Valley Talk: Im Internet gibt es keine Privatsphäre

kolumneValley Talk: Im Internet gibt es keine Privatsphäre

Kolumne von Matthias Hohensee

Die Cyberschnüffelei der US-Sicherheitsbehörden im Netz ließe sich unterbinden. Wenn Politik und Web-Konzerne Interesse daran hätten.

Anfang der Neunzigerjahre klagten deutsche Sicherheitsbehörden, dass die abhörsicheren Mobilfunknetze ihnen die Strafverfolgung erschweren. Und selbst als wenige Jahre später Lauscheinrichtungen direkt in den Netzen installiert waren, jammerten sie noch, um Kriminelle in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Heute weiß selbst der dümmste Dieb, dass sein Handy sich nicht nur abhören, sondern auch orten lässt.

Genauso ist es mit dem Internet. Verbergen können sich in dessen digitalen Weiten nur auf das Verschleiern ihrer Spuren spezialisierte Experten oder Cyberkriminelle, die von ihren Regierungen nicht verfolgt oder sogar bewusst geschützt werden.

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PRISM 19.000 Facebook-Profile ausgespäht

Facebook und Microsoft haben bekannt gegeben, wie oft der US-Geheimdienst Zugriff auf Nutzerprofile verlangt hat. Die Behörden gestehen den Firmen mehr Transparenz zu. Google geht das nicht weit genug.

Facebook veröffentlicht erstmals Zahlen zu US-Behördenanfragen. Quelle: dpa

„Im Internet gibt es keine Privatsphäre“, erklärte Ende der Neunzigerjahre schon Scott McNeally nüchtern. „Nur wer naiv ist, sieht das anders“, bekräftigte der Silicon-Valley-Computerpionier und Mitgründer von Sun Microsystems, als ich ihn damals nach Datenschutz im Internet befragte.

Das Gespräch fiel mir ein, als durch einen an die Öffentlichkeit lancierten geheimen Gerichtsbescheid bekannt wurde, wie US-Behörden Telefongespräche und E-Mails auswerten, um, wie Präsident Obama klarstellte, Terroristen und Kriminellen das Handwerk zu legen. Im Silicon Valley überrascht die digitale Schnüffelei niemanden.

So lesen Deutsche Behörden mit

  • Wie schaut Deutschland mit?

    Fakt ist, auch der BND durchkämmt massenhaft E-Mail-Nachrichten. Das bestätigte die Bundesregierung bereits im Mai 2012 in einer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken. Der Dienst durchforste elektronische Nachrichten nach tausenden Suchbegriffen, heißt es darin. Im Jahr 2010 wurden damit 37 Millionen Nachrichten herausgefiltert, bei den E-Mails stellten sich jedoch 90 Prozent als Spam heraus. Auch verschlüsselte Kommunikationen könnten deutsche Geheimdienste teilweise entschlüsseln.

  • Haben die USA Zugriff?

    Ob Gesetze der USA den US-Behörden Zugriff auf die Daten europäischer Nutzer erlauben, wollte die Linke in einer weiteren Anfrage wissen. Dazu „liegen der Bundesregierung nur Hinweise aus öffentlich zugänglichen Quellen vor“, hieß es im März knapp im Antwortschreiben der Regierung.

  • Wie kann ich mich schützen?

    Grundsätzlich gilt: Wer Privates privat halten will, sollte es nicht im Netz teilen. Aber wenn man persönliche Details vor dem Zugriff Dritter schützen will (oder auch nur verhindern, dass dazu automatisiert passende Werbung angezeigt wird), dann sollte man seine Nachrichten verschlüsseln. Zusatzsoftware oder auch die erforderlichen Zertifikate, mit denen man die entsprechenden Funktionen aktivieren kann, gibt es für viele externe E-Mail-Programme, wie Outlook oder Thunderbird. Wer dem nicht zustimmt, muss den Anbieter wechseln, denn das alte spionagefreie Angebot ist abgeschaltet.

  • Welche Verschlüsselungsform ist sicher?

    Aktuell gilt ein 923 Bit umfassender E-Mail-Schlüssel als am sichersten. Aufgrund der Größe ist er kaum zu knacken. Forscher benötigten in einem Text 148 Tage und 21 Rechner, um hinter den Schlüssel zu kommen.

Befremdlich ist eher, dass die staatlichen Schlapphüte angeblich direkt auf die Server der Online-Giganten Google, Facebook, Twitter, Yahoo, Apple und Microsoft zugreifen können, ohne dass die IT-Konzerne davon wissen. Was die betroffenen Unternehmen allerdings dementieren. Bislang war nur bekannt, dass die Internet-Unternehmen per Gerichtsbescheid Daten ausfiltern müssen.

Dabei ließe sich der in den Bürgerrechten garantierte Schutz des Privaten sicherstellen (und auch Cyberspione hätten es schwerer), wenn Internet-Anbieter und -Nutzer die Online-Kommunikation wirksam verschlüsselten. Nur wollen genau das weder Regierungen noch Internet-Giganten.

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