Valley Talk: Googles große Daten-Sorgen

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kolumneValley Talk: Googles große Daten-Sorgen

Kolumne von Matthias Hohensee

15 Jahre nach Gründung ist Googles Einfluss gigantisch. Und er wird mit dem Trend hin zu großen Big-Data-Analysen noch wachsen. Wie das für den Konzern gefährlich werden kann.

Im Jahr 15 nach seiner Gründung kontrolliert das einstige Startup Google ein Drittel aller weltweiten Ausgaben für Online-Werbung. Auf Platz zwei folgt laut dem Marktforscher eMarketer der Zweitplatzierte Facebook – weit abgeschlagen mit fünf Prozent Marktanteil.

Dabei steht Google noch nicht mal auf dem Zenit seiner Macht. Der nächste große Wachstumsmarkt – Big Data, das Zusammenführen und Auswerten von Daten auf der Suche nach Trends und Interessen – wird das ehemalige Startup noch einflussreicher machen. Vor allem wenn der Nachweis zwischen Werbeausgaben und dadurch erfolgten Käufen gelingt.

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Das wird den Internet-Riesen noch mächtiger machen, aber auch angreifbarer. Gut möglich, dass der Konzern deshalb noch in diesem Jahrzehnt zerschlagen wird oder sich selber zerlegt. Denn wie jedes erfolgreiche Unternehmen trägt Google die Gefahr des Missbrauchs in sich. Und weit stärker als viele andere Giganten, da es täglich von über einer Milliarde Menschen genutzt wird und den Fluss von Informationen steuert.

Suchmaschine Google legt Export-Fibel auf

Der Technologiekonzern hat am Mittwoch in Hamburg eine Datensammlung mit Kennzahlen zu den aus seiner Sicht zwölf wichtigsten internationalen Märkten für Firmen vor gestellt.

Beispiel für eine Suche im Global Market Finder Quelle: translate.google.com/globalmarketfinder Quelle: Screenshot

Seine Gründer, Larry Page und Sergey Brin, waren sich dessen früh bewusst. Sonst hätten sie nicht in das Manifest ihres Unternehmens den berühmten Spruch „Don’t be evil!“ aufgenommen – „Sei nicht böse!“

Ehrlicherweise hätten sie hinzufügen müssen, dass sie diesen Vorsatz nie ernsthaft beherzigen können. Nicht in einer Marktwirtschaft, wo jedes Unternehmen nach Dominanz strebt. Google hat sie in vielen seiner Märkte bereits erreicht. Am offensichtlichsten bei suchbasierter Werbung, wo der Konzern monopolähnliche Macht genießt.

Theoretisch können die Suchenden zwar zur Konkurrenz wechseln. Doch sie tun das seit Jahren nicht mehr. Neun von zehn Suchen laufen etwa in Deutschland über Google. Auch bei der Bannerwerbung ist Google Weltmarktführer. Selbst der Wechsel vom Desktop ins mobile Netz ist dank Android geglückt. Rund 50 Prozent aller Mobilwerbung weltweit entfällt bereits auf Google.

Algorithmen Big Data schafft den Zufall ab

Die neue Qualität von Daten ist eines der Megathemen der Cebit. Experten diskutieren die Möglichkeiten von Big Data – und lassen die Massen ratlos zurück. Dabei bestimmten die Algorithmen schon längst unseren Alltag.

Die Kunst  von Big Data besteht darin, den richtigen Algorithmus zu entdecken. Um die richtigen Rechenformeln zu finden, schreiben Unternehmen riesige Wettbewerbe aus. Quelle: dpa/Montage

Wo das Publikum ist, fließen die Werbeausgaben hin. Oder, wie im Fall von Microsofts Suchdienst Bing, eben nicht. Googles wichtigster Wettbewerber existiert nur deshalb noch, weil der Eigentümer ihn aus strategischen Gründen alimentiert.

Fakt ist, dass Google bei Online-Werbung eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. So wie Microsoft in den Neunzigerjahren bei PC-Betriebssystemen. Der Weg zum Monopol ist unverkennbar.

Monopole sollten in Marktwirtschaften zerschlagen werden, wenn sie den Wettbewerb blockieren. Theoretisch. Doch bei Microsoft scheuten US-Politiker davor zurück, weil der Softwarekonzern das Gros der Umsätze im Ausland erzielte und die Politik so die eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit untergraben hätte. Bei Google ist das ähnlich. Es ist zudem enorm populär, weil es viele Dienste kostenfrei offeriert.

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Der Vorstoß zur Bändigung der Machtfülle muss deshalb aus dem Ausland kommen, etwa der EU. Kein Unternehmen auf dem europäischen Kontinent hat auch nur den Hauch einer Chance, mit Google in den Wettbewerb zu treten.

Dabei muss es für Google nicht einmal von Nachteil sein, wenn es Grenzen gesetzt bekommt. Für Microsoft etwa wäre es im Rückblick ein Segen gewesen, wenn der Konzern vor 13 Jahren aufgespalten worden wäre. Der auf Privatkunden fokussierte Teil hätte wohl den Übergang ins Zeitalter der Smartphones und Tablets sicher besser gemeistert als der träge Koloss, der das Unternehmen heute ist. Und auch die Überreste des einst zerschlagenen Telefongiganten AT&T, die Baby-Bells, haben – gestärkt – wieder zusammengefunden.

Was auch geschieht: Googles DNA wird uns noch lange durchs Netz begleiten.

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