlreiche der frühen Investoren des sozialen Netzwerks ungewöhnlich viele ihrer Anteile abstießen – ist die Hoffnung auf einen neuen Börsenfrühling dahin.

Mit Bangen schauen viele nun auf den Juli, wenn Facebook die Zahlen für das zweite Quartal präsentiert. Analysten von Morgan Stanley und Goldman Sachs glauben, dass sich das Wachstum des sozialen Netzwerks erneut verringert hat. Wenn das tatsächlich stimmt, dürfte dessen Image erneut leiden.

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Facebook: Schwächster Börsengang seit 2007Video abspielen
Facebook: Schwächster Börsengang seit 2007

Plötzlich ist Facebook nicht mehr die Perle, sondern der Paria. Der ehemalige Internet-Unternehmer Steve Blank, der angehende Gründer an Spitzenuniversitäten wie Stanford und Berkeley unterrichtet, behauptet sogar, dass Unternehmen wie Facebook die Innovation im Silicon Valley gefährden würden, weil Wagnisfinanzierer lieber Geld in soziale Medienunternehmen stecken, die sie dann wie früher die Hausspekulanten dem nächsten Dummen andrehen können.

Facebook ist kein Innovationskiller

Bahnbrechende Dinge, klagt Blank, haben dadurch noch weniger Chancen, solide finanziert zu werden. Zwar stimmt es, dass vor allem deshalb viel Geld in Internet-Unternehmen fließt, weil bei ihnen im Gegensatz zu Umwelttechnik oder Biotechnologie relativ schnell klar ist, ob das Produkt für die Kunden attraktiv ist.

Doch der Vorwurf, dass Facebook Innovationen erdrücken würde, ist so überzogen wie die Erwartungen an dessen 100-Milliarden-Dollar-Börsengang. Kritiker unterschlagen, dass Facebook eine Infrastruktur geschaffen hat, die Geschäftsmodelle anderer Unternehmen erst möglich macht. Bestes Beispiel dafür ist der Social-Gaming-Anbieter Zynga. Zudem werden Teile der Gelder aus dem Facebook-Börsengang reinvestiert, entweder von professionellen Anlegern, von Facebook selbst oder von Mitarbeitern des sozialen Netzwerks, die ihr eigenes Startup aufbauen. Dadurch verbessern sie letztlich das Gründer-Ökosystem im Silicon Valley.

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