Valley Talk: Flotten-Strategie bringt EMC Vorteile

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Eine Flotte der Navy. Auch der Datenspeicherkonzern EMC setzt statt auf einen mächtigen Tanker auf eine flexible Flotte

Kolumne von Matthias Hohensee

Der Datenspeicherkonzern EMC hat ein unkonventionelles Modell für Firmenzukäufe perfektioniert: Eine Flotte flexibler Unternehmen schart sich um den Mutterkonzern. Wie weit geht der Pragmatismus?

John Chambers, Chef des Netzwerk-Giganten Cisco, galt im Silicon Valley bislang als Meister der Übernahme und Integration von Unternehmen. Der von ihm geführte Konzern hat in den vergangenen 20 Jahren 150 Unternehmen gekauft und fast alle erfolgreich in sein Imperium eingegliedert. Doch Beobachter warnen, dass der Cisco-Tanker dadurch zwar mächtig, aber auch immer schwerer zu steuern geworden ist. Das ist in der Informationstechnologiebranche riskant. Dort wird es wegen der Dynamik des Marktes immer komplizierter, zwischen Wettbewerbern, Partnern und Kunden zu unterscheiden und einen klaren Kurs zu halten. In Wachstumsmärkten wie der Internet-Infrastruktur und Software machen sich zudem alle wichtigen Spieler an irgendeiner Stelle gegenseitig Konkurrenz.

Ein anderes Modell hat der Datenspeicherkonzern EMC perfektioniert. Dabei werden Unternehmen nicht automatisch in den Schoß der Konzernmutter bugsiert, sondern entweder Tochterunternehmen zugeordnet oder behalten ganz ihre Eigenständigkeit. EMC-Chef Joe Tucci und sein Finanzchef David Goulden haben in den vergangenen Jahren ebenfalls eifrig zugekauft. Doch sie haben damit keinen mächtigen Tanker geschaffen, sondern eine Flotte flexibler Unternehmen um sich geschart.

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Der Kunde darf wählen

Dazu gehören neben EMC der Virtualisierungsspezialist VMWare und Cloud-Software-Entwickler Pivotal aus dem Silicon Valley. Diese haben eigene Vorstandschefs, die ihren eigenen Kurs setzen können. Einzige Ausnahme ist der Datensicherheitsspezialist RSA. Der ist EMC zugeordnet, vor allem deshalb, weil sich der Datenspeicherspezialist inzwischen mehr als Experte für Speichertechniksoftware sieht und Datensicherheit als einen Bestandteil davon.

EMC ist zwar weiterhin das Flaggschiff und kontrolliert die Tochterunternehmen mehrheitlich. Und die EMC-Flotte tauscht auch Technologie untereinander aus. So hat etwa der vom ehemaligen Microsoft-Manager Paul Maritz geführte Cloud-Software-Entwickler Pivotal beispielsweise Datenbanksoftware von EMC übernommen.

Doch es ist kein Problem, wenn die Beiboote der Mutter in die Quere kommen. Zumindest offiziell nicht. So hat das Startup Pivotal keine Verpflichtung, Internet-Infrastruktur von EMC und VMWare zu vermarkten. Die Applikationen sollen genauso gut mit den Angeboten von Wettbewerbern wie Microsoft und Amazon Web Services klarkommen. Welche Infrastruktur er wählt, soll der Kunde entscheiden, postulieren Maritz und sein oberster Chef Tucci.

Wie weit der Pragmatismus geht, wird sich noch zeigen

Die Autonomie der Flotte bietet noch andere Freiheiten. An Pivotal hat sich General Electric mit 105 Millionen Dollar beteiligt. Der Mischkonzern, der eine Größe im sogenannten industriellen Internet werden will, sieht das als strategische Investition. Zwar hat sie bei Konkurrenten wie Siemens Naserümpfen ausgelöst. Doch eine direkte Beteiligung am Mutterkonzern EMC – der auf diese Weise dennoch einen Industriepartner für seine Gruppe gewonnen hat – hätte diese weit mehr verärgert.

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Trotz dieser Vorteile muss sich erst noch auf Dauer erweisen, wie stark die Tochterunternehmen der Mutter tatsächlich in die Parade fahren dürfen und wie weit der Pragmatismus geht. Wenn Pivotal hilft, die Internet-Infrastruktur von Amazon stärker zu etablieren, sieht das für VMWare nicht gut aus. Andererseits verdient VMWare indirekt an Aufträgen der Konkurrenz mit.

Finanziell ist das Modell bislang ein Erfolg. VMWare konnte weiter eigenständig an der Börse gehandelt werden und ist heute 38 Milliarden Dollar wert. Der Mutterkonzern wird mit 56 Milliarden Dollar bewertet. Auch Pivotal soll in ein paar Jahren an die Börse gehen. Am Ende könne die Flotte am Ende so mehr wert sein als der Tanker.

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