
Im Silicon Valley erfährt man neben vielen interessanten Sachen auch manchen Unsinn. Wie Googles Motto, dass man beim Geschäftemachen grundsätzlich „das Böse“ vermeiden kann. Was immer das ist. Umso erfrischender sind Aussagen, die treffend sind, zeitlos und ehrlich. Mein Favorit ist die von Silicon-Valley-Investmentbanker Paul Deninger von Evercore Partners, der seit 25 Jahren High-Tech-Unternehmen berät. Er sagt, dass es „keine erfolgreichen Börsengänge gibt, nur erfolgreiche Unternehmen“. Ergo: Die richtig harte Arbeit fängt erst nach dem Börsengang an.
Die Erkenntnis macht gerade auch Mark Pincus, der Chef und Gründer des Online-Spieleanbieters Zynga. Dessen Börsendebüt war alles andere als erfolgreich. Zwar schaffte es Pincus, in nur fünf Jahren ein Unternehmen mit sechs Milliarden Dollar Börsenwert aus dem Boden zu stampfen. Doch was seine Wagnisfinanzierer, die Mitarbeiter der ersten Stunde und ihn persönlich freut, hilft den Anlegern nicht: Die Aktie dümpelt seit dem Debüt Mitte Dezember unter dem Ausgabekurs. Und das, obwohl Zynga-Mitarbeiter ihre Aktien derzeit noch gar nicht verkaufen dürfen.
Quelle: dpaFacebook
Mit den Unterlagen zum Börsengang hat Facebook Anfang Februar zum ersten Mal ausführliche Zahlen zu seinem Geschäft veröffentlicht. Daraus ist zu entnehmen, dass das Unternehmen schon seit Jahren profitabel ist: 2011 gab es eine Milliarde Dollar Gewinn, im Jahr davor 606 Millionen und 2009 auch schon 229 Millionen Dollar. Im Jahr 2008 lag der Verlust bei 56 Millionen Dollar und 2007 bei 138 Millionen Dollar.
- Facebook ist inzwischen ein außerordentlich lukratives Geschäft. Den Milliardengewinn 2011 schaffte das Online-Netzwerk mit nur 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Quelle: dapdFacebook
Mark Zuckerberg wird Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff haben. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen werden. Damit wird Zuckerberg auch in Zukunft ein geringer Anteil reichen, um sein Unternehmen zu kontrollieren.
Quelle: REUTERSGroupon
Der Internet-Gutscheindienst Groupon gab zum Börsenstart Anfang November 2011 insgesamt 35 Millionen Aktien zum Preis von 20 Dollar aus. In den ersten Handelsminuten schoss der Kurs der Aktie um fast 50 Prozent in die Höhe. Groupon gab 35 Millionen Anteilsscheine aus, das waren mehr als zunächst geplant. Auch der Preis lag über den zunächst angekündigten 16 bis 18 Dollar. Nach einem Absturz bis auf 15 Dollar im November 2011 notiert die Aktie mit über 20 Dollar Anfang Februar wieder über dem Ausgabepreis.
Insgesamt nahm Groupon mit dem Aktienverkauf damit 700 Millionen Dollar (knapp 510 Millionen Euro) ein. Das war der größte Börsengang eines Internetkonzerns in den USA seit dem Start des Internetriesen Google am New Yorker Aktienmarkt. Groupon war im November 2008 in Chicago gegründet worden und ist heute in mehr als 140 Ländern aktiv.
Quelle: REUTERSLinkedIn
Das Karriere-Netzwerk LinkedIn startete im April 2011 mit massiven Kursaufschlägen am Markt. Mit dem zwischenzeitlichen Höchstpreis von gut 90 Dollar war das Internet-Unternehmen an seinem ersten Börsentag rund 8,6 Mrd. Dollar wert (sechs Mrd. Euro), zeitweilig stieg sie sogar auf über 121 Dollar. Doch es ging auch wieder bergab. Anfang Januar 2012 kostete die Aktie etwas über 72 Dollar und liegt damit über dem Ausgabepreis von 45 Dollar.
Quelle: dpaTwitter
Obwohl die Nutzung von Twitter in letzter Zeit zurückgegangen ist, erwägt der Internet-Kommunikationsdienst den Gang an die Börse. Firmen-Mitbegründer Biz Stone wolle 2012 zunächst aber erst den Umsatz kräftig ankurbeln, sagte er bei einer Veranstaltung in Oxford.
Quelle: dapdZynga
Der Spiele-Anbieter Zynga wurde im Jahr 2007 gegründet und erlangte schnell wachsende Beliebtheit mit browserbasierten Computerspielen, die innerhalb von sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook enorme Verbreitung finden. Bekannt Beispiele sind "Farmville" oder "Cityville". Am 16. Dezember 2011 war es dann soweit: Das Unternehmen ging an die Börse. Die Zynga-Aktie kann am ersten Tag nicht den Ausgabepreis von zehn Dollar halten. Gründer und Chef Mark Pincus wirbt bei Investoren um langfristiges Vertrauen. Nach einem zwischenzeitlichen Tief unter acht Dollar hat sich das Papier inzwischen wieder über den Ausgabepreis gekämpft, Anfang Februar notiert es bei 10,60 Dollar.
Quelle: dapdYelp
Das US-Portal Yelp steckt noch - wie viele andere Online-Firmen - in den roten Zahlen. In den ersten neun Monaten 2011 gab es einen Verlust von 7,6 Millionen Euro bei Umsätzen von 58,4 Millionen. Pro Monat besuchen etwa 63 Millionen Nutzer die Website. Auch Yelp strebt an die Börse, im November hat das Unternehmen einen Antrag aud Bör4sennotierung gestellt - den genauen Termin jedoch offen gelassen. Das Geld aus dem Börsengang soll laut Prospekt für den Geschäftsbetrieb verwendet werden.
Bei dem US-Portal können Nutzer Restaurants und Bars bewerten, in Deutschland bietet etwa Qype eine ähnliche Plattform an. Zu den größten Risikofaktoren gehört die hohe Abhängigkeit von Suchmaschinen wie Google, Bing, Yahoo oder Ask.com.
Quelle: REUTERSYandex
Ende Mai 2011 erlöste die führende russische Suchmaschine Yandex bei der Aktienplatzierung in den USA 1,3 Milliarden Dollar. Zum Ausgabepreis von 25 Dollar war das Unternehmen acht Milliarden Dollar wert. Nachdem der Kurs zwischenzeitlich auf mehr als 40 Dollar stieg, liegt die Aktie Anfang Februar 2012 mit etwa 19 US-Dollar wieder unter dem Ausgabepreis.
Quelle: handelsblatt.comPandora
Das Internet-Radio hat noch nie Gewinn gemacht, es brachte zum Börsenstart Mitte Juni 2011 aber 2,6 Milliarden Dollar auf die Waage. Die Anleger trieben die Wert zunächst sogar auf 3,6 Milliarden Dollar hoch, doch schnell setzte auch die Ernüchterung ein: Schon am zweiten Tag an der Börse fiel die Aktie deutlich unter den Ausgabepreis von 16 Dollar. Anfang Februar kostet sie etwas über zwölf Dollar.
Quelle: REUTERSGoogle
Facebook wird bei seinem Mega-Börsengang besonders am großen Rivalen Google gemessen, der seine Anteile 2004 auf den Markt bringt. Bei einem Ausgabekurs von 85 Dollar nahm Google rund 1,9 Milliarden Dollar ein - der bisher größte Internet-Börsengang. Der erste Kurssprung fiel mit 20 Prozent zwar vergleichsweise moderat aus - dafür steht der Kurs Anfang Februar 2012 bei gut 580 Dollar, der Internet-Konzern ist damit fast 190 Milliarden Dollar wert.
Mit den Unterlagen zum Börsengang hat Facebook Anfang Februar zum ersten Mal ausführliche Zahlen zu seinem Geschäft veröffentlicht. Daraus ist zu entnehmen, dass das Unternehmen schon seit Jahren profitabel ist: 2011 gab es eine Milliarde Dollar Gewinn, im Jahr davor 606 Millionen und 2009 auch schon 229 Millionen Dollar. Im Jahr 2008 lag der Verlust bei 56 Millionen Dollar und 2007 bei 138 Millionen Dollar.
- Facebook ist inzwischen ein außerordentlich lukratives Geschäft. Den Milliardengewinn 2011 schaffte das Online-Netzwerk mit nur 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Die schwache Performance liegt nicht nur an der allgegenwärtigen Angst vor der nächsten Internet-Blase. Sie ist auch dem Phänomen geschuldet, dass alle halbwegs erfolgreichen Ideen im Netz sofort kopiert werden. Alleine in Online-Spiele-Startups flossen vergangenes Jahr laut PricewaterhouseCoopers mindestens 1,5 Milliarden Dollar an Wagniskapital. Nicht nur von Medienunternehmen. Auch Branchenfremde wie Intel investieren fleißig. Denn das Gedaddel benötigt Rechenleistung und fördert deshalb den Absatz von Computern.
Gesunkene Spielerzahl bei Zynga
Spielefans erfreuen sich am wachsenden Angebot. Bei Zynga dagegen ist die Zahl der aktiven Spieler im vierten Quartal merklich gesunken. Laut Analysten ist sie um mindestens sechs Prozent gefallen. Das schmerzt doppelt, weil Zynga gerade auf den harten Kern aktiver Nutzer angewiesen ist, die nicht nur gelegentlich kostenlos spielen, sondern dauerhaft für mehr und schnelleren Spaß bezahlen.
Um die unzufriedenen Anleger zu beruhigen, setzt Unternehmensgründer Pincus nun ausgerechnet auf Fortuna und prüft, ins Glücksspiel einzusteigen. Rund sieben Millionen seiner Nutzer spielen laut Pincus schon jetzt auf seiner Seite Poker. Sie können Chips kaufen, ihre Gewinne jedoch nicht in Geld zurücktauschen. Noch nicht.













